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George trifft George

George trifft George

Zum 75. Geburtstag von Götz George zeigt Arte am 22. Juli um 20.15 Uhr sowie Das Erste am 24. Juli um 21.45 Uhr das Dokudrama „George“. Darin spielt Götz seinen Vater Heinrich George in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod 1946 im Gefangenenlager. Am 26. Juli erscheint die DVD bei Universum Film, am 23. Juli das Buch „Heinrich George – Eine Spurensuche“. 

 

Dieser Film markiert die wohl schwierigste Rolle im Leben des Schauspielers: Um das Andenken an seinen Vater zurechtzurücken, dem heute noch der Ruf eines NS-Darstellers anhaftet, spielt Götz seinen Vater, den „Jahrhundertschauspieler“ Heinrich George.

Annäherung an einen Mythos
Am 25. September 1946 starb einer der größten deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts im sowjetischen Lager Sachsenhausen, gerade 52 Jahre alt: Heinrich George. Für die einen war er Opportunist, der regimetreue Star in Filmen wie  „Hitlerjunge Quex“, „Jud Süß“ und „Kolberg“, für die anderen ein Vollblutschauspieler, der Verfolgten des NS-Regimes das Leben rettete und sein Theater von Propaganda freihielt.

Das Dokudrama zeigt die letzten Jahre des Film- und Theaterstars Heinrich George von der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zu seinem Tod in sowjetischer Kriegsgefangenschaft – eine vielschichtige Rekonstruktion seiner letzten Lebensphase. Der „Jahrhundertschauspieler“, gefeiert in der Weimarer Republik als Franz Biberkopf in der Literaturverfilmung „Berlin Alexanderplatz“, als Götz von Berlichingen und in zahllosen andere Rollen. Der „große George“, der sich arrangierte, statt zu emigrieren, nachdem Hitler die Macht übernommen hatte, und in Propagandafilmen mitspielte.

Der Pakt mit dem Teufel
„Ich wünschte sehr der Menge zu behagen“, rezitiert George aus Goethes „Faust“, als er 1945 von den Sowjets in Hohenschönhausen als Kriegsverbrecher interniert wird. Es ist einer der Schlüsselsätze dieses außergewöhnlichen Films. Der Krieg ist aus, der Führer ist tot und George steht wie viele Deutsche vor einem Trümmerhaufen. Er ahnt, dass er sich als Künstler, der sich auf die Nazis einließ, Schuld aufgeladen hat. Dabei wollte er doch nur spielen. Ein Leben ohne Theater, sagt er einmal, wäre gleichbedeutend mit dem Tod.

George spielte bis zum bitteren Ende. Während vieler seiner Kollegen emigrierten oder im Lager landeten, ging Heinrich George einen Pakt ein. Er ließ sich von den Nazis für Propagandafilme einspannen, wurde zum Intendanten des Berliner Schillertheaters befördert, durfte große Tourneen machen. George wurde zum Aushängeschild des Regimes. Aber George nutzte seine Privilegien, um jüdische Künstler vor der Verfolgung zu retten. Er verachtete Hitler als Suppenkasper. Und er glaubte, die Freiheit der Kunst bewahren zu können, wo es doch nur um die bedingungslose Gefolgschaft für den Führer ging.

George brauchte Publikum. Er fand es nach Kriegsende im Gefangenenlager. Selbst in dieser aussichtslosen Lage, den eigenen Tod vor Augen, bleibt seine Kunst die einzige Konstante. Im Lager inszeniert er mit Mithäftlingen Goethes „Faust“, was sonst. Die Geschichte eines Mannes, der einen Pakt mit dem Teufel schließt und dafür mit dem Leben bezahlen muss.

Spiel und Dokument
Das Dokudrama „George“ fällt kein Urteil über Heinrich George. Heinrich George war ein überlebensgroßer Schauspieler, ein schillernder Charakter, ein Mann voller Widersprüche. Sein Sohn Götz spielt ihn mit Respekt und Abstand, unsentimental und hochkonzentriert. Was sein Vater war, ist Götz George: einer der größten Schauspieler seiner Zeit. Und „George“ zählt zu seinen besten Rollen. Der Film verlässt sich aber nicht auf den genialen Kniff, den Vater vom Sohn spielen zu lassen. Die Spielszenen sind nur eine Facette des Dokudramas.

Autor und Regisseur Joachim A. Lang montierte Material, das Georges Leben aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Historische Aufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen, Bilder von den Dreharbeiten brechen die Spielhandlung immer wieder auf und erweitern den Blick auf Heinrich George. Die Spielszenen beeindrucken aber am stärksten, so soll es auch sein. Schließlich geht es um die Faszination, die ein Schauspieler ausübte. Neben Götz George selbst liefert vor allem Samuel Finzi als Sowjet-Oberleutnant Bibler, der in langen Verhören Georges Schuld zu beweisen versucht, ein starkes Bild. Martin Wuttkes Goebbels bleibt ebenfalls hängen.


GEORGE erscheint am 26. Juli bei Universum TV SI auf DVD; Laufzeit ca. 110 Min.; Sprache: Deutsch; FSK: ab 12 Jahren freigegeben.

Das zum 75. Geburtstag von Götz George am 23. Juli erscheinende Buch „Heinrich George – Eine Spurensuche“:

Das Buch gibt Einblick in die Entstehung des Films und lässt die Söhne Götz und Jan George sowie zahlreiche Zeitzeugen ausführlich Stellung nehmen zu Persönlichkeit und Haltung Georges während des Krieges und der Gefangenschaft in den sowjetischen Lagern.
Joachim A. Lang: „Heinrich George – Eine Spurensuche“, 272 Seiten, ca. 80 farbige und s/w Abbildungen, Hardcover mit Schutzumschlag, 24,90 Euro, ISBN 978-3-89487-755-2


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1 Kommentar

  1. muender

    1. August 2013 in 19:50

    gern dabei

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