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DER DIEB DER WORTE

DER DIEB DER WORTE

In Zeiten, in denen Politiker ihre Doktorwürde wegen erwiesener Plagiate aberkannt bekommen und scheinbar ohne jedes Unrechtbewusstseins widerwillig ihr Amt verlassen, zeigt „Der Dieb der Worte“, dass Romanautoren, die sich mit fremden bzw. gestohlenen Federn schmücken, deutlich mehr Gewissensbisse plagen. Mit einem hohen Staraufgebot, wie Jeremy Irons, Dennis Quaid und Bradley Cooper punktet der Film ab dem 23. Mai im Kino.


Gleich drei Erzählebenen bietet „Der Dieb der Worte“ an. Da wäre zuerst der gefeierte Autor Clay Hammond (Dennis Quaid), der vor großem Auditorium seinen Roman „The Words“ vorstellt, so auch der Originaltitel des Films. Darin – und hier kommt Ebene zwei – geht es um den jungen Schriftsteller Rory Jansen (Bradley Cooper), dessen eigenes, ambitioniertes Werk in den Schubladen der Verlagshäuser schimmelt, bis er auf der Hochzeitsreise in Paris von seiner Frau Dora (Zoe Saldana) eine Dokumentenmappe aus einem Antiquariat geschenkt bekommt, in dem er später ein fremdes Manuskript finden soll. Der Stoff ist derartig faszinierend, dass Rory Wort für Wort abschreibt, nur um den wunderbaren Text einmal durch seine Finger fließen zu lassen.

Ab da verselbstständigen sich die Dinge. Denn Rorys Frau Dora findet das Dokument auf seinem Computer und ist derartig ergriffen von Inhalt und Qualität des Entwurfs, dass sie ihren Mann anfleht es einem Verleger zu zeigen. Der kann nicht widerstehen – und schon gar nicht eingestehen, dass es sich hier nicht um seine Worte handelt. Das Werk wird ein Bestseller, ein ganz großer Wurf, der von Kritikern und Lesern gleichermaßen gefeiert wird. Auf dem Höhepunkt von Rorys Erfolg heftet sich plötzlich ein alter Mann (Jeremy Irons) an seine Fersen, der Rorys Romanstoff mit Leben, Anekdoten und Hintergrundwissen füllt, wie es eigentlich nur der Urheber vermag.

Hier setzt nun die dritte Ebene an. Der eigentliche Verfasser entführt den Zuschauer ins Paris während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg und erzählt seine tragische Geschichte, bis hin zum Verlust des Manuskriptes.

Ein schön verschachteltes, spannendes Konstrukt aus dem viel hätte werden können. Haben Brian Klugman und Lee Sternthal, die beide für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, zu viel gewollt? Auf jeden Fall erinnert ihre Geschichte stark an Martin Suters Bestseller „Lila, Lila“, der mit Hannah Herzsprung, Daniel Brühl und Henry Hübchen 2009 prominent verfilmt wurde.

Selbst wenn das Drehbuch auf ihrem eigenen Mist gewachsen ist, müssen sich Klugman und Sternthal den Vergleich mit dem älteren Film gefallen lassen. Und der kommt deutlich besser weg, da er sich auf Sein und Schein des Literaturbetriebs konzentriert und den Konflikt der Hauptfigur sowie die Folgen von Lug und Trug in den Mittelpunkt stellt.

Hingegen erzählt „Der Dieb der Worte“ eine Menge, aber nichts so richtig. Immer wieder bremsen die drei Erzählebenen sich gegenseitig aus und verhindern einen mitreißenden Erzählfluss. Von der ersten Filmminute an, betört ein ganzes Sinfonieorchester (Komposition: Marcelo Zarvos) die Sinne. Nackenhaare und Nervenenden stellen sich in Vorfreude auf, in Erwartung auf ein ganz großes Kinoerlebnis, ein bewegendes Meisterwerk. Die hochkarätige Darstellerriege lässt ebenfalls hoffen – doch ach, der Funke, er will nicht überspringen. Herz und Hirn warten vergebens und am Ende fühlt man sich von „Der Dieb der Worte“ irgendwie betrogen.

Kinostart: 23. Mai 2013; Regie: Brian Klugman und Lee Sternthal; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 106 Min.; Verleih: Wild Bunch/ Central Film; Links: der-dieb-der-worte.de

 

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