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DER GROSSE GATSBY

DER GROSSE GATSBY

Am 16. Mai startet mit Baz Luhrmanns Version nach F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“ nicht etwa, wie vielerseits angenommen, ein weiterer verzweifelter Versuch, der gleichnamigen Romanvorlage in filmischer Umsetzung gerecht zu werden, sondern man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dem Regisseur mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle und perfekt gecasteten Darstellern wie Tobey Maguire, Carey Mulligan und Joel Edgerton in einem schillernden 3D-Umfeld DIE Filmversion zu „Der große Gatsby“ gelungen ist. 

 


Mit der fünften Verfilmung eines der bedeutendsten literarischen Werke der Moderne an den Start zu gehen, war keine leichte Voraussetzung für Baz Luhrmann, dem obendrein dank „Moulin Rouge“ wohl eher nur die burleske optische Darstellung der „Golden 20s“ zugetraut wurde. Und an Robert Redford reicht ja nach Meinung vieler – nicht nur – Frauen auch kein Schauspieler heran. Weit gefehlt! Luhrmann besitzt die Fähigkeit, den Zuschauer in die exzessiven „Roaring Twenties“ zu katapultieren und damit die Voraussetzungen für eine sensible Betrachtung einer exaltierten Gesellschaft zu schaffen, in der Leonardo DiCaprio wie ein Phoenix aus der Asche auftritt – und einfach Gatsby ist, als wäre er direkt dem Buch entsprungen.

Das aber allerdings erst, nachdem der Film schon eine halbe Stunde läuft. Denn zunächst wird der Zuschauer von dem jungen Nick Carraway (Tobey Maguire) in das New York City des Frühjahrs 1922 eingeführt, das von lockeren Moralvorstellungen, Jazz-Glamour, mächtigen Alkoholschmugglern und ins Astronomische steigenden Aktien geprägt ist. Auch der Nachwuchsautor ist auf der Suche nach dem amerikanischen Traum und dank bescheidener Erfolge als Aktienmakler bezieht er schließlich ein kleines Häuschen auf Long Island – und wird damit Nachbar des geheimnisvollen, rauschende Feste feiernden Millionärs Jay Gatsby (Leonardo Di Caprio).

Auf der anderen Seite der Bucht wohnt Nicks Cousine Daisy (Carey Mulligan) mit ihrem Mann, dem blaublütigen Frauenhelden Tom Buchanan (Joel Edgerton). Der hält sie wie in einem goldenen Käfig und betrügt sie relativ ungeniert mit der Frau seines Automechanikers Myrtle (Isla Fisher), was Daisys emanzipierte Freundin, die Golferin und High Society-Lady Jordan Baker (Elizabeth Debicki) auf heftigste kritisiert.

So erlebt Nick die faszinierende Welt der oberen Zehntausend und lernt ihre Illusionen, Romanzen und Täuschungsmanöver kennen. Seinen Nachbarn, über den die wildesten Geschichten im Umlauf sind – vom Gerücht, er sei der Cousin des deutschen Kaisers Wilhem, über die Mär vom Kriegshelden oder Massenmörder bis hin zur Annahme, er sei ein deutscher Spion – bekommt er nie zu Gesicht. Und doch fühlt er sich von ihm beobachtet.

Als er eines Tages als Einziger zu einer von Gatsbys überbordenden Partys eine Einladung erhält, zu denen die New Yorker Gesellschaft üblicherweise einfach ungeladen erscheint, ist das der Beginn einer zwar ungleichen, aber doch aufrichtigen Freundschaft zwischen dem einfachen Nick und dem Millionär Gatsby.

Weder zwielichtige Geschäfte noch die Tatsache, dass Gatsby durch Nick versucht, an seine große Liebe Daisy aus einstigen mittellosen Tagen heranzukommen, können Nick in seiner Bewunderung erschüttern. Dass Gatsby all seine Reichtümer nur angeschafft hat, um in Daisys Augen zu bestehen, und all die rauschenden Feste nur gab, um auch Daisy einmal unter seinen Gästen zu sehen, macht Nick klar, dass einzig und allein Gatsby in dieser Gesellschaft noch zu wahrer Liebe fähig ist. Und doch nimmt alles ein tragisches Ende…

Äußerst geschickt etabliert Luhrmann, wie erwähnt, die 20er Jahre, in denen alles Unerlaubte zum guten Ton gehörte und nichts unmöglich schien. Kostüme und Ausstattung sind erwartungsgemäß überwältigend und gewinnen in 3D durchaus. Die Musik mit Songs von Gershwin und Cole Porter bis hin zu Jay Z, Beyoncé und Lana Del Rey untermalt schwärmerische Bilder der Jazz-Ära und baut die Brücke in die heutige Zeit. Denn, wenn wir uns das heutige Treiben der völlig abgehobenen High Society, die Korruption und unsere vom Geld regierte Welt ansehen, dann wird die Zeitlosigkeit von F. Scott Fitzgeralds Roman nur allzu schmerzhaft bewusst.

Der größte Wurf ist Luhrmann jedoch mit der Besetzung gelungen, allen voran Leonardo DiCaprio in der Titelrolle. Selbst der größte DiCaprio-Fan wird begeistert sein, mit welcher Sensibilität er sowohl den großkotzigen Lebemann Gatsby in rosafarbenen Anzügen gibt als auch den kleinen zerbrechlichen einfachen Mann, der immer wieder hinter der Fassade auftaucht. Aber auch Tobey Maguire, der als Erzähler Nick gleichermaßen in der Geschichte agiert, wie auch allwissend über der Handlung schwebt, ist mit der Rolle eines wissbegierigen, naiven und begeisterungsfähigen jungen Autors exzellent besetzt. Carey Mulligan hat ihre Qualifikation für die Rolle der Daisy schon mit ihrer Darstellung in „An Education“ voraussehen lassen, Joel Edgerton gibt das Ekelpaket Tom ebenso glaubwürdig wie dessen Zugehörigkeit zur High Society und von Newcomerin Elizabeth Debicki als selbstbewusste, für sich selbst sorgende Jordan, die nicht nur in das Geld der Männer verliebt ist – und damit im Gegensatz zum Frauenbild der 20er-Jahre steht – wünscht man sich zukünftig mehr zu sehen.

Fazit: Kein opulenter Musical-Verschnitt erwartet die Kinozuschauer, sondern ein Film, der den „Tanz auf dem heißen Vulkan“ der 20er-Jahre ebenso erleben lässt wie, gemäß Fitzgerald, die immerwährende Jagd nach Macht und schnödem Mammon – und der Moral und die Wertschätzung eines jeden Menschen, egal woher er stammt, nur im Wege stehen.

Kinostart: 16. Mai 2013; Regie: Baz Luhrmann; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 142 Min.; Verleih: Warner; Link: thegreatgatsby.warnerbros.com

 

 

 

 

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