Familienleben

Elternzeit für Väter: Erfolgsmodell mit Problemzonen

Elternzeit für Väter: Erfolgsmodell mit Problemzonen

Immer mehr Väter nehmen eine Auszeit für ihr Kind. Bundesweit etwa ein Viertel aller Väter steigt für einige Wochen oder Monate aus dem Job aus, um in Elternzeit zu gehen. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Im Osten schient die Elternzeit weniger beliebt zu sein als im Süden der Republik.

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Elternzeit für Väter scheint ein Erfolgsmodell zu sein. In den Jahren von 2007 bis 2012 stieg die Zahl der Väter, die eine berufliche Auszeit für ihr Kind nehmen und stattdessen das Elterngeld kassieren, von 18 auf 25 Prozent.

In Bayern und Berlin bleiben sogar ein Drittel der Väter zur Kinderbetreuung zu Hause, in Bremen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt allerdings nur weniger als ein Fünftel. Eine Umfrage im Auftrag des Babynahrungsherstellers Aptamil entwirft ein etwas anderes Bild von Elternzeit und Vaterrolle.

Demnach sprechen sich weniger als 50 Prozent der Ost-Männer für die Elternzeit aus, während knapp 60 Prozent der Herren im Norden und Westen die Elternzeit für wichtig halten. Vor allem die Väter aus dem Süden hadern mit ihrer Rolle, zweifeln an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 55 Prozent glauben, dass sie zuwenig Zeit mit ihren Kindern verbringen (im Norden nur 34 Prozent), 38 Prozent finden es sehr schwierig, Familie und Beruf zu vereinen (im Westen nur 29 Prozent) und 24 Prozent haben Angst, Erziehungsfehler zu machen (im Norden nur 11 Prozent).

Möglicher Grund für diese unterschiedliche Sichtweise: Im Süden dominiert wohl in den Köpfen noch eher die traditionelle Rollenaufteilung. Er geht arbeiten, sie bleibt zu Hause und kümmert sich ums Kind – zumindest dem Gefühl nach. Nicht umsonst kommt die Idee, ein Betreuungsgeld für die Daheimgebliebenen auszuloben, aus Bayern.

Aber warum nehmen dann trotzdem ein Drittel aller bayerischen Jung-Väter die Elternzeit in Anspruch? Und wieso sind die Ost-Männer, aus sozialistischen Zeiten daran gewöhnt, dass Väter und Mütter berufstätig sind, weil sich der Staat ums Kind kümmert, mehrheitlich gegen die Elternzeit?

Sowohl die Herrschaften aus dem Süden wie die aus dem Osten schleppen Wertvorstellungen mit sich herum, die aus einem vergangenen Jahrhundert stammen. Im Osten war klar: Kindererziehung ist Sache des Staates, damit die Werktätigen uneingeschränkt dem sozialistischen Wettbewerb nachgehen können. Im Süden dämmerst wohl längst manchem Vater, dass immer weniger Frauen Lust haben, dem Dreiklang aus Kinder, Küche und Kirche zu frönen. Also nehmen sie die Elternzeit in Anspruch – haben aber noch einen ziemlichen Bammel vor ihrer ungewohnten Rolle als Teilzeit-Erzieher und -Hausmann.

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