Familienleben

Hilfe, meine Töchter sind Fashionistas!

Hilfe, meine Töchter sind Fashionistas!

Cinjas BlogMan sagt ja: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Und deshalb sollte es mich auch nicht verwundern, dass meine beiden Töchter ein gewisses Modebewusstsein vorweisen können. Denn die Welt der Mode übt nach wie vor auch auf das Muttertier dieser Familie eine gewisse Faszination aus. Nur: Während ich in jungen Jahren eher bemüht war, etwas selbst zu kreieren, das es so auf dem Modemarkt nicht zu kaufen gab, gilt für meine beide Grazien heute vor allem, den Trend zu bedienen – also zu Shoppen, bis der Arzt kommt. Waren wir nicht früher kreativer?


Als Kind der 60er Jahre verbrachte ich meine Kindheit in Faltenröckchen mit Kniestrümpfen und Lackschuhen. In den 70ern war es für uns Teenager cool, in einem Einheitsbrei mit Parka und Palästinensertuch aufzutreten. Bloß nicht „spießig“ auffallen, war hier die Devise. Wenn Sie auch in den 60ern geboren wurden, dann erinnern Sie sich bestimmt an die Kämpfe mit den Eltern, wenn es darum ging, in den Besitz einer der Lammfelljacken zu gelangen, die so schön orientalisch bestickt waren – und erbärmlich nach altem Hammel stanken, sobald man mit ihnen in den Regen kam. Aber sie waren – wie man heute so schön sagt – ein „Must Have“. Dazu gehören war alles!

Und dass wir uns im Winter die Füße abfroren, weil die Holzclogs auch bei Eis und Schnee getragen werden „mussten“, führte dann zur Strick-Manie – selbst gestrickte Wollsocken waren „in“! Ich bemittleide heute im Nachhinein die armen Lehrer, die vor 35 mit dem Nadelspiel beschäftigen Mädchen Unterrichtsinhalte vermitteln mussten – und das in einem überheizten Raum, wo 70 klatschnasse Socken auf der Heizung trockneten. Ja, in den 80ern wurde gestrickt!

Zum Konzert der Lieblingsband? Ich hab nichts anzuziehen? Dann stricke ich mir „doch mal eben“ einen Pullover! So waren wir: kreativ! Es folgte die durch die Sannyasins (waren Sie etwa Anhänger dieses Gurus?) aufkommende Welle der Indienmode – alles weit und „Walla-Walla“ mit unzähligen Schichten übereinander – Zwiebeltechnik eben. Das haben wir dann später zu „Atomkraft nein Danke!“-Zeiten auch gleich wieder gemacht – nur diesmal mit selbst gefärbten Maler-Latzhosen, dafür aber exzessiv über selbst gemachte Kosmetik bis hin zum „Gras“-Parfüm, das einem hinter den Ohren so schaurig-schöne Grünakzente setzte.

Nach einem London-Urlaub 1977 zurück ins Heimatland, wo beim Signalwort „Punk nur die eingefleischten Musikspezialisten wissend nickten. Um das Gesehene nun auch selbst zu tragen, wurden also 50er-Jahre Pyjamas von Opa kiloweise im Second-Hand gekauft (1,50 Mark pro Kilo – Wahnsinn!), mit Nadel und Faden auf knallenge Passform gebracht, die teure „Betty Barclay“-Bluse zerrissen und mit Sicherheitsnadeln wieder „zusammen gefriemelt“, um sie abschließend mithilfe von Autolackspray und dem Ausruf „Motherfucker!“ zu veredeln. Vivienne Westwood war weit weg – nix mit Globalisierung!

Barbara 1983Und dann, kurz bevor wir dem Erwachsenenleben zustrebten: „New Wave“ (die naive deutsche Variante der „Neuen Deutschen Welle“ lasse ich mal unter dem modischen Aspekt unkommentiert gepflegt unter den Tisch fallen)! Alles nur noch Optik, also nicht wie beim Punk mit der politischen Gemeinschaftsbotschaft „Null Bock auf die spießige Gesellschaft“, sondern ein ganz individuelles Modeempfinden, frei nach dem Lonesome-Space-Cowboy „Major Tom“ geschlechtslos glitzernd. Alles war möglich, machbar, tragbar – wichtigste Voraussetzung: ein Unikat!

Was danach kam, kommt mir heute wie eine permanente Wiederholung alter Stile mit neuen Namen vor. Ich war ohnehin raus aus der Nummer, denn Anfang der 90er wurde ich MUTTER – Eintritt in ein neues Leben! Selbst zum ständig vollgesabberten leicht unförmigen Muttertier verkommen, galt es nun, die kleinen Prinzessinnnen mit Oilily & Co. auszustaffieren. Selber nähen, etwas stricken? Wenn das endlich fertig wurde, war es normalhin zu klein.

Und so wuchsen die Kinder der einst so kreativen Mutter mit Kleidung von der Stange auf – aber die musste schon das gewisse Etwas aufweisen, das war wichtig! Wären sie heute noch vom Modegeschmack der Mutter abhängig, würden sie wahrscheinlich Moshiki tragen – eben nicht alltägliche Mode aus natürlichen Materialien mit Fair-Trade-Garantie. Die Girlies sind erwachsen, eigenständig und jetten durch die Weltgeschichte – um zu shoppen? Wie sagt Guido Maria Kretschmer in einem Interview der FÜR SIE so schön: „Shoppen ist kein Hobby. Gucken ist das Hobby. Ich habe mein Leben lang geguckt, in meiner Fantasie habe ich alles besessen. Heute kann ich mir vieles erlauben – aber warum? Weil ich träumen konnte. Nicht jeder von uns kann Cameron Diaz sein mit 5.000 Paar Schuhen im Schrank.“ Ja Mädels, so sehen das die Alten!

MaraUm ehrlich zu sein, erwische ich meine beiden Fashionistas auch schon einmal dabei, wie sie alte Klamotten auseinander nehmen und neu „zusammen friemeln“. Und nun mal Hand aufs Herz: Würden Sie bei der heutigen Kurzlebigkeit der Mode noch losrennen und sich teure Stoffe zum selbst Nähen kaufen, wenn es das fertige Produkt im nächsten Laden für 19,99 Euro gibt? Zumindest hat meine Älteste mit Cinjas Blog einen eigenen Modeblog.

Tja, die sind halt doch ganz die Mama – und so kreativ!

Foto 1: Cinjas Blog
Foto 2: Absolut Familie
Foto 3: Mara Leuschner

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