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DAS LEBEN IST NICHTS FÜR FEIGLINGE

DAS LEBEN IST NICHTS FÜR FEIGLINGE

Wenn es kommt, dann kommt es dicke! In „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ schlägt das Schicksal erbarmungslos auf Familie Färber ein. Erst stirbt die Ehefrau und Mutter, dann erkrankt auch noch die Oma an einem aggressiven Krebs. Wie die übrig gebliebene Kleinfamilie das Unglück bewältigt und zurück ins Leben findet, ist bewegend und mit viel Galgenhumor nach dem gleichnamigen Roman von Gernot Gricksch zu einem wirklich sehenswerten Stück Kino verarbeitet, das ab dem 18. April zu erleben ist. 

Trotz düsterer Thematik kann man an diesem Film seine helle Freude haben. Das liegt zum großen Teil daran, dass er eine Handvoll eigenwilliger, sympathischer Charaktere versammelt, denen man gerne und gebannt dabei zusieht, wie sie glaubhaft mit dem Schicksal ringen.
Vorneweg Wotan Wilke Möhring als traumatisierter Witwer Markus, Helen Woigk als seine ebenso unter Schock stehende wie auch durch die Pubertät strauchelnde Tochter Kim und Christine Schorn als deren Oma Gerlinde, die ihren Lieben in der Krise so gerne beigestanden hätte. Doch Gerlinde muss in Deckung gehen und gibt vor für ein paar Wochen zu verreisen. Denn mit ihrem frisch diagnostizierten Krebs will sie ihre Familie nicht noch zusätzlich belasten.

So kommt Pflegerin Paula (Rosalie Thomass) ins Spiel. Eine durchweg positive Person, vielleicht ein bisschen zu flapsig und durchgeknallt – so kommt es Gerlinde jedenfalls anfänglich vor. Paula bringt die Familie ungefragt wieder zusammen und reißt Markus damit aus seiner Schockstarre. Kim hat sich allerdings schon zu weit von ihrem vor Leid ohnmächtigen Vater entfernt und bei dem Schulabbrecher Alex (Frederick Lau) Trost und die erste Liebe gefunden.

Allerdings ist die Tochter-Vater-Beziehung nicht völlig hoffnungslos dahin. Denn, als Alex von der Polizei gesucht wird, untertauchen muss und Kim sich dem Flüchtigen anschließt, ahnt Vater Markus, wohin es Kim verschlagen haben könnte. Er nimmt an, dass Dänemark ihr Ziel ist – dort erlebte sie heile Kindertage und die lebendigen Erinnerungen erlauben Kim, sich ihrer Mutter nahe zu fühlen. Verrückt vor Sorge bilden Markus, seine todkranke Mutter Gerlinde und Pflegerin Paula einen Suchtrupp und machen sich mit dem Auto in Richtung Norden auf.

Ein ebenso traurig schönes wie trocken komisches Roadmovie um die Zusammenführung und den Zusammenhalt einer vom Pech verfolgten Familie nimmt seinen Lauf.
Dabei zeigt Regisseur André Erkau ein gutes Händchen für ein perfektes Erzähltempo. Da geht es Schlag auf Schlag, Tragisches wird von Komischem abgelöst und umgekehrt, sodass einem auch schon mal ein Lacher im Halse stecken bleibt. Langweilig wird es aber bestimmt nicht – im Gegenteil!

Die Besetzung ist ebenfalls gelungen und ein echter Glücksgriff. Helen Woigk darf man durchaus als Entdeckung feiern und der furztrockene, ironische Charme, mit dem Christine Schorn die unheilbar kranke Gerlinde ausrüstet, ist legendär. Rosalie Thomass ist als Paula eine Wucht und sorgt für Ausgleich bei all dem Leid, von dem besonders die Figur von Wotan Wilke Möhring glaubhaft erschlagen wird.

Der Motiv-Scout hat hier alles richtig gemacht und der aus Hanoi stammende, für die Kamera verantwortlich zeichnende Ngo The Chau hat zum Teil spektakuläre Hamburg- und Nordsee-Bilder eingefangen.
So wurde „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ von allen Beteiligten zu einem seltenen, kleinen Juwel geschliffen – ein Heimat- und Familienfilm, eine anrührende Tragikomödie voller Witz und Tiefgang.

Kinostart: 18. April 2013; Regie: André Erkau ; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 98 Min.; Verleih: NFP; Links: feiglinge-derfilm.de

 

 

 

 

 

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