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EIN FREUDIGES EREIGNIS

EIN FREUDIGES EREIGNIS

Ein Wunschkind zu bekommen, ist immer noch das schönste Ereignis für glücklich verliebte Paare – oder etwa nicht? Die junge, attraktive Philosophie-Studentin Barbara, die gerade ihre Abschlussarbeit schreibt, und ihren Freund Nicolas beschließen jedenfalls total verliebt und erfüllt von Glück Eltern zu werden – aber von da an ist nichts mehr, wie es vorher war…ab 4. April im Kino.

 


Die Liebesgeschichte zwischen Barbara (Louise Bourgoin) und Nicolas (Pio Marmaï) beginnt mit einer Art Geheimsprache: In dem Videoverleih, in dem Nicolas arbeitet, verständigen sich die Philosophie-Studentin und der jungenhafte Eigenbrötler zunächst ausschließlich mit Hilfe von Filmtiteln auf DVD-Covern.

Doch bereits nach wenigen Dates wird aus den beiden freiheitsliebenden Menschen ein leidenschaftlich verliebtes Paar. Im Überschwang der Gefühle beschließen sie, es auf ein Baby ankommen zu lassen und bald darauf ist Barbara schwanger. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine Achterbahn der Gefühle.

Ihre Schwangerschaft, die sie sich zuvor in den rosigsten Farben ausgemalt hat, erlebt Barbara als Übergriff auf ihren eigenen Körper. Gleichzeitig fasziniert und befremdet erfährt sie Übelkeit, ihren wachsenden Bauch, Stimmungswechsel und alle anderen Begleiterscheinungen einer werdenden Mutter. Auch auf die Beziehung zu Nicolas und ihrem weiteren Umfeld hat ihr neuer Lebensabschnitt Auswirkungen. Mit ihrem Freund schwankt sie zwischen Torschlusspanik, Einleben in die Versorgerrolle, Kinderwagen-Shopping und der Angst, als Eltern zu versagen.

Ihrem Professor will sie zunächst nichts von der Schwangerschaft erzählen, ebenso wie ihrer Mutter (Josiane Balasko), einer Feministin der alten Garde, die Barbara und ihre Schwester in bewegten Zeit allein erzog. Als überzeugte Theoretikerin nimmt Barbara nicht an den Geburtsvorbereitungskursen teil – zu viele Schwangere, zu viel Atmen…

Der Tag der Geburt naht und ist auch für Barbara eine Grenzerfahrung. Überwältigt von dem Ereignis und der Ahnung, wie radikal sich ihr Leben nun ändern wird, hat sie zunächst Angst, überhaupt die Klinik zu verlassen. Zu Hause angekommen, erleben sie und Nicolas ein Chaos aus Fütter- und Schlafzeiten, Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse und dem Staunen, wie bedingungslos sie ihre Tochter Lea trotzdem lieben.

Besonders Barbara entdeckt völlig neue Seiten an sich: Die Wissenschaftlerin aus Überzeugung wird trotz aller Belastung nach und nach zur hundertprozentigen Mutter, die eine hingebungsvolle Symbiose mit ihrem Kind eingeht, sich in Stillgruppen mit ihresgleichen austauscht und von schlechtem Gewissen geplagt wird, wenn sie einmal ausgeht und über die Stränge schlägt.

Diese Wandlung hat ihren Preis. Nicolas, der inzwischen einen festen, fordernden Job angenommen hat, hat ein liebevolles, aber eher pragmatisches Verhältnis zu dem Baby. Daran, dass er und Barbara sich zunehmend entfremden, ändern auch die Hilfe der Freunde und ein gemeinsamer Urlaub im Ferienclub nichts. Auch Barbaras wissenschaftlicher Karriere wird ein abruptes Ende gesetzt: Ihr Doktorvater kann mit ihrem neuen, von der Mutterrolle geprägten Zugang zur Philosophie nichts anfangen und besetzt die für sie vorgesehene Stelle an der Uni mit einem Mann. Kant, Wittgenstein und Barbaras früheres Leben sind damit ad absurdum geführt.

Ihre Frustration darüber und Nicolas‘ zunehmende Überforderung mit dem familiären Alltag führen zur Trennung … 

Sehr ehrlich und sensibel, aber mit einer ordentlichen Portion Humor porträtiert „Ein freudiges Ereignis“ das Elternwerden und Elternsein in der modernen Welt. Regisseur Rémi Bezançon („C’est La Vie – So sind wir, so ist das Leben“) inszenierte einen Film voller komischer und berührender Momente, ohne dabei die Ernsthaftigkeit des Themas aus den Augen zu verlieren.

„Ein freudiges Ereignis“ ist eine sehr persönliche Verfilmung der gleichnamigen Romanvorlage von Éliette Abéccassis mit einer wunderbaren und kraftvollen Louise Bourgoin, eine der aktuell gefragtesten jungen Schauspielerinnen Frankreichs.

Fazit: Wer schon Kinder hat, wird sich lauthals lachend oder mit Tränen in den Augen an so manche Szene im eigenen Leben erinnert fühlen. Wer vielleicht noch Kinder bekommen möchte, wird keineswegs abgeschreckt – nur vorgewarnt, das eben nicht alles rosarot zugeht.

Kinostart: 4. April 2013; Regie: Rémi Bezançon; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 110 Min.; Verleih: Camino; Link: einfreudigesereignis-film.de

Fotos: Camino Filmverleih

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