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MITTERNACHTSKINDER

MITTERNACHTSKINDER

Mit „Mitternachtskinder“ schrieb Bestsellerautor Salman Rushdie 1981 seinen „Liebesbrief an Indien“,  eine groß angelegte Familiensaga, die sich über fünf Jahrzehnte erstreckt. Diesen über 600 Seiten füllenden Roman adaptierte Rushdie nun fürs Kino. Die kanadische Filmemacherin Deepa Mehtas schuf daraus ein farbenprächtiges Sittengemälde, in dessen Zentrum eine indische Familie steht,  deren Schicksal über mehrere Genertionen gezeichnet wird. Das märchenhafte Dreistunden-Epos kommt am 28. März in die Kinos.


Ein imposantes Feuerwerk illuminiert Punkt Mitternacht am 15. August 1947 den Himmel von Bombay, unter dem Indiens Bevölkerung die Unabhängigkeit feiert. Genau in diesem Moment werden zwei Kinder geboren und von der Krankenschwester, die einen Akt von ausgleichender Gerechtigkeit schaffen will, vertauscht.

Saleem Sinai, der uneheliche Sohn einer armen Hindu, und Shiva, der Sprössling einer reichen, traditionsbewussten muslimischen Familie, sind nun dazu verdammt, ein Leben zu führen, das eigentlich für den anderen bestimmt war. Bei allen Unterschieden haben die Jungen aber eines gemeinsam: sie sind fähig Gedanken zu lesen und sind telepathisch miteinander verbunden, wie alle  Mitternachtskinder.

Es beginnt damit, dass der zehnjährige Saleem (Darsheel Safary) Stimmen in seinem Kopf hört. Bald materialisieren sich die Mitternachtskinder vor seinem geistigen Auge. Dazu gehören Parvati (Shriya Saran), die zu Saleems engster telepathischer Vertrauten wird und in die er sich später als Erwachsener (Satya Bhabha) verliebt. Auch der sprunghafte, aggressive Shiva (Siddharth) ist mit von der Partie und bleibt eine wichtige Figur in Saleems Leben. Die Schicksale dieser drei Mitternachtskinder sind eng mit dem Wandel Indiens verwoben und spiegeln immer auch die turbulenten Zeiten des Landes wider.

Der Subkontinent wird von mehreren Kriegen erschüttert, erst tobt der indisch-pakistanische Krieg und später macht sich Ost-Pakistan (das spätere Bangladesch) vom mächtigen West-Pakistan unabhängig. Die Handlung gipfelt in den Wirren der „endlosen Nacht“, so wird die Zeit zwischen 1975 und 1977 genannt, in denen Premierministerin Indira Gandhi die Bürgerrechte außer Kraft setzte und Massenverhaftungen vornehmen ließ. Die vertauschten Kinder Saleem und Shiva bleiben bis zum Schluss magisch miteinander verbunden.  Nach vielen tragischen Abwegen findet ihre Geschichte einen überraschend versöhnlichen, hoffnungsvollen Ausgang.

Jede der Figuren erlebt die chaotischen Zustände auf seine Weise und aus einem anderen Blickwinkel, sodass vor den Augen des Zuschauers ein opulentes, aufregendes  Stück Zeitgeschichte Indiens entsteht. Die harte, historische Realität wechselt gekonnt mit den magisch-märchenhaften Passagen.  Die eindrucksvollen, zum Teil atemberaubend schönen Bilder (Kamera: Giles Nuttgens) ziehen einen tief in das Geschehen, das noch eine gute Weile nachwirkt und Appetit auf mehr Indien und Salman Rushdies Romane macht.

Kinostart: 28. März 2013; Regie: Deepa Mehta; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 148 Min.; Verleih: Concorde; Links: mitternachtskinder-derfilm.de

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