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„Der Minister“ auf DVD

„Der Minister“ auf DVD

Das Leben schreibt eben doch die besten Geschichten: In der Politsatire „Der Minister“ geht es um einen Politiker, der verdammt viel Ähnlichkeit mit Karl-Theodor zu Guttenberg hat. Der Sat.1-Film macht aus der schillernden Vorlage eine schwungvolle Komödie. Und wer die am vergangenen Dienstag im TV verpasst hat, sollte sich den am 13. März bei Universal Pictures Home Entertainment auf DVD und Blu-ray erschienenen Film fürs Heimkino nicht entgehen lassen.

Gerade mal zwei Jahre ist es her, da trat ein gewisser Karl-Theodor zu Guttenberg von seinem Amt als Verteidigungsminister zurück. Vorausgegangen war eine bis dato beispiellose Karriere, die nach einer Plagiatsaffäre um die Dissertation des CSU-Politikers mit einem ebenso beispiellosen Fall endete. Ausgerechnet der sonst eher für sein seichtes Familienprogramm bekannte Privatsender Sat.1 machte aus dem schillernden Stoff mit dem TV-Film „Der Minister“ eine freche Politsatire. Bei der Ausstrahlung Mitte März landete der Sender einen vollen Erfolg: Fast 4,5 Millionen Zuschauer wollten sehen, wie Ferdinand von und zu Donnersberg, so tauften die Macher ihre Hauptfigur, zum Polit- und Medienstar aufsteigen konnte – und was ihn zu Fall brachte.

Keine Ahnung von nichts haben, aber genau das brillant an den Mann bringen können: Ferdinand von und zu Donnersberg (Kai Schumann), genannt „Donni“, sieht gut aus, verfügt über blendende Manieren und kommt aus wohlhabendem Haus. Arbeiten gehen, Geld verdienen? Muss der fränkische Adlige nicht. Aber etwas langweilig ist ihm doch, und so bewirbt er sich um das Bundestagsmandat für seinen Heimatwahlkreis. An seiner Seite: Max Drexel (Johann von Bülow), sein bester Kumpel aus Schulzeiten, ein begnadeter Redenschreiber und Einflüsterer.

Donnersberg kennt nur ein politisches Programm: seine bürgernah und mediengeil zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit. Nach dem überraschenden Rücktritt des Wirtschaftsministers wird der junge Politstar, inzwischen längst mit einer attraktiven Blondine (Alexandra Neldel) und dem öligen Chefredakteur des mächtigsten Boulevardblattes des Landes verbandelt, ins Kabinett von Angela Murkel (Katharina Thalbach) befördert. Zunächst nimmt ihn niemand ernst – aber da hat der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg des Ferdinand von und zu längst begonnen. Flotte Sprüche, markige Aufritte, jeden Tag eine neue Schlagzeile – bald glaubt das halbe Land: Dieser Schaumschläger kann auch Kanzler.

Sonderlich übertreiben oder grell ausmalen mussten die Macher von „Der Minister“ das wirkliche Politikerleben wohl nicht. Die wahre Guttenberg-Story ist an sich schon schrill und unverschämt genug. Kein anderer Politiker hat in so kurzer Zeit einen so atemberaubenden Aufstieg hingelegt, kein Politiker verstand es, sich so medienwirksam in Szene zu setzen. Wer erinnert sich nicht an die Bilder des jungen Ministers auf dem nächtlichen Times Square oder seinen Auftritt mit Sonnenbrille, kugelsicherer Weste und Designerklamotten in Afghanistan? Das strotzte vor Jugendlichkeit und Tatendrang, war aber nichts weiter als hohles Theater. Aber es sah eben gut aus – und ließ die müden Herren Politiker in Berlin ganz schön alt aussehen.

Sehr viel dazu erfinden mussten die Filmemacher also nicht, um eine bunte Geschichte zu erzählen. Die Figur des Max Drexel allerdings ist eine Erfindung – und sie würzt den Film mit ein wenig Moral und Gefühl. Johann von Bülow spielt diesen Minister-Helfer nachvollziehbar als Mittäter zwischen Rausch und Skrupeln. Ein weiterer Glanzpunkt ist Katharina Thalbach als Kanzlerin – sie zeigt als knallharte Chefin und ausgebuffte Taktikerin die dunkle Seite der Macht. „Der Minister“ liefert obendrein noch eine ebenso einleuchtende wie skurrile Erklärung für den Fall des Politstars. Im Film lässt Donni die Doktorarbeit von seinem Kumpel Drexel schreiben. Der bastelt sie aus diversen Quellen zusammen, ohne die Zitate mit Fußnoten kenntlich zu machen. Der falsche Doktor hat also wieder keine Ahnung von nichts – nicht mal davon, dass seine Doktorarbeit ein Plagiat ist.

DER MINISTER ist am 13. März 2013 bei Universal Pictures Home Entertainment auf DVD und Blu-ray erschienen; Laufzeit: ca. 90 Min.; Sprache: Deutsch; FSK: ohne Altersbeschränkung freigegeben. Bonusmaterial: Making-of, Deleted Scenes, Outtakes.

Bildmaterial: © Hardy Brackmann / SAT.1

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