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HYDE PARK AM HUDSON

HYDE PARK AM HUDSON

Nach Steven Spielbergs „Lincoln„-Chronik kommt am 28. Februar ein weiteres US-Präsidenten-Portrait in die deutschen Kinos. In „Hyde Park am Hudson“ ist Franklin D. Roosevelt, gespielt von Bill Murray, das amerikanische Staatsoberhaupt. Allerdings steht  nicht so sehr der Politiker im Mittelpunkt, sondern vielmehr der Privatmann und Mensch.

 

Erzählt wird aus der Sicht von Roosevelts Cousine fünften Grades, Margaret (Daisy) Suckley, deren Tagebücher und Briefwechsel mit Roosevelt dem Film zugrunde liegen. Herausgekommen ist eine  Liebesgeschichte zwischen einer Frau, die sich selbst als „Teil des Mobiliars“ bezeichnete und einem der mächtigsten Männer des 20. Jahrhunderts,  hinreißend erzählt mit viel Wärme und leisem Humor.

An der Seite eines so mächtigen Mannes muss man zurückstecken können, erst Recht, wenn es sich bei der Liaison um eine heimliche handelt und überdies die Geschicke der ganzen Welt in der Hand des Liebhabers liegen. Daisy ist die Zurückhaltung in Person.

Wer könnte dieser bescheidenen, zarten Frau, die aufopferungsvoll ihre alte Tante pflegt und von der herrischen Präsidenten-Mutter zur Zerstreuung des Sohnes heran zitiert wird, besser ein Gesicht geben als die ewige Neben- und heimliche Hauptdarstellerin Laura Linney. Obwohl oft als graue Maus und im vorliegenden Film als spätes Mädchen und Mauerblümchen besetzt, sticht ihr intensives Spiel hervor. Selbst neben dem einnehmenden Bill Murray, der einen weltgewandten  Franklin D. Roosevelt gibt, kann sie bestehen.  Zusammen geben sie ein wunderbar gegensätzliches Paar ab.

Auf Hyde Park am Hudson, dem Familienanwesen der Roosevelts, treffen die beiden aufeinander. Geradezu fühlbar unangenehm ist es der schüchternen Daisy, sich dem entfernten Cousin und Präsidenten als Unterhalterin anzudienen.  Doch nach anfänglichem Fremdeln entwickelt sich zwischen den beiden eine ungezwungene Atmosphäre. Beide blühen in der Gesellschaft des anderen auf – eine angenehme Abwechslung für Daisys eintöniges und Franklins aufreibendes Leben.

Schon bald ist Daisy regelmäßig zu Gast in Hyde Park, begleitet den Präsidenten auf Spritztouren in die Umgebung und legt bei Bedarf auch mal Hand an, wenn es dem mächtigen Mann nach hormoneller Entspannung gelüstet. Nachdem die Beziehung intensiver und intimer geworden ist, pflanzt der Präsident in Daisy die leise Hoffnung, dass es  nach seiner politischen Karriere ein gemeinsames Leben ohne Heimlichtuereien geben könnte.

Noch allerdings machen Daisy die Begegnungen mit Eleanor Roosevelt schwer zu schaffen. Die Präsidentingattin hingegen scheint keinerlei Notiz von der Affäre ihres Mannes zu nehmen. Sie pflegt einen freundschaftlichen Umgang mit Franklin und kommt ihren repräsentativen Pflichten nach, besonders, als sich hochherrschaftlicher Besuch in Hyde Park ankündigt.

Das Englische Königspaar stattet den Roosevelts einen inoffiziellen Besuch ab, um die Amerikaner als Verbündete gegen den drohenden Krieg mit Nazi-Deutschland zu gewinnen. Der Stotterer König George VI trifft auf den von der Polio gehandicapten  Präsidenten Roosevelt, der ebenso bemüht ist wie sein Gegenüber, seine Schwäche vor der Welt zu verbergen. Das bringt die Staatsoberhäupter, trotz aller Unterschiede einander näher.

Wie diese zwei Kulturen aufeinander treffen, ist einer der Höhepunkte des Films, die Roger Michell, Fachmann für britisch-amerikanische Freundschaften („Notting Hill“) gleichermaßen komisch wie sensibel inszeniert. Das gleiche Feingefühl beweist er auch bei der Entwicklung der Romanze zwischen dem Präsidenten und Daisy, die manch herbe Enttäuschung für Letztere bereit hält.

Nicht so für den Zuschauer! Der erlebt eine zutiefst charmante, leise Komödie, ein Stück Weltgeschichte aus einem ganz privaten Blickwinkel – toll besetzt und üppig ausgestattet.

Kinostart: 28. Februar 2013; Regie: Roger Michell; FSK: ohne; Länge: 95 Min.; Verleih: Tobis ; Link: hydeparkamhudson.de


 

 

Kommentare anzeigen (2)

2 Comments

  1. Erika Kovacsics

    6. März 2013 in 13:52

    Tolle Aktion!

  2. Pingback: Gewinnspiel: "Hyde Park am Hudson" auf DVD | Absolut Familie

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