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LES MISÉRABLES

LES MISÉRABLES

Hochgelobt, ausgezeichnet und vielfach nominiert – „Les Misérables“ scheint der Überflieger des Jahres  zu werden. Der Musical-Film vereint hochkarätige Hollywoodstars, die gemeinsam dem Roman-Klassiker „Die Elenden“ von Victor Hugo erneut Leben einhauchen – ab 21. Februar bei uns im Kino.

 

Frankreich im Jahre 1815: Jean Valjean (Hugh Jackman) wird nach 19 Jahren aus der Haft entlassen. Nachdem er ein Stück Brot für seine bettelarme Familie gestohlen hatte, hatte man ihn hinter Gitter gebracht. Mühselig und mit neuer Identität bringt es Jean schließlich zum erfolgreichen Geschäftsmann. Inspektor Javert (Russell Crowe) ist überzeugt, dass Jean sich nicht bessern kann und ist ständig hinter dem Ex-Sträfling her.

Fantine (Anne Hathaway), eine Arbeiterin in Jeans Fabrik, wird entlassen und liegt kurz darauf im Sterben. Am Sterbebett verspricht Jean ihr, sich um ihre Tochter Cosette  zu kümmern. Tatsächlich nimmt er das Mädchen bei sich auf, die beiden leben zusammen wie Vater und Tochter. Doch nachdem Javert Jeans wahre Identität entdeckt, muss der schleunigst fliehen. Schließlich erreicht er Paris.

Es ist das Jahr 1832, die Revolution tobt in der Hauptstadt.  Zu den Revolutionären gehört auch Marius (Eddie Redmayne), der sich in Cosette (Amanda Seyfried) verliebt. Als zusätzlich zur tobenden Revolution auch noch Javert in Paris auftaucht,  wird die Lage dramatisch…

 

Wenn am 24. Februar in Los Angeles die Oscars verliehen werden, wird der Name „Les Misérables“ wohl nicht nur einmal fallen. Mit Nominierungen in Kategorien wie „Bester Film“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Nebendarstellerin“ geht der Film als Top-Favorit ins Rennen. Doch wie gerechtfertigt ist der Hype um die Musical-Verfilmung?
In der Tat orientiert sich der Film stark an der seit den 1980er Jahren am Broadway aufgeführten Musical-Version von „Les Misérables“ und nicht an dem Roman von Victor Hugo. Dementsprechend wirkt die Darbietung der Schauspieler eher theaterhaft als für die große Leinwand gemacht – wobei das wahrscheinlich die Absicht von Regisseur Tom Hooper war. Statt die Schauspieler ihre Songs im Studio aufnehmen zu lassen und diese später hinter das Bild zu legen, ließ Hooper seinen Cast hier direkt vor der Kamera singen. Dafür, dass keiner der Schauspieler als Sänger bekannt ist, läßt sich ihr Geträller durchaus hören. Dialoge kommen in dem Film jedoch kaum vor – ganz nah an der Musical-Vorlage wird hier voll auf den Gesang gesetzt. Die Bilder gehen dabei leider ab und an verloren.

Anne Hathaway, die für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert ist, hätte die Auszeichnung durchaus verdient. Ihr eindrucksvoll emotionales Schauspiel überzeugt! Als besten Film kann man sich dann aber doch andere Kandidaten vorstellen. Mit mehr als zwei Stunden ist „Les Misérables“ eine sehr langatmige Angelegenheit. Wer soviel Gesang am Stück nicht erträgt, verlässt den Kinosaal hier mit klingenden Ohren. Wer sich schon immer mal den Broadway-Hit ansehen wollte, kommt jedoch voll auf seine Kosten.

Der Gesang in „Les Misérables“
Die Inszenierung der Geschichte verlangte dem Spiel des Star-Ensembles um Hugh Jackman, Anne Hathaway und Russell Crowe eine ganz besondere Sensibilität ab. Um die Kraft der Story und ihrer Charaktere möglichst authentisch umzusetzen, entschied sich Regisseur Tom Hooper deshalb für eine bahnbrechende Idee: Alle Gesangsnummern sollten live gesungen werden – ein gewagtes Vorhaben voller neuartiger Herausforderungen sowohl für die Stars als auch für die gesamte Produktions-Crew!
 
„Ich wollte das Risiko eingehen und in einem neuen Genre einmal etwas ganz anderes probieren“, erläutert Tom Hooper seine Motivation für seine völlig neue Herangehensweise. Dabei war ohnehin schon klar, dass die Filmbearbeitung der Bühnenvorlage Probleme mit sich bringen würde. Doch Hoopers Entscheidung, alle Schauspieler vor der Kamera live singen zu lassen, legte die Messlatte noch höher. „Tom wollte die Zuschauer so weit wie möglich mit einbeziehen“, so Produzent Fellner. „Und das Publikum reagiert ganz einfach am unmittelbarsten auf Live-Aufnahmen. Es war das Risiko wert – nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die Anforderungen der Schauspieler, die so den ganzen Tag lang singen mussten.“ Und Musikdirektor Stephen Brooker, der zu den führenden britischen Musiktheater-Dirigenten zählt, ergänzt: „Zweifellos war das der richtige Entschluss. So bekamen die Schauspieler eine echte Chance, sich emotional wirklich intensiv auf den Text einzulassen.“
 
„Wenn der Schauspieler zum Playback mimen muss“, erklärt Hooper weiter, „kann er nicht mehr spontan agieren, weil er sich millisekundengenau auf einen Plan einstellen muss, der bereits vor Monaten festgelegt wurde. Doch wenn er live singen darf, hat er die Freiheit, die Illusion zu erzeugen, dass die Figur ganz intuitiv reagiert und handelt, was sich ganz intensiv auf den realistischen Eindruck der Darstellung auswirkt. ‚Les Misérables‘ wird so
von intensiven Gefühlen geprägt“. Den Schauspielern wurden auf diese Weise mehrere Optionen ermöglicht, die erst während der Performance entstanden. Ein klarer Vorteil im Vergleich zur üblichen Vorgehensweise, die Musik bereits Monate zuvor in einem Tonstudio aufzunehmen.
 
Unterstützung bekamen die Darsteller von Gesangslehrern, mit denen sie sich jeden Tag vor Drehbeginn vorbereiteten. Am Set bekamen die Schauspieler Ohrstöpsel, über die sie den Pianisten hören konnten, der die Partitur live am Set spielte. Dabei beobachtete der Pianist die Darstellungen per Monitor – so konnten die Schauspieler durch ihre Bewegungen die Einsätze und das Tempo der Melodien selbst vorgeben. Die Stimmen wurden getrennt von der Klavierbegleitung aufgezeichnet, sodass sich in der Endfertigung das Orchester genau nach den Sängern richten konnte.
 
„Der Entschluss war kühn, aber korrekt“, attestiert Hugh Jackman. „Ich konnte mich auf das Schauspielerische konzentrieren und war nicht gefangen in einer Version, die ich drei Monate zuvor in einem Tonstudio gesungen hatte. Alles wirkte sehr echt und unmittelbar.“ Das bestätigt auch Russell Crowe: „Der Vorteil der Live-Aufnahme: Ich werde emotional nicht eingeschränkt“. Anne Hathaway, die im Film eine herzzerreißende, bravouröse Version des berühmten Songs „I Dreamed a Dream“ performt, sagt zu den Dreharbeiten: „Wir mussten uns nicht nur auf eine ganz neue Arbeitstechnik einlassen, sondern befanden uns auch in Gesellschaft vieler Kollegen, die das ebenfalls erst lernen mussten. Selbst die Crew hatte noch nie einen solchen Film gedreht, und auch der Regisseur machte so etwas zum ersten Mal. Obwohl wir alle unterschiedlich umfangreiche Erfahrungen mitbrachten, waren wir in dieser Beziehung allesamt Anfänger.“ 
 
Amanda Seyfried beschreibt ihre Erfahrung so: „Auf Live-Aufnahmen bei Dreharbeiten kann man sich nicht vorbereiten. Bei ‚Mamma Mia!‘ habe ich zwei Tage im Tonstudio verbracht. Wir haben uns unsere Aufnahmen so oft wie nur möglich angehört, um das Timing und das Luftholen auswendig einzuüben, damit die lippensynchronen Bildaufnahmen auch funktionierten. Bei ‚Les Misérables‘ empfand ich es dagegen so, als ob ich das Leben einer Sängerin führen durfte.“ Obwohl Samantha Barks das Musical bereits von ihren Bühnenauftritten her kannte, hatte auch sie heillosen Respekt vor dem Live-Gesang: „Als ich mit ‚On My Own‘ an der Reihe war, habe ich den Song von Anfang bis Ende durchgesungen, und dann kamen immer neue Wiederholungen – es waren wohl 15. Das war für mich eine neue Erfahrung. Auf der Theaterbühne sang ich das Lied einmal am Abend und in acht Aufführungen pro Woche. Doch beim Dreh sang ich es tagtäglich, und zwar den ganzen Tag lang – das erfordert eine ganz andere Disziplin. Da musste man darauf achten, dass man das durchhielt. Aber alle saßen ja im selben Boot.“
 
Der immense Aufwand führte zu einem außergewöhnlichen Ergebnis und Regisseur Tom Hooper versichert: „Für die Zuschauer wird es aufregend zu erleben, wie sich der Live-Gesang auf die Kraft der Geschichte auswirkt!“

Kinostart: 21. Februar; Regie: Tom Hooper; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 158 Minuten; Verleih: Universal Pictures; Link: lesmiserables-film.de 

 

 

 

 

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