Film

LINCOLN

LINCOLN

Hollywood Großmeister Steven Spielberg war es ein Bedürfnis, dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten ein monumentales, filmisches Denkmal zu setzen.  Belohnung für seine Bemühungen: „Lincoln“ geht mit 12 Oscar-Nominierungen als Favorit um den wichtigsten Filmpreis der Welt ins Rennen. Mit dem zweifachen Oscarpreisträger und erneut nominierten Daniel Day Lewis fand er den idealen Hauptdarsteller, der den Machtmenschen und Melancholiker mit Bescheidenheit und Würde verkörpert. Ab dem 24. Januar ist „Lincoln“ auch hierzulande auf der Leinwand wieder lebendig.


Spielbergs „Lincoln“-Chronik umfasst die letzten vier Monate des Staatsmannes, die aber sind episch und detailverliebt beleuchtet:
Amerika zerreißt sich seit vier Jahren im Bruderkrieg und Abraham Lincoln versuchte mit allen Mitteln die Nation zu einen, um dem Blutvergießen ein Ende zu setzen. Ebenso wichtig war ihm die Abschaffung der Sklaverei. Er setzte alles daran diesen Schritt mittels eines Zusatzartikels in der Verfassung zu verankern.

Spielberg lässt das politische Parkett vom Washington D. C. des Jahres 1865 fast fühlbar wieder auferstehen und bevölkert es mit 140 Charakteren. Hier nur einige, die besonders hervorzuheben wären:
Zum Lincoln- Zirkel gehörten Berater Francis Preston Blair (Hal Holbrook), Ex-Lincoln-Rivale und späterer Außenminister unter Lincoln William Henry Seward (David Strathairn) und etliche seiner Handlanger, verkörpert von John Hawkes, James Spader und Tim Blake Nelson, die im Hintergrund die Strippen zogen. Im Repräsentantenhaus brilliert Tommy Lee Jones als Thaddeus Stevens, eine Art „Radikal-Republikaner“, der sich nicht nur für die Emanzipation der Sklaven einsetzte, sondern die komplette Abschaffung des Systems der Sklaverei forderte. Hitzige Debatten aus dem Repräsentantenhaus wechseln mit Strategie-Konferenzen aus Lincolns Schaltzentrale, oder Manöverbesprechungen auf den Schlachtfeldern.

Selbst wenn der Zuschauer weder großes Interesse an politischen Diskussionen mitbringt, noch der amerikanischen Geschichte mit Wissbegierde begegnet, versteht Spielberg als Meister des Unterhaltungskinos etwas von seinem Fach. Vielleicht kann er nicht über die volle Länge von 145 Minuten fesseln, obwohl ihm auch das immer wieder gelingt. Herausragend ist das Spiel von Daniel Day-Lewis, einem fleischgewordenen Lincoln. Auch das Zusammenspiel von Day-Lewis und Sally Field als Präsidentengattin ist bemerkenswert. Die beiden verkörpern Vertrautheit und Zusammenhalt, als teilten sie seit vielen Jahren – wenn auch auf unterschiedliche Weise – den Schmerz um zwei verstorbene Söhne.

Eindringlich sind überdies die Szenen mit dem ältesten Lincoln-Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt), der gegen den Widerstand – seinen eigenen und den der Eltern – unbedingt in den Krieg ziehen will. Hier wird nachvollziehbar, warum sich der 21-jährige Harvard Student mit Selbsthass quält. Seine Ehre gebietet ihm die Pflichterfüllung, doch die Schlachtfelder und Lazarette erfüllen ihn mit Angst und Entsetzen.

Ein Höhepunkt des Films ist die spannend und packend inszenierte Abstimmung zur Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes,  obwohl der Ausgang bereits Geschichte ist. Diesen historischen und bewegenden Augenblick, macht Spielberg für den Zuschauer zu einem emotionalen Erlebnis. Zusätzliche Tiefe erhält  dieser geschichtsträchtige Moment durch den  Abgeordneten Thaddeus Stevens. Der eilt nach Hause, um seiner farbigen Lebensgefährtin, die als Haushälterin getarnt wird, die Gesetzesrolle in die Hände zu legen. Eine berührende Szene, in der eine kleine Geste einen großen Schritt in Sachen Gerechtigkeit symbolisiert.

Wer also Lust hat, Geschichte um 1860 und den wohl wichtigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu atmen, wird mit „Lincoln“ vortrefflich bedient.

Kinostart: 24. Januar 2013; Regie: Steven Spielberg; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 145 Minuten; verleih: Twentieth Century Fox; Link: lincoln-derfilm.de
 

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Pingback: Kinotipp und Gewinnspiel: Hyde Park am Hudson | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016