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DJANGO UNCHAINED

DJANGO UNCHAINED

2009 ließ Quentin Tarantino in “Inglourious Bastards” moralisch befriedigend reihenweise Nazis über die Klinge springen. In seinem am 17. Januar in den Kinos startenden Film „Django Unchained“ nimmt sich Tarantino nun eines dunklen Punktes in seinem eigenen Land an. Diesmal  erhalten Sklaventreiber und -halter sowie Rassisten ihre (gerechte?) Strafe von einem Helden und Rächer, wie ihn der Italo-Western einst kannte. Nur ist Tarantinos entfesselter „Django“ ein Schwarzer.

 


Mit dem Oscar-preisgekrönten Jamie Foxx („Ray“) hat Tarantino einen umwerfend aussehenden Alleskönner zum Titelhelden erkoren. Von saucool bis rührend hilflos zeigt er spielend jede Emotion, wie es sein Regisseur und dessen kurioses Drehbuch verlangen. Ihm zur Seite steht ein ebenbürtiger Partner: der ebenfalls  mit einem Oscar ausgezeichnete, charismatische Christoph Waltz. Diesen beiden glorreichen Lichtgestalten des Kinos durch das erste hinreißende Drittel des Films folgen zu dürfen, lohnt bereits das Eintrittsgeld.

Aber nun erst einmal der Reihe nach: Der deutschstämmige Kopfgeldjäger und ehemalige Dentist Dr. King Schultz (Christoph Waltz) braucht Hilfe, um die gesuchten Brittle-Brüder zu identifizieren. Es ist eine wahre Freude, seinen beredten und höflichen Ausführungen zu lauschen, denen jeweils beherzte Taten folgen, und an deren Ende zumeist ein besonders unangenehmes und nachweislich kriminelles Subjekt sein Leben lässt.

Dr. Schultz befreit den  Sklaven Django, denn dem sind die Brüder lebhaft in Erinnerung, quälten sie ihn einst unter der Herrschaft seines Vorbesitzers. Dr. Schultz verspricht Django die Freiheit, wenn er ihm bei der Ergreifung der Brittle-Brüder hilft – und er hält sogar sein Versprechen. Doch Django geht nicht etwa seiner Wege. Er ist recht angetan vom Broterwerb seines neuen Arbeitgebers. Weiße Männer töten und dafür auch noch Geld zu bekommen, scheint ihm eine sinnvolle Beschäftigung. Also steht er Dr. Schultz in der Kopfgeldjäger-Branche zur Seite und im Gegenzuge will dieser ihm helfen, seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) ausfindig zu machen und sie frei zu kaufen. Broomhilda gehört heute dem mächtigen wie berüchtigten Herrscher über die Candyland Plantage, Calvin Candie, ein zum niederknien diabolischer Leonardo DiCaprio.

So erfreulich DiCaprios Besetzung auch ist, mit dem Auftritt seiner Figur verliert der Film plötzlich seine Leichtigkeit und Eleganz. Wurde vorher der Tod verstörend ästhetisch inszeniert – rotes Blut sprenkelt kunstvolll weiße Baumwollpflanzen – wird ab jetzt inflationär roh gemeuchelt und gemordet.

Der Film wechselt von Italo-Western-Komödie zum brutalen Sklaven-Drama.  Zartbesaiteten Seelen ist anzuraten das Kino zu verlassen, auch wenn sie dann den unglaublich großartigen Samuel L. Jackson in seiner Rolle als gerissener Haussklave und Candies Faktotum verpassen. Dafür müssen Sie nicht mit ansehen, wie „Django Unchained“ ein drittes Mal seine Erzählweise ändert und im letzten Drittel zu einer Art Computerspiel-Geballere verkommt, in dem sich der Held in immer höhere Level schießt und Leichenberge seine Wege pflastern. 

Freunde derartiger Unterhaltung werden hingegen ihren Spaß haben und ausgiebig auf ihre Kosten kommen. Alle anderen quälen sich eher durch den letzten Teil. Schade auch, dass die Rolle der Broomhilda so nichtssagend und blass bleibt – die starken Szenen von Kerry Washington scheinen der Schere zum Opfer gefallen zu sein. Denn ansonsten glänzt der Film mit einer Fülle außerordentlicher Charaktere, denen ein brillantes Ensemble Leben einhaucht.

Auch wenn sich „Django Unchained“ etwas holperig zu einem Ganzen zusammenfügt, unterhält er über weite Teile prächtig, mit originellen Szenen und Kostümen und dank einer herausragenden Besetzung, tollen Bildern und flotter Musik.

Kinostart: 17. Januar; Regie: Quentin Tarantino; FSK: ab 16 Jahren; Länge: 165 Minuten; Verleih: Sony; Link: djangounchained.de

 

 

 

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