Familienleben

Tipps für ein sicheres Silvesterfeuerwerk

Tipps für ein sicheres Silvesterfeuerwerk

Das neue Jahr beginnt und Millionen Deutsche begrüßen es mit Raketen und Böllern. An keinem anderen Tag im Jahr sind Feuerwehr und Rettungsdienste so häufig gefragt wie an Silvester. Denn leider kommt es beim Abbrennen der Feuerwerkskörper immer wieder zu Unfällen – nicht zuletzt, weil billige Import-Feuerwerkskörper verwendet werden. Aber auch die fahrlässige Verwendung von Silversterfeuerwerk in Kombination mit Alkohol birgt Gefahren, die sich jedoch vermeiden lassen. Mit diesen Tipps kommen Sie bestimmt sicher und verletzungsfrei durch die Silvesternacht ins neue Jahr.

Wie erkenne ich geprüfte Feuerwerksartikel? 
Wenn an Silvester mit viel Krach und jeder Menge Raketen das neue Jahr begrüßt wird, dann können Sie sicher sein, dass legal erworbene Feuerwerksartikel vorher einer umfangreichen Prüfung unterzogen wurden.
Zuständig dafür ist die BAM, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, in Berlin. Sie prüft die Feuerwerksartikel auf Herz und Nieren. Dort knallt es nicht zu Silvester, sondern im Sommer; weit vor Silvester prüft die Behörde Feuerwerksartikel.

Aber trotz Prüfung bleiben Feuerwerkskörper gefährlich, und das gilt ausdrücklich für die Blitzknallkörper, die so genannten Polenböller, die die BAM auch untersucht hat. Dazu Heidrun Fink, Prüfleiterin bei der BAM:
„Wenn man zum Vergleich einen Schwarzpulverknallkörper nimmt und den in einer Hand zünden würde, dann sähe man schon ein paar Verbrennungen an der Hand. Bei einem Blitzknallkörper würde man einige Finger verlieren.“

Feuerwerksartikel werden an der BAM umfangreichen Tests unterzogen. Zum Beispiel simuliert man mit einem Rütteltest den Transport: „Bei dem Rütteltisch werden die Gegenstände mit der 50fachen Erdbeschleunigung schlagartig abgebremst, und das über die Dauer von einer Stunde. Danach wird überprüft, ob die Gegenstände praktisch noch intakt sind. Ob nichts ausgerieselt ist.“

Die Feuerwerkskörper werden aber auch erhöhter Temperatur ausgesetzt: „Hier haben wir zwei Optionen, wir können einmal zwei Tage bei 75 Grad warm lagern und einmal vier Wochen bei 50 Grad. Das kann der Antragsteller entscheiden. Anschließend werden die Gegenstände zwei Tage bei Raumtemperatur abgekühlt und dann der Funktionsprüfung unterzogen.“

Am Ende müssen aber alle die Prüfung bestehen, sagt die Expertin für Pyrotechnik: „Es darf gar nichts durchfallen, es müssen alle Gegenstände den Anforderungen entsprechen. Wird ein Fehler festgestellt, dann führt dies zum Versagen dieser Zulassung“.

Doch wie erkennt der Kunde, dass der Feuerwerkskörper geprüft wurde, zum Beispiel von der BAM? „Anhand der Kennzeichnung. Jeder Gegenstand muss mit einer Registriernummer versehen werden, mit einer ID-Nummer und einem CE-Kennzeichen. Weiterhin muss die Kennzeichnung in deutscher Sprache sein, wenn es für den deutschen Markt ist.“

Feuerwerkskörper – Sicher durch die Silvesternacht
Leider kommt es beim Abbrennen von Silvesterfeuerwerk immer wieder zu Unfällen, nicht zuletzt, weil billige Import-Feuerwerkskörper verwendet werden. Und das geschieht häufig aus purer Unwissenheit. Wie kann man das Risiko beim Böllern verringern?

„Kaufen Sie nur zugelassene Feuerwerkskörper. Achten Sie z.B. auf Zulassungsnummer bis 2017 oder auch auf das CE-Zeichen. Verwenden Sie Böller und Raketen grundsätzlich nur im Freien und zünden Sie sie nie unter Überdachungen oder Bäumen an. Und achten Sie auf die Windrichtung, denn bei starkem Wind kann die Rakete die Richtung wechseln, und niemals einen Blindgänger aufheben oder zweimal anzünden“, so Simone Herzner, stellvertretende Chefredakteurin der Apotheken-Umschau.

Denn das kann zu üblen Verletzungen führen. Verbrennungen und Verbrühungen gehören nämlich zu den häufigsten Verletzungen während der Silvesternacht, ausgelöst durch Feuerwerkskörper oder aber auch durch heißes Fondue-Öl. Um zu helfen, muss man wissen, was zu tun ist: „Ist die Verletzung großflächig, alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst. Kleine Verbrennungen können Sie kühlen, aber nur wenige Minuten. Das Wasser sollte ungefähr 15 bis 20 Grad haben. Selbst wenn eine Verbrennung auf den ersten Blick harmlos aussieht, ist es besser zum Arzt zu gehen, ganz besonders, wenn Kinder oder Senioren betroffen sind oder bei Verbrennungen an Händen oder im Gesicht.“

Manchmal sieht so eine Verletzung gar nicht so schlimm aus. Wenn zum Beispiel nur ein kleines Glutteilchen ins Auge gerät, muss man dann trotzdem zum Arzt? „Ja. Suchen Sie den Arzt am besten sofort auf, nicht erst am nächsten Tag oder rufen Sie gleich den Rettungsdienst. Wenn ein Fremdkörper im Auge landet, kann das zu Hornhautverletzungen führen oder sogar bis zum Verlust des Augenlichts. Halten Sie das Auge geschlossen bis professionelle Hilfe eintrifft und fummeln Sie auf keinen Fall am Auge herum“, rät Simone Herzner.

Tipps für ein sicheres Silvesterfeuerwerk
An keinem anderen Tag im Jahr sind Feuerwehr und Rettungsdienste so häufig gefragt wie an Silvester. Oftmals ist die Ursache für Brände und Unfälle an Silvester die fahrlässige Verwendung von Feuerwerkskörpern nicht selten in Kombination mit Alkohol. Solche Gefahren lassen sich durch den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern jedoch leicht vermeiden. „Wichtig ist es beim Feuerwerk vor allem einen klaren Kopf zu bewahren und die Gebrauchsanweisung genau zu beachten“, so Rainer Weiskirchen, Fachmann für Produktsicherheit bei TÜV Rheinland.

„Feuerwerk, das mit F1 oder F2 gekennzeichnet ist, darf ab 12 beziehungsweise 18 Jahren verwendet werden. Mit F3 und F4 gekennzeichnete Produkte dürfen nur von Pyro-Profis erworben und gezündet werden, auch an Silvester“, so Weiskirchen. Feuerwerkskörper sollten nur aus sicheren Quellen, wie Super- oder Baumärkten und Warenhäusern, bezogen werden.

Wer keine Brände riskieren will, sollte die Gebrauchsanweisung des Herstellers genau beachten und Türen und Fenster in jedem Fall geschlossen halten. Raketen sind nicht nur ausschließlich im Freien, sondern auch niemals aus der Hand heraus zu zünden. Wichtig ist es frühzeitig sämtliche brennbare Elemente von Balkonen und Terrassen zu räumen.

Nicht explodierte Feuerwerkskörper dürfen auf keinen Fall ein zweites Mal angezündet werden. Außerdem sollte stets ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Personen, Autos und Bäumen bewahrt werden. An bestimmten Örtlichkeiten wie vor Kirchen, Krankenhäusern, Kindern- oder Altersheimen, ist das Zünden grundsätzlich untersagt. Gemeinden und Städte bieten auf ihrer Internetpräsenz Bekanntmachungen zu örtlichen Verboten an.

Auch die Kombination mit Alkohol ist eine häufige Ursache für Unfälle. Erwachsene sollten daher Verantwortung übernehmen und stets darauf achten alkoholisierten Personen in ihrer Umgebung das Zünden von Feuerwerksprodukten zu untersagen. Für Kinder unter 12 Jahren ist der Gebrauch von Feuerwerkskörpern generell verboten. Darauf sollten Erwachsene und Elternteile an Silvester unbedingt achten, um Brände und Unfälle zu vermeiden.

Welche Schäden sind versichert, wenn der Schuss nach hinten losgeht?
Das neue Jahr beginnt und Millionen Deutsche begrüßen es mit Raketen und Böllern. Nicht selten endet dieses Vergnügen in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder mit erheblichem Sachschaden.

Klar, Feuerwerkskörper sollten in einwandfreiem Zustand und unbeschädigt sein. Lässt sich eine Rakete oder ein Böller nicht gleich zünden, weg damit! Wer selber alles richtig macht, ist noch lange nicht vor Fehlern Dritter gefeit. Immer wieder beschädigen Raketen und Böller in der Silvesternacht parkende Autos. Steht der Verursacher fest, muss er natürlich haften. In der Praxis ist das allerdings eher selten der Fall.

Hat der Besitzer des beschädigten Autos eine Teilkasko-Versicherung, kann er den Schaden dort melden und regulieren lassen. Dies gilt übrigens auch, wenn der Verursacher feststeht. Ist der Schaden behoben, holt die Versicherung sich das Geld dafür vom Schädiger natürlich zurück.

Zu den typischen Schäden dieser Nacht zählen auch Raketen, die durch offene Fenster oder Dachluken fliegen. Wenn sich daraus ein Brand entwickelt, der das Gebäude oder den Hausrat beschädigt, ist dies ein Fall für Wohngebäude- und Hausratversicherung. Allerdings lassen sich solche Schäden in der Regel leicht vermeiden, indem man Fenster und Dachluken schließt.

Weitaus schlimmer, in der Silvesternacht aber leider nicht selten: Ein verirrter Kracher verletzt jemanden ernsthaft, zum Beispiel an den Augen. Niemand weiß, wer ihn abgeschossen hat, darum kann der Verletzte auch niemanden in die Pflicht nehmen. Er bleibt auf seinen Schadenersatzansprüchen sitzen. In dieser Situation hilft eine private Unfallversicherung. Sie zahlt unabhängig davon, ob man selber oder ein Dritter den Unfall verursacht hat.

Übrigens selbst wenn feststeht, wer den Unfall verursachte, können Opfer leer ausgehen. Denn hat der Unfallverursacher keine private Haftpflichtversicherung, muss er das Opfer aus der eigenen Tasche entschädigen. Bei schweren Unfällen eine Verpflichtung, die viele Privatleute nicht erfüllen können.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an all die Menschen bei der Feuerwehr und den Rettungsdiensten, die auch in der Silvesternacht zu unserem Wohl und unserer Sicherheit im Einsatz sind!

Quellen: BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Apotheken-Umschau, TÜV Rheinland, HUK-Coburg

Foto: HUK-Coburg

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