Familienleben

Weihnachtsbräuche

Weihnachtsbräuche

In der Advents- und Weihnachtszeit begleiten uns viele Bräuche. Zum ersten Advent bringt der Adventskranz winterlichen Tannenduft und das warme Licht roter Kerzen ins Haus, sodass der Christstollen gleich nochmal so gut schmeckt. Die Weihnachtsmärkte bieten allerorten eine kleine Oase der Ruhe vom Geschenkestress und zum Fest darf der Tannenbaum natürlich nicht fehlen, damit Weihnachtsmann und Christkind den Kindern die Geschenke bringen. Doch wo kommen diese Bräuche eigentlich her?


Der Adventskranz soll aus Hamburg stammen, denn der evangelisch-lutherische Theologe Hinrich Wichern betreute dort in einem alten Bauernhaus, dem Rauhen Haus, Kinder, die in großer Armut lebten. Da diese in der Vorweihnachtszeit immer wieder fragten, wann denn nun endlich Weihnachten sei, baute er 1839 aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 24 roten Kerzen als Kalender. Und damit die Kinder die verbleibenden Tage bis zum Fest abzählen konnten, wurde ab dem 1. Dezember jeden Tag eine Kerze angezündet. Aus dem Wichernschen Adventskranz hat sich der Adventskranz aus Tannengrün mit vier Kerzen entwickelt, die nur noch die vier Adventssonntage kennzeichnen. Im katholischen Teil Irlands besteht der Adventskranz aus fünf Kerzen, drei violetten und je einer in rosa und weiß. Die drei violetten Kerzen sind für den ersten, zweiten und vierten Adventssonntag, die rosafarbene Kerze für den dritten Sonntag, Gaudete. Die fünfte, weiße Kerze steht in der Mitte des Adventskranzes und wird am Heiligabend angezündet.

Weihnachtsbaum
Ein geschmückter Baum war schon im Mittelalter zu bestimmten Festlichkeiten Sitte, wie z.B. der Maibaum. Immergrüne Pflanzen wie die Tanne verkörpern Lebenskraft, und darum glaubten die Menschen, sich damit Gesundheit ins Haus zu holen. Laut einer Geschichte soll die Freiburger Bäckerschaft 1419 einen Baum mit Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben, den die Kinder dann an Neujahr plündern durften. Im Jahr 1539 wurde im Straßburger Münster ein Christbaum aufgestellt. Und aus dem Jahre 1605 stammen die Aufzeichnungen eines Elsässers: „Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold und Zucker“. Heute vemutet man, dass die Weihnachtsbäume jedoch früher eher aufgehängt, denn aufgestellt wurden, denn schließlich waren zu jenen Zeiten Mäuse keine seltenen Gäste in den Häusern. Der erste Tannenbaum mit Kerzen wurde 1611 von Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien geschmückt. Die ersten mundgeblasenen Christbaumkugeln erschienen 1830 im Elsass auf den Markt, Lametta kam erst 1878 hinzu, eingeführt in Nürnberg. Auswanderer nahmen den Brauch mit in die USA – der erste Weihnachtsbaum wurde 1891 im „Weißen Haus“ aufgestellt.

Der Weihnachtsmann ist die Symbolfigur weihnachtlicher Güte und des Schenkens. Der uns bekannte dickliche alte Mann mit weißem Rauschebart und roter, mit weißem Pelz besetzter Kutte wurde durch Coca-Cola ab 1931 weltberühmt. Den „braven“ Kindern bringt er an Heiligabend Geschenke, den „bösen“ hingegen bloß eine Rute. Er vereint somit die Attribute des Bischofs Nikolaus von Myra aus dem 4. Jahrhundert mit denen seines Gegenspielers Knecht Ruprecht, der wiederum auf den Raubritter Hans von Trotha aus dem 15. Jahrhundert, im Elsass Hans Trapp genannt, zurückzuführen ist.
Dem Buch „Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte“ des Volks- und Religionswissenschaftlers Thomas Hauschild (S. Fischer. 384 S., 19,99 Euro) ist jedoch zu entnehmen, dass der Weihnachtsmann deswegen in allen Weltregionen bekannt ist, weil er eine lupenreine Mischidentität aus Abendland und den Weiten des Ostens hat. Nicht nur, dass Nikolaus von Myra mit „Väterchen Frost“ in Russland einen freigiebigen Doppelgänger hat, sondern – und jetzt wird’s spannend – der „Gott des langen Lebens“ mit Kindergesicht, langem Bart und stets begleitet von einem Hirsch, in China „Shou Xing“ genannt, ist ebenfalls ein Beschützer der Kinder – und er wirkte schon im 4. Jahrhundert von Christus. In mongolischen Erzählungen gibt es einen „Weißen Alten“, der ebenfalls über alle Attribute des Weihnachtsmannes verfügt. Da er hier fliegen kann, wäre auch geklärt, warum der gute Mann mit seinem Schlitten durch die Lüfte zieht. Womit einzig bewiesen ist, dass alles irgendwie zusammenhängt. Hauschild: „Ich bin zufrieden damit, dass ich den Wahn einer ureigenen Identität, dem ewigen Streit um Santa, dem kulturstolzen Ausschluss der Fremden aus ‚unseren‘ Festen das Bild eines Geflechts gegenüberstellen kann, in dem Santa und der Weihnachtsmann neben vielen anderen stehen.“

Das Christkind ist eine vor allem in katholischen Regionen verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes, das zu Weihnachten ohne gesehen zu werden die Geschenke bringt. Das blond gelockte Kind mit Flügeln und Heiligenschein erinnert optisch an die skandinavische Lichterkönigin und darf wohl auch als ursprünglich protestantische Antwort des 16. Jahrhunderts auf die Heiligenverehrung des Nikolaus der katholischen Kirche verstanden werden. Die Beschenkung der Kinder durch den „Heiligen Christ“ wurde kurzerhand auf den 25. Dezember gelegt und daraus entwickelte sich die Bezeichnung „Christkind“. Und dass das Christkind nun eher in katholischen Regionen zuhause ist, liegt am Weihnachtsmann, der seinerseits im Norden die Oberhand gewann.

Der Weihnachtsmarkt ist zurückzuführen auf spätmittelalterliche Verkaufsmessen und Märkte, die in der kalten Jahreszeit die Möglichkeit boten, sich mit Fleisch und winterlichem Bedarf einzudecken. Im 14. Jahrhundert kam der Brauch auf, Handwerkern wie Spielzeugmachern, Korbflechtern oder Zuckerbäckern zu erlauben, Verkaufsstände für die Kleinigkeiten auf dem Markt zu errichten – auch Stände mit gerösteten Kastanien, Nüssen und Mandeln gab es damals bereits. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Märkte zu einem festen Element des vorweihnachtlichen Brauchtums. Die Ursprünge vieler Weihnachtsmärkte in Deutschland reichen vor das Jahr 1500 zurück, als größter ausländische Weihnachtsmarkt gilt der seit 1570 abgehaltene Markt von Straßburg.

Der schmackhafte Christstollen mit der wohl längsten Weihnachtsgebäck-Tradition hat seinen Ursprung im „Christbrot“ aus dem 14. Jahrhundert, einer Fastenspeise der Klöster für den Advent aus Mehl, Hefe und Wasser. Form und Aussehen des Stollens sollten an das gewickelte Christkind erinnern. Hofbäcker Heinrich Drasdo in Torgau (Sachsen) kam auf die dee, den Fastenstollen zum Weihnachtsfest mit reichhaltigeren Zutaten wie Früchten zu ergänzen – und deswegen ist der „Dresdner Stollen“ auch heute noch so berühmt, obwohl er eigentlich im Volksmund „Striezel“ heißt. Die Füllung mit Marzipan ist eher der Tatsache geschuldet, dass diese leckere Süßigkeit an der Luft schnell hart wird. Und deshalb kamen elsässische Bäcker auf die Idee, dass Marzipan in Form eines Christkindes in die Mitte des Teiges zu betten und es so ummantelt lange saftig zu erhalten – vielleicht also auch daher der Name „Christstollen“.

Auf jeden Fall haben viele unserer Weihnachtstraditionen ihren Ursprung im Elsass – und deshalb ist es nur rechtmäßig, wenn sich die Stadt Straßburg als „Die Weihnachtsstadt“ darstellt.

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