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ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN

ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN

Mütterliche Ratschläge aus dem Jenseits, verrutschte Küsse und ein schmerzliches Geheimnis: Frei nach dem gleichnamigen Bestseller von Paul Watzlawick erzählt Drehbuchautorin und Regisseurin Sherry Hormann mit Fantasie und Witz eine beschwingte Komödie voll ironischer und literarischer Zwischentöne – ab 29. November in unseren Kinos.


Wäre „Sich-Unglücklichmachen“ ein Schulfach, hätte Tiffany Blechschmidt (Johanna Wokalek) seit Jahren die besten Zensuren. Denn Tiffany, die abergläubisch morgens stets mit dem rechten Fuß zuerst aus dem Bett steigt (um sich das Glück zu sichern), findet immer das Haar in der Suppe. Sie ist der Typ, der stets die Wolken sieht, wenn alle die Sonne genießen. Und schließlich springen ja auch die Ampeln auf Rot, wenn sie sich nähert, der Nachbar ignoriert sie rüde und in der Liebe geht sowieso alles schief.

Beruflich betreibt Tiffany einen florierenden Delikatessenladen mit Mittagstisch in Berlin-Kreuzberg. Sie ist Single, auf liebenswerte Weise neurotisch, spielt schon viel zu lange nicht mehr Klavier und hält sich seit frühester Kindheit für durchschnittlich. Kein Wunder, denn ihre Mutter (Iris Berben) war einfach eine Granate: Schön, erotisch, glamourös – alles, was Tiffany NICHT ist. Zu allem Überfluss erscheint ihr die verstobene Mama regelmäßig und überschüttet sie mit neunmalklugen Ratschlägen. Das kann mitunter schon zur Nervenzerreißprobe werden.

Zu Tiffanys Universum gehören neben ihrem Vogel Richard, einem melancholischem Tukan, und ihrem lebenserfahrenen Vermieter Paul (Michael Gwisdek) ihre Angestellten im „Blechschmid’s“. Das sind: die flotte Kellnerin Rita (Katharina Marie Schubert), die großherzige Köchin Luise (Margarita Broich) sowie deren autistischer Neffe Benno (David Kross), der für die wunderschönen, geschnitzten Gemüsedekorationen und die täglich wechselnden Literaturzitate in den Glückskeksen zuständig ist.

Tiffanys Leben gerät vollends aus den Fugen, als Hans Luboschinski (Richy Müller), ihr Klavierlehrer aus Kindheitstagen, ins Haus gegenüber einzieht. Längst verschüttet geglaubte Erinnerungen kommen hoch und überraschende Erkenntnisse warten auf die junge Frau. Sollte Tiffany am Ende doch noch den Weg zum Glück finden?

Jedoch: Egal, ob der smarte Polizist Frank (Benjamin Sadler) ihr den Hof macht oder der verträumte Fotograf Thomas (Itay Tiran) – Tiffany steht sich einfach immer selbst im Weg.

Das 1983 veröffentlichte Sachbuch des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick (1921-2007) inspirierte Sherry Hormann („Wüstenblume“, „Irren ist männlich“) zu ihrer geradezu satirischen Komödie mit demselben Titel. Wie schon Paul Watzlawick in seinem ironischen Buch den großen russischen Literaten Dostojewski mit „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist“ zitierte, so zieht Hormann mit der verschrobenen Protagonistin Tiffany das ewig leidende deutsche Volk genussvoll durch den Kakao. Denn Tiffany hat alles, was zu den Tugenden der Deutschen zählt: Sie ist strebsam, fleißig, pünktlich, bescheiden, zuverlässig und verantwortungsbewusst. Was ihr fehlt, ist eine Portion Selbstbewusstsein, und deswegen ist bei ihr das Glas eben immer halb leer statt halbvoll. Und so geht es doch den meisten im Lande der Dichter und Denker, die lieber an allem zweifeln – und nicht zuletzt auch an der eigenen Nation – als einfach einmal etwas für rundum gut zu finden.

Ihren Pessimismus erklärt Tiffany damit, dass sie eben nur durchschnittlich ist – und das ist sie auch im Vergleich zu der Übermutter, die sie selbst so stilisiert hat. Was ihr fehlt, ist der Mut etwas Ungewohntes zu tun, dessen Folgen sie nicht einschätzen kann. In Tiffanys Fall ändert sich das erst, als ihr mütterliches Vorbild zu bröckeln beginnt. Mal schaun, wies uns Deutschen ergeht…

Fazit: Herrlich viele Zitate durchziehen diesen skurrilen Film, der eine wunderbare Persiflage auf unsere Gesellschaft darstellt. Absolutes Highlight neben Johanna Wokalek („Die Päpstin“, „Der Baader Meinhof Komplex“) ist Benjamin Sadler („Wer, wenn nicht wir“), der hier einen instinktgesteuerten Macho mit – wer weiß, wozu es gut ist – Hamburger Slang spielt.

Kinostart: 29. November; Regie: Sherry Horman; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 87 Minuten; Verleih: Studiocanal; Link: anleitungzumungluecklichsein.studiocanal.de


 

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