Film

DIE KUNST SICH DIE SCHUHE ZU BINDEN

DIE KUNST SICH DIE SCHUHE ZU BINDEN

Am 20. September startet mit „Die Kunst sich die Schuhe zu binden“ eine tief bewegende Komödie mit viel Herz nach einer wahren Geschichte in unseren Kinos – frei nach dem berühmten Ensemble des Glada Hudik-Theaters, das 1996 vom damaligen  Betreuer Pär Johansson gegründet wurde. Der Film war der Sommerhit des vergangenen Jahres im schwedischen Kino. Gute Laune garantiert!

Alex (Sverrir Gudnason) ist ein ziemlicher Loser. Seine Träume von einer Theaterkarriere platzen, und dann verlässt ihn auch noch seine Freundin Lisa. Der einzige Job, den ihm das Arbeitsamt anbietet, ist, als Betreuer in einem Heim für Menschen mit Behinderung in einer Provinzstadt zu arbeiten.

Dort trifft Alex auf starre Vorstellungen im Umgang mit Behinderten – seitens der Betreuer und auch bei den Eltern der Heimbewohner. Aber er versucht das Beste daraus zu machen und entdeckt, dass die liebste Freiteitbeschäftigung seiner Gruppe es eben nicht ist, sich die Schuhe zu binden – wofür gibt es denn bitteschön Klettverschlüsse? – sondern es ist die Musik. Spontan verspricht er der Truppe, sie bei „Schweden sucht den Superstar“ anzumelden – das kann natürlich nur schiefgehen, denn er stößt damit auf massiven Widerstand bei den Eltern.

Das ist jedoch Ebbe (Bosse Östlin), Leif (David Gustafsson), Katarina (Ellinore Holmer), Kristina (Maja Karlsson), Filippa (Theresia Widarsson) und Kjell-Åke (Mats Melin) recht egal – und so schlagen sich die sechs allein nach Stockholm durch…

Nach einer wahren Geschichte, frei nach dem berühmten Ensemble des Glada HudikTheaters, das 1996 vom damaligen  Betreuer Pär Johansson gegründet wurde. Mittlerweile hat das Theater acht Produktionen auf die Beine gestellt. Konnte das erste Stück nur 400 Zuschauer verbuchen, so sahen ihre letzte Produktion „Elvis“ rund 110.000 begeisterte Zuschauer in ganz Schweden. Außerdem wurde „Elvis“ auch am New Yorker Broadway aufgeführt.

Das Glada Hudik-Theater
Die Geschichte des Glada Hudik-Theaters begann 1996, als Pär Johansson, der als Betreuer in einem Tageszentrum für  Menschen mit geistiger Behinderung in Hudiksvall arbeitete, ein Theaterprojekt ins Leben rief. Das Theater sollte zunächst nur eine der verschiedenen Möglichkeiten sein, aus denen Menschen mit Behinderung eine oder mehrere Aktivitäten auswählen konnten. Obwohl die Reaktion der Kollegen gemischt war, erhielt Johansson die Erlaubnis, seine Idee umzusetzen.

Bis das Debüt der Theatergruppe seine Premiere feierte, musste Johansson allerdings gegen starke Widerstände und Proteste, nicht zuletzt von den Familien der beteiligten Schauspieler, kämpfen. Zu seinem Glück wurde die Show ein Riesenerfolg, und Pär Johansson setzte mit seinem Kollegen Olle Hillström die Arbeit fort. Jede neue Erfahrung bestärkte sie in ihrem Vorhaben, und die Darsteller zeigten große Begeisterung fürs Theater und das Schauspielern.

Die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung hat vor allem eins zum Ziel:  Ihnen soll – soweit  wie möglich  – ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Doch oft enden  Menschen mit geistiger Behinderung, die in einem Tageszentrum eingebunden sind, in von Menschen ohne Behinderung getrennte Gruppen.  Pär Johansson und sein Kollege Olle Hillström waren sich dieser Problematik bewusst und haben daher aktiv versucht, verschiedene Verbindungen zu externen Theatercompanies und Organisationen zu knüpfen.

Schüler aus ortsansässigen Schulen wurden beauftragt, bei den Projekten mitzuwirken, z.B. spielten sie Musik, malten das Bühnenbild und fertigten Requisiten, nähten Kostüme und arbeiteten Backstage für das Theater. Andere Gruppen und professionelle Organisationen stellten Licht- und Tontechnik zur Verfügung und kümmerten sich um das Make-up der Darsteller. Lokale Handelspartner fungierten als Sponsoren und waren auch begeisterte erste Zuschauer der Stücke. Es gab Kooperationen mit Schulen, bei denen die Schauspieler im Unterricht und auf der Theaterbühne mit Schülern zusammentrafen.

Im traditionellen Betreuungsumfeld  besteht die Gefahr, dass Menschen mit geistiger Behinderung  zu umsichtig behandelt werden und bei ihnen vor jeder Art von Erwartung und Zielsetzung zurückgeschreckt wird. Johansson und Hillström dagegen haben sich niemals gescheut für ihre Schauspieler Ziele zu setzen, die sie mit ihnen gemeinsam erreichen wollten. Sie haben ihre Gruppe dazu motiviert, sich ohne Bedenken zu engagieren, immer mit dem Herzen dabei zu sein und ihr Bestes auf der Bühne zu geben.

Zu Beginn seiner Theaterarbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung musste Pär Johansson eine geeignete Herangehensweise an das Projekt finden. Manche der Schauspieler können nicht lesen, andere nicht sprechen. Wieder andere haben Schwierigkeiten sich zu bewegen  oder können Gruppensituationen nicht ertragen. Hier war und ist entsprechend Geduld und ein solides Fundament im pädagogischen Bereich nötig, um aus dem Potenzial der Darsteller einen  Theaterauftritt mit Dialogen, Tanz, Gesang und Musikeinzuüben. Es hat sich bewährt, die Produktionen auf Grundlage der Ideen der Gruppe auszuarbeiten, in dem zu Beginn gefragt wird: „Wer willst du sein? Wen willst du spielen? Und wie?“.

Um diese Charaktere herum, die langsam zum Leben erweckt wurden, bildeten sich einfache Geschichten heraus. Das Glada Hudik-Theater arbeitete zu Beginn nicht mit fertigen Drehbüchern und Theaterstücken und es wurden keine Leseproben veranstaltet. Sobald die Charaktere und die Geschichte eines Theaterstücks Form annahmen, versuchten die Leiter der Gruppe sicherzustellen, dass die Schauspieler  ihr Gelerntes nicht vergessen.

Johansson und Hillström  entwickelten hierfür eine Reihe von Techniken , um den Schauspielern dabei zu helfen, ihre Texte zu merken. Auch die Komposition von Songs geschah spontan, und Melodie und Text wurden  so selbständig wie möglich von der Gruppe erarbeitet. So konnten sich die Schauspieler einfacher Musik, Text und Ablauf in Erinnerung rufen.  

Die Darsteller des Glada Hudik-Theaters wachsen an ihren Aufgaben  und können mittlerweile erstaunliche Fortschritte aufweisen. Spätestens seit „Elvis“ arbeitet die Theatergruppe mit fertigen Drehbüchern und vorab komponierter Musik Selbst  Lieder auf  Englisch stellen kein Probleme  dar.

Teil 2 der Erfolgsgeschichte, ebenfalls mit den Original-Ensemble-Mitgliedern, wird gerade gedreht.

Kinostart: 20. September; Regie: Lena Koppel; FSK: ohne; Länge: 101 Minuten; Verleih: MFA Film; Link: die-kunst-sich-die-schuhe-zu-binden

Klicken Sie, um einen Kommentar hinzuzufügen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016