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TO ROME WITH LOVE

TO ROME WITH LOVE

Das wurde aber auch Zeit: Endlich spielt in einem Woody-Allen-Film wieder Woody Allen mit. In seinem jüngsten Werk gibt er den hypernervösen New Yorker Intellektuellen, der sich einfach nicht mit seinem Ruhestand abfinden kann. Nicht einmal im liebestrunkenen Rom (Kinostart: 30. August).

Als Schauspieler war Woody Allen zuletzt 2006 in seiner Krimikomödie „Scoop“ zu sehen. Seither trat der Meister des Autorenfilms nicht mehr vor eine Kamera. Dafür legte er eine beeindruckende Serie an Erfolgen als Regisseur hin. Vor allem mit Filmen, die in Europa spielten. Nach London, Barcelona und Paris hat sich der New Yorker nun die ewige Stadt Rom als Schauplatz ausgesucht und dazu eine ganze Schar an internationalen Stars an den Tiber gelotst. Neben Allen spielen Alec Baldwin, Roberto Benigni und Penélope Cruz tragende Rollen in diesem lockeren Reigen, der viel mit Rom im allgemeinen und der Liebe in allen möglichen Schattierungen im besonderen zu tun hat.

Ganz souverän verzichtet Woody Allen dabei in seinem Drehbuch auf eine zusammenhängende Geschichte. „To Rome with Love“ versammelt einfach mehrere Episoden über Menschen, die aus irgendwelchen Gründen in Rom leben und lieben. Anfänglich sucht man noch nach dem roten erzählerischen Faden, der alles zusammenhält, einer Verbindung zwischen den Geschichten und Figuren. Es gibt sie nicht. Basta! Und dennoch funktioniert der Film ganz hervorragend.

Eine Episode handelt von dem US-Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg), der mit seiner Freundin Sally in der italienischen Hauptstadt lebt. Sein Gleichgewicht gerät ins Wanken, als eines Tages Sallys Freundin Monica (Greta Gerwig) hereinschneit, eine kapriziöse Schauspielerin mit turbulentem Liebesleben. Eigentlich ist Monica überhaupt nicht sein Typ, aber trotz der Warnungen von Star-Architekt John (Alec Baldwin) gerät Jack in den Bann der Diva …

Der ehemalige Opernregisseur Jerry (Woody Allen) wiederum fliegt mit seiner Frau Phyllis (Judy Davis) nach Rom, um dort den Verlobten seiner Tochter kennenzulernen. Mehr als sein künftiger Schwiegersohn hat es ihm dessen Vater angetan, der unter der Dusche Arien schmettert wie ein Meistertenor. Und da für Jerry der Ruhestand gleichbedeutend mit dem Tod ist, lässt er nichts unversucht, den Tenor auf die Opernbühne zu bringen und so seine eigene Karriere noch einmal wiederzubeleben …

Die dritte Episode hat nur am Rande etwas mit Liebe zu tun, sie ist vielmehr eine rasante und hochkomische Mediensatire: Der unbescholtene Leopoldo Pisanello (Roberto Benigni) wird über Nacht und ohne eigenes Zutun zum Medienstar. Zunächst genießt der biedere Leopoldo den plötzlichen Ruhm, aber irgendwann werden ihm die Paparazzi vor seiner Haustür doch zu bunt …

Pikant dagegen ist der Fall des frischverheirateten Antonio (Alessandro Tiberi), der mit seiner jungen Frau Milly (Alessandra Mastronardi) nach Rom kommt, um seine Gattin der einflussreichen Verwandtschaft vorzustellen. Doch dazu kommt es dank einer folgenschweren Verwechslung gar nicht erst. Der Tag endet damit, dass Provinzler Alessandro die stadtbekannte Hure Anna (Penélope Cruz) als seine Frau ausgibt und Milly sich mit einem ebenso alten wie lüsternen Filmstar einlässt …

Natürlich will Woody Allen den Film als Liebeserklärung an Rom verstanden wissen. Die Stadt ist als ständige Kulisse praktisch die einzige Konstante in „To Rome with Love“ und Allen huldigt kräftig dem Improvisationstalent ihrer Bürger ebenso wie den lockeren levantinischen Sitten und den antiken Kulturschätzen. Dass er dabei auf eine durchgehende Story verzichten kann, spricht für die Souveränität des Autors und Regisseurs. Denn dieser Komödie fehlt nichts, sie unterhält bestens und hat höchstens den Fehler, dass sie nicht noch ein paar Episoden länger geraten ist.

Allen serviert pralle und lustvolle Unterhaltung. Die Dialoge sprühen vor Witz, die amourösen Verwicklungen und unglaublichen Abenteuer sind mit Tempo und Esprit in Szene gesetzt und die Stars spielen einfach göttlich. In erster Linie ist da natürlich Woody Allen selbst zu nennen, der sich die Paraderolle des skeptischen Intellektuellen auf den Leib geschrieben hat. Schon seine erste Szene, der von Turbulenzen durchgeschüttelte Landeanflug auf Rom, ist ein typischer Allen und ein Hochgenuss. Fabelhaft und lange nicht mehr so spielfreudig gesehen, ohne dabei aufdringlich zu sein: Roberto Benigni als Biedermann, der kurzfristig zum Liebling einer verrückten Mediengesellschaft katapultiert wird. Und welchen neuen Reiz Allen abgenudelten Opern abgewinnt, ist höchst erfrischend.

Wer mag, kann unter der Oberfläche eines launigen Episodenfilms doch noch einen roten Faden und eine Spur Tiefsinn entdecken: Was die tragikomischen Helden vereint, ist vielleicht das manchmal vergebliche und sinnlose Streben nach Anerkennung. Das hat Woody Allen nicht mehr nötig. Bravissimo!

Kinostart: 30. August; Regie: Woody Allen; FSK: ab 0; Länge: 112 Minuten; Verleih: Tobis; Link: http://www.toromewithlove.de/


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1 Kommentar

  1. Corina Mrozinski

    29. August 2012 in 17:58

    Hört sich sehr gut an.

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