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PARANORMAN

PARANORMAN

Die Macher des Meisterwerks „Coraline“ melden sich am 23. August in den deutschen Kinos mit „ParaNorman“ zurück und legen dabei erneut einen außergewöhnlichen Familienfilm mit witzigen Figuren und einer gruselig-charmanten Geschichte vor. Einzigartig ist der Film auch in technischer Hinsicht, denn während er einerseits durch hochklassige Stop-Motion-Animationen besticht, ist „ParaNorman“ andererseits erst der zweite Film dieser Art, der in modernster 3D-Technik entstanden ist.

 

Der elfjährige Norman Babcock ist ein von seinem Umfeld missverstandener Außenseiter, denn er hat eine Gabe, die ihn von allen anderen Kindern unterscheidet: Er kann die Toten sehen und mit ihnen sprechen. Aber wenn er gemeinsam mit seiner kürzlich verstorbenen Großmutter seine geliebten Gruselfilme sieht, dann versuchen seine Eltern ihm ständig klar zu machen, dass er sich das alles nur einbildet. Und Normans Schwester Courtney ist es ohnehin einfach nur peinlich, einen solchen Sonderling als Bruder zu haben.

Auch in der Schule wird er ständig als „AbNorman“ gehänselt und im ganzen Städtchen Blithe Hollow gibt es nur zwei Menschen, die ihn verstehen: sein Mitschüler Neil, der selbst ein klassischer Opfer-Typ ist, und Normans Onkel Mr. Prenderghast, von dem der Junge wohl seine Fähigkeit geerbt hat. Und deshalb lebt der Onkel nun einsam, allein und völlig unverstanden in einer Hütte am Friedhof – und Norman darf ihn nicht besuchen.

Eine alte Legende besagt, dass auf diesem Ort in New England der 300 Jahre alte Fluch einer Hexe liegt. Als Norman erfährt, dass sein Onkel die Stadt vor diesem Fluch beschützt, muss er sich auch schon damit abfinden, diese Verantwortung zu übernehmen – denn Mr. Prenderghast stirbt und noch in dieser Nacht soll seine Heimatstadt zerstört werden.

Nun bekommt es der junge Geisterflüsterer allerdings nicht nur mit Zombies, sondern auch mit Gespenstern, Hexen und nicht zuletzt mit nerv tötenden Erwachsenen zu tun, die ihm mal wieder nicht glauben. Um die Hexe zu besänftigen ist Norman also allein auf die Hilfe seines Schulpeinigers Alvin, seiner nervigen Schwester und Neils bärenstarkem, aber nicht so schlauen Bruder Mitch angewiesen.

Den Film von Sam Fell („Flutsch und weg“) und Chris Butler („Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“) muss man einfach gesehen haben, denn neben klassischen Gruselmomenten lauern hier viel Witz und eine gehörige Menge Gesellschaftskritik in einer trefflich erzählten Geschichte.

Zum Making Of von „ParaNorman“
Die im Film eingesetzte Stop-Motion-Technik ist ein Verfahren, welches bis zu den Anfängen des Kinos zurückgeht. Bild für Bild (man beachte: eine Filmsekunde hat 24 Frames!) verschieben und justieren die Animatoren geschickt und fast unmerklich bewegliche Objekte – Figuren, Requisiten, Sets – auf einer Arbeitsbühne. Jedes einzelne Bild wird gefilmt. Wenn diese tausende von Aufnahmen dann in der richtigen Reihenfolge montiert werden, nehmen wir jede kleinste Veränderung als fließende, kontinuierliche Bewegung wahr. Das ist die Magie des Kinos – handgemacht.

Nach dem Stop-Motion-Märchen „Coraline“ (2009) ist „ParaNorman“ erst der zweite Film der LAIKA-Studios (und erst der dritte Film überhaupt), der in Stereo-3D entwickelt und umgesetzt wurde. Mit einer Digitalkamera komplett in 3D gedreht, wurde jede fertige Aufnahme auf einem Computer gespeichert, so dass die Animatoren sie sich am Monitor ansehen und mit früheren Szenen abgleichen konnten. Erst dann wurde alles für das nächste Bild arrangiert. In der Nachbearbeitung kamen dann letztlich auch digitale Effekte zum Einsatz, die die handwerkliche Arbeit stilgerecht perfektionierten.

Regisseur Sam Fell, der sich die Stop-Motion-Kunst selbst beigebracht hat, spricht aus jahrelanger Erfahrung. „Bei ‚ParaNorman‘ wollten wir die Animation mit neuer Frische angehen. Alles sollte weniger bühnenhaft und mehr nach Kino aussehen. In diesem Film passiert so viel, was sich eigentlich nicht für Stop-Motion eignet: Massenszenen mit vielen Statisten, Verfolgungsjagden, Durcheinandergerede, Nah- und Gegenaufnahmen – und zwei Drittel der Handlung spielt sich draußen ab.“

Bevor die tatsächlichen Dreharbeiten beginnen konnten, stand jede Menge konzeptionelle Arbeit an: So erstellte Character Designer Heidi Smith zu Beginn zweidimensionale Bleistift-Skizzen in Schwarz-Weiß – und lieferte damit eine erste Schablone, die allen geeignet erschien. Von da an entwickelte sie die Figuren und die konzeptionellen Entwürfe während der gesamten zwei Produktionsjahre immer weiter.

„Zuerst entwerfen die Konzeptzeichner den Look der Puppe“, erklärt Georgina Hayns, die die Gestaltung der Puppen überwachte. „Ist der Entwurf abgenommen, formt ein Bildhauer nach dieser zweidimensionalen Illustration einen dreidimensionalen Gegenstand. Der Regisseur bespricht dann mit einer Kerngruppe, was diese Puppe alles können muss: gehen, sprechen, Gefühle zeigen. Wir gehen sämtliche Aspekte durch. Für die Hauptfiguren gibt es separate Meetings, bei den Nebenfiguren schaffen wir mehrere auf einmal.“ In der Hochphase der Produktion arbeiteten in der Puppen-Abteilung 60 Leute. Für eine einzige Puppe brauchten diverse Mitarbeiter drei bis vier Monate. „Unsere Puppen bestehen aus Silikon, Latexschaum und Harz, das Innenleben ist Metall. Anders als Marionetten, die in Echtzeit gefilmt werden, müssen Stop-Motion-Puppen lange halten und durchhalten“, so Hayns.

Die gesamte Produktion spielte sich letztlich auf 14.000 Quadratmetern in den LAIKA-Studios in Hillsboro, Oregon, ab. Im August 2010 arbeiteten über 320 fähige Designer, Künstler, Animatoren und Techniker in 52 Teams parallel rund um die Uhr an „ParaNorman“. 52 verschiedene Studiobühnen für einen Stop-Motion-Film – das ist Rekord. So viele waren es bis dato nur bei „Coraline“. Da für jedes Bild im Film jedes Detail von Menschenhand geschaffen und positioniert wird, nahmen ein bis zwei Filmminuten eine ganze Woche in Anspruch. Produzentin Sutner betont: „Hier wird noch mit Kleber, Farbe und Licht gearbeitet, wie seit jeher im Kunsthandwerk. Dennoch sind Stop-Motion-Filme viel günstiger als ein mittlerer CG-Film. Die Leute denken immer, Stop-Motion sei kostspieliger. Dem ist nicht so. Stop-Motion kostet nur mehr Zeit.“
 
Wie bei einem Realfilm wurde auch für „ParaNorman“ ein Location-Scouting durchgeführt. Für die zu errichtenden Sets von Blithe Hollow ließen sich die Filmemacher von Ausflügen nach New England und Massachusetts inspirieren, bei denen sie über 4.000 Fotos von Hinterhöfen, Baustellen und urigen Wäldern schossen. Manche Sets entstanden unmittelbar nach dem Vorbild realer Gebäude: Für Normans Schule stand beispielsweise die ehemalige Schule des Produktionsdesigner Nelson Lowry im Süden von Massachusetts Pate. Es dauerte vier Monate, die „Blithe Middle School“ mit ihrer 2,40 Meter hohen, von Sandsäcken gestützten Fassade zu bauen, die auf Norman so bedrohlich wirkt.

Bei der detaillierten Ausgestaltung der Schauplätze und Figuren kamen immer wieder ungewöhnliche Materialien zum Einsatz: Das fluoreszierende Licht, das durch die Klassenfenster der Schule fällt, war in Wirklichkeit Schaum. Der Wald wiederum bestand aus Küchenkrepp-Fetzen, vorgekauten Vollkornbrötchen, etwas Farbe und Leim. Erst spät in der Recherche- und Entwicklungsphase entdeckte die Crew zudem, dass heißer Leim sich nicht nur für Bühnenbauten, sondern auch ganz hervorragend als Zombie-Spucke und -Sabber eignete.

Auch in Hinblick auf die liebevollen Kostüme und tausende feine Make-Up-Details aller Figuren wurde von der Produktions-Crew ein immenser Aufwand betrieben. Um die fertigen Charaktere in den Sets dann zum Leben zu erwecken, war neben der Animation, für die jeder Animator übrigens wie ein echter Schauspieler passgenau gecastet wurde, natürlich die Stimme ein zentrales Element. Entgegen der allgemeinen Annahme werden die Stimmen der Figuren zuerst aufgenommen und die Animatoren lassen sie dann in ihre Arbeit einfließen – im Fall von „ParaNorman“ sprachen die Schauspieler ihre Rollen größtenteils schon 2010 ein, also mitten im ersten Produktionsjahr.

Während die Figuren selbst noch in der Entstehungsphase waren, hatte man sich bereits nach geeigneten Darstellern umgehört. „Bei diesem Casting ging es ja nicht darum, wie die Schauspieler aussehen, sondern wie sie klingen“, erläutert Produzentin Arianne Sutner. „Anders als sonst üblich haben wir uns nicht einmal Fotos angesehen.“

Für die beeindruckenden Gesichtsanimationen der Figuren nahm LAIKA ein computergestützes Verfahren namens „Rapid Prototyping“ zu Hilfe, das es ermöglicht, Gesichtsteile von einem 3D-Drucker anfertigen zu lassen. In den 3,5 Jahren seit „Coraline“ ist dieses Silikon-Druckverfahren stetig weiterentwickelt worden. Coraline Jones hatte über 200.000 Gesichtsausdrücke zu bieten, bei Norman Babcock sind es 1,5 Millionen.
 
Am Ende der aufwändigen Produktion steht nun ein außergewöhnlicher Film, auf den die Macher zu Recht stolz sein können: „‘ParaNorman‘ erzählt im Großen und Ganzen die Geschichte, die ich mir vor über zehn Jahren ausgedacht habe“, sagt Regisseur Chris Butler. „Aber die Optik und die Größenordnung übertreffen meine kühnsten Erwartungen. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so gigantisch und wunderbar wird.“

Kinostart: 23. August; Regie: Chris Butler, Sam Fell; FSK: ab 12; Länge: 93 Minuten; Verleih: Universal; Link: paranorman.de

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