Film

FAMILIENTREFFEN MIT HINDERNISSEN

FAMILIENTREFFEN MIT HINDERNISSEN

Am 9. August startet eine erfrischend witzige und zugleich bewegende autobiografische Komödie über eine französische Großfamilie in den späten 70er-Jahren in den deutschen Kinos. Mit viel Sinn für die feinen Zwischentöne inszenierte Regisseurin Julie Delpy („2 Tage Paris„) ein wunderbar stimmiges Drei-Generationen-Porträt aus dem Blickwinkel eines zehnjährigen Mädchens.

 

Auf einer Zugfahrt mit ihrem Mann und den beiden Kindern erinnert sich Albertine (Karin Viard) an eine Zugfahrt im Sommer 1979, als sie mit ihren Eltern, Anna (Julie Delpy) und Jean (Eric Elmsonino) von Paris nach Saint-Malo in die Bretagne an die malerische Atlantikküste reiste…

Dort feiert ihre Großmutter (Bernadette Lafont) in jenem heißen Sommer ihren 67. Geburtstag und die ganze weitverzweigte Familie – Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen – ist eingeladen, das Wochenende in ihrem Haus auf dem Land zu verbringen. Es ist der Sommer, in dem die 850 Tonnen schwere, außer Kontrolle geratene US-Weltraumstation Skylab auf die Erde stürzen soll – als mögliches Absturzgebiet gilt auch der äußerste Westen Frankreichs, also die Bretagne!

Während die Verwandtschaft eintrudelt und sich unter einem Dach versammelt, dreht bereits ein ganzes Lamm über glühenden Kohlen am Spieß, und die große Tafel im Garten biegt sich schon bald unter leckeren Speisen und Getränken. Mamie, das Geburtstagskind, thront am Tischende und wundert sich mitunter, wie offen die jungen Leute heutzutage über Politik und Sex diskutieren.

Es wird nach Herzenslust gegessen und getrunken, gelacht und gesungen, geklatscht und gestritten – und nach dem Essen spielen die Männer Fußball, während die Frauen über ihre Kerle lästern und die Kinder die Umgebung erkunden. Am Nachmittag bewegt sich der chaotische Trupp gesammelt ans Meer: Krebse fangen, schwimmen gehen, Sandburgen bauen, in der Sonne brutzeln, heimlich Zigaretten rauchen und hinter dem nächsten Felsen die Nacktbader begaffen – ganz entspannt und ohne besondere Vorkommnisse vergeht der warme Sommernachmittag…

…hätte Albertine (Lou Alvarez) sich am FKK-Strand nicht Hals über Kopf in einen älteren, ausgesprochen hübschen blonden Jungen verliebt. Am Abend, erfährt sie von ihm, steigt eine Party in der Dorfdisco.

Beim Abendessen diskutieren die Erwachsenen über die Todesstrafe, die ehemaligen Kolonien, den Algerien-und Vietnamkrieg und die guten Aussichten der Linksparteien, wieder an die Macht zu kommen. Linke und Rechte Meinungen prallen aufeinander, der Streit eskaliert. In den Fernsehnachrichten bringen sie schließlich die Meldung, dass Skylab über Westaustralien abgestürzt ist.

Na, wenigstens kann man die Kinder jetzt unbesorgt im Dunkeln zur Dorfdisco gehen lassen! Albertine ist begeistert und trifft dort auf ihren Schwarm vom FKK-Strand. Als er auch noch mit ihr tanzt, ist sie überglücklich und bis über beide Ohren zum ersten Mal verliebt.

Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Als ihr Angebeteter wieder am Plattenteller steht, muss Albertine schockiert mit ansehen, wie er ein gleichaltriges Mädchen küsst. Auf dem Rückweg ist Albertine plötzlich ganz schweigsam…

Bei diesem Film werden die Erinnerungen an die eigene Kindheit und große Familienfeste wieder lebendig. Julie Delpy zeichnet die einzelnen Charaktere mit all ihren Macken und Besonderheiten so feinfühlig, dass der Zuschauer nicht lange nur Beobachter bleibt, sondern glaubt, selbst Teil der Gesellschaft zu sein. Ein großer Vorteil ist mit Sicherheit auch der charmante 70er-Jahre-Look, in dem der Film gehalten ist.

Zuweilen fragt man sich allerdings, auf welchen dramaturgischen Höhepunkt die Geschichte hinausläuft – und wird vielleicht enttäuscht, dass der Film mit keiner wirklich großen Katastrophe oder gar einem Eklat aufwartet. „Familientreffen mit Hindernissen“ ist eben eine detailverliebte Schilderung der Eigenarten ihrer Protagonisten, die dem Kinogänger von damaligen politischen Einstellungen, über autoritäre bzw. „neumodische“ antiautoritäre Erziehung bis hin zu den langsam aufweichenden klassischen Geschlechterrollen Ende der 70er erzählt und damit an den Aufbruch in eine neue Ära erinnert.

Kinostart: 9. August; Regie: Julie Delpy; FSK: ab 12; Länge: 113 Minuten; Verleih: NFP/Filmwelt, Link: familientreffen-derfilm.de


Kommentare anzeigen (2)

2 Comments

  1. Pingback: Gewinnspiel: "Familientreffen mit Hindernissen" auf DVD | Absolut Familie

  2. Pingback: Kinotipp und Gewinnspiel: Eyjafjallojökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016