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Extremadura: Natururlaub im Reich der Störche

Extremadura: Natururlaub im Reich der Störche

Der Südwesten Spaniens ist touristisch noch weitgehend unberührt. Dabei kann die Gegend mit einer einmalig schönen Landschaft und ursprünglichen Städten punkten – und außerdem mit Störchen, Geiern und Adlern, die sich in der Extremadura sauwohl fühlen.


Diese verrückten Vögel! Sogar direkt an der Autobahn zwischen Madrid und Lissabon stolzieren sie auf Futtersuche durch das Gras der Dehesa. Als hätten sie sich zu einem Begrüßungskomitee zusammengefunden, bevölkern die Weißstörche zu Hunderten das Weideland am Straßenrand, just als wir die Provinzgrenze zwischen La Mancha und der Extremadura passieren.

Die Extremadura liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen den beiden iberischen Hauptstädten. Sie ist dünn besiedelt und fruchtbar, bis Afrika ist es nicht weit. In den endlosen Dehesas, von Steineichen bestandenes Grasland, der afrikanischen Savanne nicht unnähnlich, finden die Zugvögel aus dem Süden reichlich Futter. Die wellige Landschaft wird von Wasserläufen und Weihern durchzogen, gen Norden schützt die Kette der Sierra de Gredos mit ihren schneebedeckten Gipfeln vor Wind und Wetter. Hier versammeln sich im Sommer Tausende von Zugvögeln, nicht nur Weißstörche, auch Schwarzstörche, Geier, Adler und viele andere gefiederte Kollegen schlagen in der Extremadura ihr Quartier auf.

Kuhglocken und das Kloster des Kaisers

Unser Quartier für die erste Nacht ist ein Landhotel in La Vera, ein zauberhaftes Tal am Fuße der Sierra. Das Landhotel muss man hier ganz wörtlich nehmen: Das El Turcal ist in einer steinalten Paprikamühle untergebracht. Die Grundmauern sind roher Fels, restauriert wurde mit Holz, Stahl und Beton, dazu ein Pool in den Garten gesetzt, ein kleiner Garten angelegt. Um das El Turcal ist nichts als Wald, Wiese und Buschland. Und aus dem erhebt sich in der Abenddämmerung ein vielstimmiges Vogelkonzert, toanangebend: ein leuchtendgelber Pirol. Bei Sonnenaufgang ist es ein Uhu, der vom Waldrand grüßt. Unter meinem Fenster weidet ein schwarzer Araberhengst, aus dem Tal bimmeln Kuhglocken herauf. Nur Menschen hört und sieht man hier nicht.

Wer sich als Tourist in diese Idylle verirrt, tut es meist, um das nahegelegene Kloster Yuste zu besuchen. Kaiser Karl V. verbrachte Mitte des 16. Jh. seine letzten Monate hinter den Mauern des gotischen Gemäuers, heute ein Museum an der Straße ins blühende Nachbartal. Bis auf 1500 Meter schrauben sich die Serpentinen, dann geht es hinunter in das Valle de Jerte, das Tal der Kirschen. Zur Blütezeit, die hier schon im März beginnt, ist die Gegend zu beiden Seiten des Rio Jerte in ein weißes Blütenmeer getaucht. Eine Million Bäume stehen bis auf 1300 Meter Höhe hinauf, teilweise auf von alten Steinmauern gestützten Terrassen.

Das Tal der Kirschen

Das süße Obst ist der Schatz des 20 Kilometer langen Tals. 70 Prozent der Wirtschaftskraft verdanken die Bewohner den Kirschen. Angebaut werden 140 Sorten, exportiert wird nach ganz Europa, bis nach Russland und Nordafrika. Königin der Kirschen ist die Picota – sie wird nicht gepflückt, sondern fällt vom Baum, wenn sie reif ist.

Die Kirsche hat eine lange Tradition im Tal, wie Felipe, Geschäftsführer einer Kirsch-Hazienda, erklärt. Seit 1300 Jahren wird sie im Jertetal angebaut, seit der Maurenzeit. Seit 20 Jahren fließen EU-Gelder, um die alten Terrassen wieder instand zu setzen. Eine Erfolgsgeschichte: Die Leute bleiben, weil die Kirsche Arbeit gibt, statt in die Stadt zu flüchten. Auch wer nicht Teil der Landwirtschaftsgenossenschaft ist, die die rote Frucht vermarktet, profitiert vom Kirsch-Boom. Kreative Köche verwandeln die Kirsche in köstliche Gerichte, wie Teresa Nunez vom Restaurant Garza Real in Valdastillas. Sie kredenzt Kirsch-Gazpacho, sautierte Kirschen mit Käse und Nüssen, Wolfsbarsch auf Kirsch-Risotto und zum Desert Kirscheis – natürlich mit Kirschwasser.

Die Stadt der Störche

Wenige Kilometer den Fluss hinunter Richtung Plasencia wird die Kirschpracht wieder von der Dehesa abgelöst. Und die Dehesa ist das Revier der Störche. Plasencia dürften die Vögel als Glücksfall empfinden: Die vielen Dächer und Türme der mittelalterlichen Stadt sind hervorragende Nistplätze. Kaum ein Gebäude, das nicht von mindestens einem Storchenpaar besiedelt wird. Über dem Portal der gotischen Alten Kathedrale hocken sie, auf den filigranen Türmchen der Neuen Kathedrale bauen sie ihre Nester, durch die Gassen hallt ein Klappern, über allen Dächern herrscht reger Flugverkehr. Plasencia liegt strategisch günstig – am Fluss und am Schnittpunkt mehrerer Täler. Vom Balkon des Palastes der Markgrafen von Mirabel aus, sozusagen aus der Vogelperspektive, wird klar, warum die langbeinigen Vögel die Stadt lieben: Rund um die Stadt wartet nur wenige Flugminuten entfernt fette Beute, und auf die Zinnen der Paläste und Türme der Kirchen wagt sich kein Feind.

Die Bewohner lassen die Vögel gewähren, und sie leben auch selbst ganz komfortabel. Die Altstadt ist für den Durchgangsverkehr gesperrt, die Plaza Mayor ist ein prächtiger Ort, um in der Sonne zu dösen oder in aller Ruhe einen Kaffee zu genießen. In den Kolonnaden der Plaza und den Seitenstraßen herrscht vormittags und am frühen Abend reger Einkaufsbetrieb, für die späteren Abendstunden bietet sich der alte Weinkeller des ehemaligen Klosters St. Domingo an, heute ein schickes Hotel der Parador-Kette. Noch gibt es in Plasencia aber mehr Störche als Touristen.

Geier im Anflug

Noch mehr Vögel als in Plasencia gibt es in der Extremadura nur noch im Nationalpark Monfragüe. Er liegt rund zehn Kilometer südlich der Stadt und ist einer der Hotspots für Ornithologen in Europa. Der Park ist mit einer Ausdehnung von knapp 20 mal 2 Kilometer vergleichsweise klein, aber ein großartiges Vogelrevier. Er breitet sich zu beiden Seiten des Flusses Tajo aus, in den hier der Rio Tietar aus dem Vera-Tal mündet. Sanfte Hügel mit Macchiabewuchs, Kork- und Steineichenwäldern wechseln sich ab mit schroffen Felsen, Schluchten, Stauseen. Ein Dorf, eine Straße, ein Staudamm und die Ruinen eines Castillos gibt es noch Park – sonst gehört das Areal den Vögeln. Spektakulär ist die Aussicht am Salto del Gitano: In einer Flussschleife türmen sich die Felsen zu zwei Zacken, ein Wasserfall donnert talwärts. Schon von Weitem sehen wir die majestätischen Vögel über der Schlucht schweben: Knapp 200 Gänsegeierpaare nisten in den Felsnischen. Die Greifvögel mit dem zweifarbigen Gefieder und dem weißen Kopf erreichen eine Spannweite von 2,50 Meter. Die Raubvögel ernähren sich in erster Linie von As, aber sie kommen ziemlich dicht an die Besucher heran, einige lassen sich auf einem Felsen am Parkplatz nieder. Diese durchdringenden Augen, der scharfe, gebogene Schnabel – Geier sind nichts für Angsthasen.

An einem anderen Aussichtspunkt begegnen wir endlich auch dem scheuen Schwarzstorch. Im Park leben etwa 170 Paare dieses in Europa seltenen Vogels, am besten zu sehen von der Portilla del Tietar. Die Schwarzstörche müssen sich ihren bevorzugten Nistplatz teilen: mit Steinadlern, Kaiseradlern, Schmutzgeiern und Uhus. Das scheint sie aber nicht zu stören, denn viele der Schwarzstörche gehören zu den Dauerresidenten des Parks. Sie verschwinden nicht am Ende des Sommers gen Süden. Sie lassen sich auch nicht in der Nähe menschlicher Behausungen nieder, wo sich ihre weißen Artgenossen so wohl fühlen. Und an der Autobahn auf Futtersuche zu gehen, würde ihnen niemals in den Sinn kommen.

Extremadura-Infos: www.stadtlandextremadura.de

Fotos: Spanisches Fremdenverkehrsamt/Tourspain

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