TOM UND HACKE
Ein Kinderkrimi frei nach Mark Twain: Zwei bayerische Lausbuben drehen den Erwachsenen eine Nase, gehen zusammen durch dick und dünn – bis ein Verbrechen ihre Freundschaft auf die Probe stellt (Kinostart: 2. August).
Dort lebt die Kriegswaise Thomas Sojer (Benedikt Weber) bei seiner Tante Polli (Franziska Weisz), die ihre kleine Familie ohne Mann als Näherin über Wasser hält. Toms bester Kumpel ist der etwas verwilderte Hacke (Xaver Maria Brenner), der in einem alten Bahnwaggon haust. Zwei Ereignisse bringen den Alltag der beiden Jungs zwischen Schule und Streichen gehörig durcheinander: Tom beschädigt Tante Pollis Nähmaschine und gefährdet damit die Existenz der Familie.
Schlimmer noch: Tom und Hacke werden des nachts auf dem Friedhof Zeuge eines Mordes. Der Schwarzmarkthändler Joe (Fritz Karl) bringt einen Konkurrenten um und schiebt die Tat dem Altpapierhändler Muffler (Götz Burger) unter. Tom und Hacke schwören sich gegenseitig, den Mund zu halten, denn beide haben große Angst vor Joe. Der hat allerdings einen Schatz versteckt – einige Stangen US-Zigaretten –, mit dem Tom seiner Tante eine neue Nähmaschine kaufen könnte …
Das Konzept, die Handlung ins Nachkriegsdeutschland zu verlegen, geht auf: Die Atmosphäre aus Hoffnung und Not, in der die beiden Lausebengel ihre Streiche treiben, kommt überzeugend rüber. Der Film schafft eine durchaus glaubwürdige, neue Umgebung für die Abenteuer der Twain-Figuren. Ein gutes Händchen bewies der Regisseur auch mit der Auswahl seines Hauptdarstellers: Tom-Darsteller Benedikt Weber stand noch nie vor der Kamera und macht seine Sache erstaunlich gut. Mit der nötigen Portion Frechheit und Hintersinn und einem abgeklärten Spiel macht der Bursche seinen Profikollegen wie Fritz Karl starke Konkurrenz.
Ein Missgriff ist dagegen die Entscheidung, den Film auf Bayerisch zu drehen. Selbst erwachsene Nicht-Bayern werden Mühe haben, den Dialogen zu folgen. So schafft die Sprache eine Hürde für das junge Publikum: Der Film richtet sich eindeutig in Erzählweise und Thematik an Zuschauer zwischen 6 und 10 Jahren. Aber der ziemlich konsequent durchgehaltene Dialekt dürfte viele junge Zuschauer frustrieren, es macht schlicht große Mühe, den Worten zu folgen. Der Dialekt ist im übrigen auch gar nicht nötig, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Das besorgt schon die Auswahl der Drehorte und die Ausstattung.
Also: Tom Sawyer und Huckleberry Finn funktionieren auch in Bayern, aber nicht unbedingt auf Bayerisch.
Kinostart: 2. August; Regie: Norbert Lechner; FSK: ab 6; Länge: 90 Minuten; Verleih: Zorro Film, Link: www.tomundhacke.de