Familienleben

Krach aus dem Kuscheltier – immer mehr Hörgeräte für Kinder

Krach aus dem Kuscheltier – immer mehr Hörgeräte für Kinder

Die Umwelt wird immer lauter und der hohe Lärmpegel beginnt bereits bei den Kleinsten: selbst Spielzeug – wie zum Beispiel Quietsche-Entchen – weisen eine Dezibelzahl von 130 auf. Zum Vergleich: Ein Rockkonzert erreicht einen Schallpegel von rund 110 Dezibel. Die Folge: Immer mehr Hörstörungen und Hörgeräteverordnungen bei Kindern.

Wie bitte?
Es gibt Quietsche-Entchen, die am Ohr lauter sind als ein Rockkonzert. Schon Kleinkinder sind heutzutage extremen Geräuschen ausgesetzt, die die Kinderohren schädigen können. Lautes Spielzeug kann zum Beispiel eine Ursache sein. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen hat sich die Anzahl der Babys, die ein Hörgerät verordnet bekommen, fast verdoppelt.

Haben 2007 noch durchschnittlich vier von 10.000 TK-versicherten Kindern im Alter bis zu einem Jahr erstmals ein Hörgerät verschrieben bekommen, waren es 2011 bereits fast sieben je 10.000. „Auch wenn ein Hörgerät noch so gut ist, es kann ein gesundes Ohr nie ersetzen. Kinderohren müssen deshalb unbedingt vor Lärm geschützt werden“, erklärt Dr. Sabine Voermans, Leiterin der TK-Landesvertretung in Niedersachsen. „Hören ist mindestens so wichtig wie das Sehen.
Den Lärmquellen aus Spielzeug wird allgemein zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt“.

Der Hörtest für Neugeborene, den Eltern seit 2009 durchführen lassen können, zeigt offenbar Wirkung. Bei Babys und Kleinkindern wird mittlerweile deutlich früher erkannt, ob sie schlecht hören können. Häufig allerdings fallen Hörprobleme erst beim Schulanfang auf. 2011 bekamen durchschnittlich fast acht von 10.000 TK-versicherten Sechs- und Siebenjährigen ein Hörgerät.

Die Lärmbelästigung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und macht auch vor Kinderzimmern keinen Halt. Laute Spielzeuguhren, -autos oder Handys, Action-Figuren, Spielekonsolen und elektrische Instrumente belasten täglich die Ohren unserer Kleinsten. Selbst Kinofilme für Kinder sind nur mit Ohrenstöpseln erträglich.

„Die Sprachentwicklung der Kinder ist durch ständige Geräuschpegel wie Radio oder Fernseher übrigens deutlich verlangsamt oder behindert“, so Professorin Anke Lesinski-Schiedat, Oberärztin in der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover. „Eltern sollten daher Sprachvorbild sein und mit den Kindern gemeinsam viel singen, sprechen und sich unterhalten“, so der Rat der Oberärztin.

Für schwerhörige Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren übernimmt die TK die Kosten für digital programmierbare Hörhilfen komplett ohne Zuzahlung.

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