Familienleben

Erziehung und Freunde fördern Suchtprävention

Erziehung und Freunde fördern Suchtprävention

Der Konsum von Zigaretten, Alkohol und illegalen Drogen beginnt meist bereits in der Jugendzeit. In diesem Lebensalter sowie in den Jahren davor muss Prävention ansetzen, um Sucht frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Dabei ist die Vorbildfunktion und das Interesse der Eltern wesentlich.


Die Eltern eines Jugendlichen spielen eine wichtige Rolle, zeigen US-Forscher in aktuellen Studien, genauso jedoch auch die Freunde und deren Eltern. „Eltern verlieren im Lauf der Adoleszenz an Einfluss, während jener durch Freunde zunimmt“, betont Patrick Durner, pädagogischer Leiter der „Stiftung SehnSucht“.

Vorbild der Eltern
Genauso wie die Sucht besitzt auch die Prävention drei Ebenen – das Suchtmittel, die Umwelt und die Person selbst. „Sind Drogen teuer, schlecht verfügbar oder nebenwirkungsreich, kann dies Jugendliche abhalten“, sagt Durner. Bei der Umwelt spielen gute Beziehungen zu Gleichaltrigen, Freizeitmöglichkeiten im Wohnumfeld oder die Lernumgebung in der Schule eine Rolle, doch auch schulisch und beruflich attraktive Perspektiven oder gesellschaftliche Ablehnung des Suchtmittels. „Besonders schützend ist zudem, wenn man eine unterstützende, verständnisvolle Familie hat und gute Hilfesysteme existieren“, so der Sozialpädagoge, dessen Stiftung suchtpräventiven Programme für Schulen bietet.

Doch wie sieht Erziehung aus, die Süchten vorbeugend entgegenwirkt? Durner mahnt, dass es vor allem um das Vorbild der Eltern geht. „Verharmlosen sie den eigenen übermäßigen Konsum und fordern gleichzeitig von den Kindern Abstinenz, kann dies ebenso suchtfördernd sein wie mangelnde Struktur sowie Desinteresse am Kind und dem, was es beschäftigt.“ Problematisch ist reine Leistungsorientierung bei wenig Bestätigung, während Konsequenz, das Setzen von Grenzen, jedoch auch Wertschätzung und das schrittweise Zugeständnis von mehr Rechten und Freiheiten schützend wirken.

Stress und Frust bewältigen
Viele Weichen der dritten Ebene – der Person selbst – werden schon früh gestellt. Entscheidend ist hier etwa die Erfahrung, dass man mit eigenen Fähigkeiten etwas bewirken kann, Selbstbewusstsein und Selbstwert. Auch Risikokompetenz, konkrete Zukunftsperspektiven und die Anerkennung durch Gleichaltrige und erwachsene Bezugspersonen gehören dazu. „Es geht jedoch genauso um konstruktiven Umgang mit negativen Gefühlen wie Stress und Frust. Deshalb kommt es sehr darauf an, ob etwa der Vater nach einem stressigen Arbeitstag Alternativen zu Bier und Fernseher hat – oder ob eine Familie Gefühle bespricht und Schwierigkeiten konstruktiv löst.“

Auch Freundeseltern haben Einfluss
Freunde und deren Eltern haben bei Jugendlichen allerdings genauso viel Einfluss auf das Suchtverhalten wie die eigene Familie, zeigen Präventionsforscher der Pennsylvania State University aktuell im „Journal of Studies on Alcohol and Drugs“: Selbst wenn die Eltern konsequent sind und auf Disziplin pochen, steigt das Suchtrisiko, wenn die Eltern der Freunde nicht wissen, wo diese sich gerade aufhalten, ergab eine Untersuchung bei 10.000 Teenagern. „Suchtprävention braucht deshalb ein ganzes Dorf“, schlussfolgert Studienleiter Michael J. Cleveland.

„Wenn der Vater eines Freundes bei Alkohol deutlich großzügiger ist und gleichzeitig besseren Bezug zu den Kids hat, wird ein Jugendlicher unter Umständen sein Konsummuster an diesem ausrichten“, betont Durner. Positiv wirken Eltern der Freunde somit nur dann, wenn sie selbst einen guten Bezug zu ihrem eigenen Kind und dessen Freunden pflegen. „Hat ein Jugendlicher vor einem Erwachsenen Respekt oder bewundert ihn, wird dieser zum Vorbild und kann sich auf das Konsummuster auswirken – positiv oder negativ.“

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