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Probleme im Job verschlimmern Rückenschmerzen

Probleme im Job verschlimmern Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind speziell bei jenen hartnäckig, die bei der Arbeit der Schuh drückt oder die unter Depression leiden. 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind im Leben zumindest einmal davon akut betroffen, wobei die Gefahr besteht, dass daraus chronische beschwerden entstehen.

 

„Rückenschmerz in seiner chronischen Form geht vorrangig auf seelische Belastungen und psychosoziale Umstände zurück“, verdeutlicht auch Christian Lampl, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

Teuerster Schmerz
Arbeitsfähige Rückenschmerzpatienten haben 41 Krankheitstage pro Jahr und 19 Prozent der Patienten mit moderaten oder starken chronischen Schmerzen verlieren ihre Arbeit, besagt die „Survey of Chronic Pain in Europe“. Der Rückenschmerz stellt somit nicht nur für Betroffene, sondern auch für die Volkswirtschaft eine erhebliche Belastung dar, die etwa für Deutschland mit 50 Mrd. Euro oder zwei Prozent des BIP beziffert wird. Erst seit wenigen Jahrzehnten wurde das Problem zur Epidemie: 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind im Leben zumindest einmal davon akut betroffen, wobei die Gefahr besonders in der Chronifizierung der Beschwerden liegt.

Interventionen im Job rechnen sich
Um herauszufinden, was Rückenschmerz chronisch macht oder davor schützt, untersuchten die Forscher um Markus Melloh vom Western Australian Institute for Medical Research Patienten, die wegen Rückenschmerzen beim Hausarzt erschienen. Nach sechs Monaten Behandlung zeigte sich: Gefährdet sind jene, die im Job innerlich resignieren, da sie sich am Arbeitsplatz nicht wohlfühlen. Gibt es Interventionen im Betrieb, schützt das vor Dauerschmerz. Derartige Maßnahmen rechnen sich laut Studie, ersparen sie doch Krankenstandstage, Krankenhausaufenthalte sowie Arzt- und Medikamentenkosten.

Dass bei der Therapie auch psychosoziale Probleme erkannt werden müssen, zeigte Mellohs Team anhand der Genesungsverläufe von Rückenschmerz-Patienten. 18 Prozent von 300 Untersuchten wurden als depressiv eingestuft, zudem litt diese Gruppe im Vergleich zum Rest an höherem Schmerzpegel und Funktionseinschränkungen sowie an mehr Berufsstress. Nur bei Nicht-Depressiven verlief die Genesung kontinuierlich und zeigte Besserungen zumindest nach der sechsten Therapiewoche. Bei Depressiven, Grüblern und jenen, die Probleme häufig wälzten, war dies oft nicht der Fall.

Wechselwirkung zwischen Körper und Seele
Ende der 1990er-Jahre konnte bei Boeing-Mitarbeitern nachgewiesen werden, dass Rückenprobleme nicht bei mit schweren Gegenständen Hantierenden auftreten, sondern vorrangig bei jenen in schlechten Jobpositionen oder ungünstigen Räumen, berichtet Lampl. Zunehmend setze sich das „biopsychosoziale Schmerzmodell“ durch: „Es besagt, dass sich biologische und psychosoziale Ebenen gegenseitig beeinflussen. Die Wahrnehmung und Verarbeitung des Schmerzes sowie seine Bewältigung stehen mit Faktoren wie Arbeitsleid, früherer Misshandlung oder Migration in Wechselwirkung“, erklärt der Schmerzspezialist.

Ebenso wie Studienleiter Melloh für die Rückenschmerz-Behandlung von Depressiven das gezielte Achten auf die seelische Verfassung empfiehlt, fordert auch Lampl eine ganzheitlichere Sichtweise. „Der Weg zu einer eigenständigen Schmerzmedizin muss geebnet werden. Da chronischer Rückenschmerz Hausärzte meist überfordert, braucht es interdisziplinäre Teams mit Neurologen, Anästhesisten, Psychologen und geschulten Pflegern.“ Langfristiges Ziel sei allerdings die Prävention, die sowohl bei Kindern – etwa durch ausreichend Bewegung – als auch in der Arbeitsgestaltung ansetzen müsse.

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2 Comments

  1. Franz Josef Neffe

    26. Juni 2012 in 20:47

    Die Tatsache, dass wir so enorm viel über Rückenprobleme WISSEN, spiegelt wider, dass wir andererseits auch enorm wenig KÖNNEN.
    Ich habe einmal auf einer Wochenendausstellung 7 von 10 Leuten, die über Ischias-Schmerzen klagten, eine einfache DORN-Selbsthilfeübung gezeigt, nach der die Schmerzen sofort verschwanden. Eine Dame um die 70 lachte: „So einfach geht das, und ich war schon bei zwei Orthopäden!“
    Die Dorn-Methode ist allerdings trotz regelmäßig reproduzierbarerer Erfolge nicht wissenschaftlich anerkannt, weil sie nicht aus stur immer gleichen und daher leicht mess- und vergleichbaren Handgriffen besteht sondern eine INTUITIVE FÜHLMETHODE ist. Dadurch ist sie einerseits sehr, sehr viel näher am Betroffenen und seiner Wirklichkeit, andererseits aber eben ebenso weit von der Wissenschaft weg.
    Eine andere Wirkung demosntriere ich regelmäßig mit COUÉs Autosuggestion. Da lass ich den Betroffenen, nach einer kleinen emotionalen Vorbereitung, zu seinem Gehirn sagen: „Bitte, mach meine Beine sofort gleich lang!“ und schon sind die 3 cm Beinlängendifferenz weg.
    Auch mit der COUÉ-Methode bin ich ganz nahe am Betroffenen und seiner Realität dran – und entsprechend weit von der Wissenschaft weg.
    Die hat noch nicht erkannt, dass sie es ist, die das Problem hat.
    Dorn- wie Coué-Methode funktionieren i.d.R. fast immer, und wo sich nicht das erwartete Ergebnis einstellt, wird mir i.d.R. dadurch sogar noch zusätzlich was eröffnet, was auch noch zur Lösung ansteht.
    Jetzt könnte ich noch, damit aller guten Dinge drei sind, davon berichten, dass fast alle unserer sog. ergonomischen, angeblich rücken- und bandscheibengerechten „Gesundheitsstühle“ keine Problemlöser sondern Problemverursacher sind. Davon wird man i.d.R. durch „Erklärungen“ abgelenkt. Wenn man selber prüft, spürt, misst, entdeckt man, dass in der Realität meist das gerade Gegenteil dessen passiert, was man einem „Gesundes“ erzählt hat. Ich nehme als Beispiel nur den sog. Sitzball, nach dem Ballprinzip funktionieren fast alle beweglichen Stühle. Es wird einem erzählt, man würde sich darauf sitzend ausbalancieren. Das ist blanker Unsinn. Auf einer dermaßen instabilen Unterlage kann sich kein Mensch ausbalancieren. Beim Sitzen dauert es für viele etwas länger, bis man es spürt, aber wenn man sich darauf stellt, fällt jeder herunter. Man kann mit dem Ballprinzip nicht nur nicht ausbalancieren, es werden sogar alle Bewegungen und Drücke ständig dahin gelenkt, wohin sie auf gar keinen Fall sollten: an den Rand (der Bandscheiben). Der sog. Sitzball, das sog. Sitzkissen, die schwankenden, kippenden usw. Stühle sind Vollautomaten für Fehlbelastung. Das wird als Papierwissen allen eingetrichtert. Wie schon gesagt: Man kann die tatsächliche Wirkung a) beobachten, b) spüren, c) messen und d) experimentell prüfen. Das soll für hier genug sein. Für die Lösung brauche ich folglich einen Stuhl, der mir nicht seine Bewegung aufzwingt sondern der in der Lage ist, meine Bewegung in einer guten Qualität mitzumachen.
    Rückenprobleme sind, wenn man weiß, wie´s geht, i.d.R. gut lösbar.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    • Renato

      21. August 2012 in 14:08

      Hallo,

      das sind ja sehr interessante Ansätze und Methoden. Schade, dass wir in Deutschland immer noch zu stark auf die sog. Schulmedizin setzen.

      Klar –auch diese hat ihre Berechtigung; blockiert aber immer wieder in Zusammenhang mit der Wissenschaft neue Erkenntnisse und kreative Ideen. Das ich wirklich doppelplus-ungut.

      So wird Deutschland wohl noch sehr lange ein Land mit viel Rückenschmerzen und Kopfweh bleiben.

      Liebe Grüße aus Berlin

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