DEIN WEG
Hollywoodstar Martin Sheen in einem bewegenden Film über die Trauer und das Leben danach: Einen biederen US-Arzt verschlägt es nach dem Tod des Sohnes auf eine Pilgerreise durch Nordspanien (Kinostart: 21. Juni).
Der kalifornische Augenarzt Tom Avery (Martin Sheen) steht gerade auf dem Golfplatz, als sein Handy klingelt. Ein französischer Polizist teilt ihm mit, sein Sohn Daniel sei in den Pyrenäen tödlich verunglückt, bei einem Sturm auf der ersten Etappe des Jakobswegs. Tom, der sich zeitlebens nicht gut mit seinem einzigen Sohn verstand, fliegt schweren Herzens nach Frankreich, um Daniels Leiche heimzuholen. Aber vor Ort überlegt es sich der eigenbrötlerische Arzt anders. Er lässt seinen Sohn kremieren und macht sich mit der Asche im Gepäck auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela – um so den Weg zu vollenden, den sein Sohn nun nicht mehr fortsetzen kann.
Vielleicht erhofft sich Tom Erlösung von den Qualen des alleingelassenen Vaters, vielleicht hofft er auch einfach nur, seinem Sohn näherzukommen. Auf jeden Fall marschiert Tom alleine los – über 800 Kilometer liegen vor ihm. Und obwohl er auf Begleitung keinerlei Wert legt, gesellen sich nach und nach drei Wanderer zu dem trauernden Pilger. Zunächst der wein- und redselige Holländer Joost (Yorick van Wageningen), dann die coole Kanadierin Sarah (sexy auch mit Rucksack: Deborah Kara Unger) und schließlich der exzentrische irische Autor Jack (James Nesbitt).
Toms Wandergenossen sind nicht zufällig auf Pilgertour: Jeder der drei hat seinen ganz speziellen Grund für die Wanderung durch Nordspanien. Und die sind alles andere als religiös.
Wer befürchtet, “Dein Weg” erzählt die Geschichte einer Handvoll Verlorener, die zu Gott finden – wird schnell erlöst. Um Religion geht es nur am Rande, sie ist gewissermaßen der Rahmen oder die Kulisse für ein Vater-Sohn-Drama und die wunderbare Wirkung menschlicher Nähe bei existenziellen Problemen. Abgesehen von der Schlussszene in der Kathedrale von Santiago bleiben religiöse Erweckungserlebnisse glücklicherweise aus, und so konzentriert sich der Film auf die allmähliche Entwicklung der Figuren und die Annäherung grundverschiedener Charaktere, die im Angesicht einer Katastrophe zueinander finden.
Der Film ist bewegend und er spart nicht mit Momenten tiefer Trauer. Aber er versinkt nie in Melancholie, findet auch immer wieder humorvolle Töne. Der großartige Martin Sheen zeigt den Wandel eines Mannes, der in seinen Grundfesten erschüttert wird und sein ganzes Leben infrage stellt – in jeder Szene überzeugend, mit wenigen Worten und sparsamen Gesten.
“Dein Weg” verzichtet auf spektakuläre Szenen und Wendepunkte, beschränkt sich auf eine harmonische Abfolge von Dialogen, Wanderpassagen und Landschaftsaufnahmen. Überhaupt ist die raue und touristisch noch wenig erschlossene Landschaft Nordspaniens zwischen den Pyrenäen und Santiago ein Pluspunkt des Films und so etwas wie der heimliche Hauptdarsteller. Ein kongenial zusammengestellter Soundtrack unterstützt die Wirkung der Bilder und Worte.
“Dein Weg” ist ein angenehmer, sehr reifer Film, der trotz seiner traurigen Grundstimmung Hoffnung gibt – feines Schauspielerkino der leisen Töne.
Kinostart: 21. Juni; Regie: Emilio Estevez, FSK: ab 0; Länge: 115 Minuten; Verleih: Koch Media Home Entertainment, Link: www.theway-themovie.com/