Hilfe, meine Kinder haben Sommerferien!
Mir steht eine schwere Zeit bevor: die Sommerferien. Na klar, die Kinder freuen sich auf sechs Wochen Faulsein. Morgens lange im Bett liegen, abends vor dem Fernseher oder PC abhängen, keine Hausaufgaben am Nachmittag machen und den ganzen Tag nicht über blöde Lehrer nachdenken müssen. Tolle Sache – für die Kinder. Aber nicht für mich.
Denn mir verhageln die Ferien den Sommer. Der ganze Tagesablauf wird auf den Kopf gestellt. Ich hasse das. Frühstück machen, die Kinder in die Schule scheuchen und dann viele Stunden Ruhe, und denen man ungestört arbeiten kann. Oder ohne lästige Fragen faulenzen – das geht in den kommenden sechs Wochen nicht mehr. Jederzeit könnte jemand die Treppe runterkommen und irgendwelche Anforderungen stellen: Gibt’s keine Brötchen zum Frühstück? Was kochst du heute? Warum ist mein T-Shirt in der Wäsche? Oder die schlimmste aller Fragen: Mir ist langweilig, können wir nicht mal was zusammen machen?
Dabei hatte ich meine Kinder rechtzeitig gewarnt. Der gemeinsame Urlaub fällt dieses Jahr aus. Kein Geld, keine Zeit. Oder sagen wir mal so: Wäre genügend Geld in der Kasse, wäre auch genügend Zeit für wenigstens ein, zwei Wochen Ferien am Strand. Und sei es auch nur an der deutschen Ostseeküste. Aber was machen die fast erwachsenen Kinder? Selbst die Initiative ergreifen und mit Freunden den Rucksack packen, um die Nase ein bisschen in den Wind zu halten? Möglicherweise noch mit selbst verdientem Geld aus einem Ferienjob?
Weit gefehlt. Die hängen lieber volle sechs Wochen zu Hause ab, als drei Wochen zu arbeiten und hinterher drei Wochen in Spanien zu relaxen. Die fröhlichen SMS und Facebook-Postings ihrer Freunde aus dem Urlaub im Indischen Ozean, am Mittelmeer oder in Kalifornien bringen dann das Fass zum Überlaufen. Sie langweilen sich so richtig. So kommt irgendwann in den Ferien unvermeidlich die Idee auf, einen Familienausflug zu machen. Meinetwegen, ich will ja bei Sonnenschein und 30 Grad im Schatten auch nicht ständig in der Bude hocken und schreiben.
Aber was so einfach klingt, wird voraussichtlich ähnlich kompliziert wie die Lösung der Euro-Krise. Jeder will woanders hin. Der eine an den Strand, der andere an den See, die dritte in irgendeine Stadt zum Shoppen. Und irgendein Familienmitglied ist immer dabei, das gerade nirgendwo hin will. Selbst wenn die Einigung gelingt, nach tagelangen Diskussionen, ist der eintägige Familienausflug noch lange nicht in trockenen Tüchern.
Um noch einen Platz am Strand zu ergattern, müsste man nämlich früh aufstehen. Macht ja keinen Sinn, erst um 12 Uhr ins Auto zu steigen, um bei brüllender Hitze zwei Stunden auf der Autobahn im Stau zu stehen und nach zwei Stunden am Meer wieder den Rückweg antreten zu müssen. Aber es sind ja Ferien, und da wollen die Herrschaften ausschlafen. Und haben sie endlich ausgeschlafen, ist die Strandtasche noch nicht gepackt. So wird das nie was!
Vielleicht sollten wir den Spieß in diesen Ferien mal umdrehen, und wenn es nur für ein paar Tage wäre: Die Eltern schlafen aus, die Kinder kümmern sich ums Frühstück, den Einkauf, das Essen, bringen den Müll runter, holen die Post hoch, machen die Wäsche und nehmen den Staubsauger in die Hand. Zeit genug dafür hätten sie ja nun wirklich.