Absolut-Reisen

R(h)ein ins Vergnügen

R(h)ein ins Vergnügen

Wenn Mutter und Tochter gemeinsam eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein unternehmen, dann prallen nicht nur die Altersunterschiede aufeinander. Wie unsere A-Rosa-Tour von Köln bis Straßburg und zurück doch noch zum Abenteuer wurde, lesen Sie hier:

„Eine Flusskreuzfahrt, wie das wohl wird?“, fragt sich meine Tochter auf unserer Anreise nach Köln. „Da machen wir doch bestimmt alle naslang halt und müssen uns irgend so ne olle Weinstadt angucken!“ Tja, Vater Rhein hat schon so manch schöne Weinperlen an seinem Ufer. Dieser pubertierende Teenager soll mal schön ruhig sein – schließlich war sie noch nie am Rhein.

Aber schon der kurze Anblick von Köln bei unserer Ankunft verändert die Einstellung meines Töchterchens: „Können wir uns die Stadt angucken?“, fragt sie neugierig. Nun ist mir schon wohler. Dachte ich es mir doch, dass sich das Kind für historische Orte begeistern lässt. Der Dom ist natürlich eine Pflicht, der wir gern nachkommen. Aber dann gehts ab in die Stadt, in der es zunehmend von Menschen wimmelt. Da sage mal einer, nur in Hamburg und Berlin könne man richtig Shoppen. Köln hat nur den Nachteil, dass die Einkaufsstraßen zu schmal sind!

Im Shuttle-Bus zum Schiff folgt wieder eine kleine Ernüchterung: „Gegen die anderen Mitreisenden bist du ja richtig jung!“ Ja, wir tragen schon zum Senken des Altersdurchschnitts bei, aber darauf hatte ich meine Tochter vorbereitet. Schließlich begeben wir uns auf einen „teutschen Strom“, bei dem mir gleich lallende Männergesangsvereine mit „Warum ist es am Rhein so schön…“ und weinlaunige Ausflugsdampferfahrten mit meinen Eltern in den 60ern einfallen. Man nennt mich fernab in Norddeutschland ja auch „rheinische Frohnatur“ – und das, wo ich doch von der Lippe wech komme.

Kaum sind wir an Bord, wird mir klar, dass eine Flusskreuzfahrt in keinster Weise mit einer „normalen“ Kreuzfahrt zu vergleichen ist. Hier muss man zusammenrücken. Und damit meine ich nicht die kleineren Kabinen auf drei Logierdecks, die nämlich doch alles bieten, was wir benötigen. Ich werde hier unweigerlich nach 24 Stunden jedes Gesicht der ca. 200 Passagiere kennen, begegne ihnen am Buffet oder im – zwar unterteilten – Speisesaal, an Deck oder abends vor der Showbühne.

Aber ich bin ja ein kontaktfreudiger Mensch – und deshalb machen wir unsere erste Bekanntschaft schon beim Sektempfang zum Auslaufen des Schiffes. Christine ist in meiner Altersklasse, kommt gebürtig aus dem Rheinland und wohnt jetzt… an der Ostsee! Zur Freude meiner Tochter fotografiert sie gut und gern. Bingo!

In Köln-Deutz legt der neue, 135 Meter lange Flusskreuzer der Nobelklasse, die A-Rosa Viva, ab. Über tausend Kilometer werden wir fortan gemeinsam auf dem Rhein schippern, stromaufwärts bis nach Basel und retour nach Köln. In acht Tagen über den Rhein, Kurs Süd. Alle Mann an Deck, die Schiffshymne ertönt und wir gleiten in den Strom. „Mer lasse den Dom in Kölle“, raunt mir ein an der Reling stehender älterer Herr grinsend zu, als dieser majestätisch an uns vorüber zieht. „Wissen se, dat man diese Schiffe auch ‚Bügelbretter‘ nennt? Die sin doch so flach, weil se unter de Brücken durchjehn müssen!“ Da hab ich wieder wat jelernt.

Eine Schiffsbesichtigung dient nicht nur der Orientierung, sondern auch der Eingewöhnung an Bord. Wir bewundern den Wellnessbereich Spa-Rosa, der zwar klein, aber doch fein ist. Die Fitnessgeräte im Trainingsraum werden wir uns gleich morgen früh zu Gemüte führen – noch vor der angebotenen Morgengymnastik mit dem sehr kompetent erscheinenden Trainer. Zum Sanarium gehört ein Ruheraum, von dem aus man nach draußen in den Whirlpool gelangt. In den beiden Behandlungsräumen werden Beauty- und Massageanwendungen mit Produkten von St. Barth und Thalgo angeboten – gut zu wissen, ich habe ja jetzt Zeit.

Die unterschiedlichen Zimmerkategorien bekommen wir leider nicht zu sehen, denn das Schiff ist bis zum letzten Platz ausgebucht. Flusskreuzfahrten boomen eben, und das besonders auf dem Rhein. Egal, wir wissen ja, dass wir gut untergekommen sind. Dass Schiffsausrüster zu eigenwilligen Farbkombinationen neigen, weiß jeder, der schon einmal eine Kreuzfahrt gebucht hat. Bei A-Rosa schwelgte man wohl in Orange, denn diese Farbe ist hier neben allem Mustermix sehr dominant. Der Frühstücksraum, Marktrestaurant genannt, lässt bei mir Kaffeegelüste aufkommen, denn Farben und Formen erinnern mich irgendwie an das Tchibo-Design aus den 60ern.

Beim Abendessen entdecke ich nun aber doch das eine oder andere jüngere Gesicht, sogar ganze Familien mit heranwachsenden Sprösslingen. Bei dieser Reise speist man in Buffetform – leichte, mediterrane Küche gepaart mit regionalen Spezialitäten an Live-Cooking-Stationen. „A-Rosa bietet aber auch Feinschmecker-Reisen auf Donau, Rhône und Rhein-Mosel an“, weiß unsere Tischnachbarin zu berichten. „Da gibt es dann entweder Menüs von Spitzenköchen auf dem Schiff oder man fährt in die besten Restaurants der jeweiligen Region.“

Es gibt hier übrigens keine festgelegte Kleider- und Sitzplatzordnung und im separaten Cafe-Restaurant kann ebenfalls gespeist werden.
Nach dem Essen trennt sich die Spreu vom Weizen: Die einen genießen an der Bar einen Cocktail, die Raucher treffen sich Achtern bei den Rettungsbooten in der Außenbar. Hier kann man wenigstens auch draußen sitzen, wenn das Außendeck mal wieder wegen einer Brückenpassage gesperrt ist. Das  Abendprogramm lasse ich heute sausen, denn ich bin müde und schlafe wie ein Murmeltier – bis es mitten in der Nacht anfängt zu ruckeln. Ein kurzer Blick aus dem Fenster sagt mir: Wir sind schon in Koblenz.

Es ist schon ungewohnt, den ersten Eindruck von einer Stadt von der Wasserseite her zu bekommen. Wir liegen vor den historischen Fassaden des Schöffen- und Tanzhauses – ein Schritt über die Gangway, und wir sind mitten im historischen Kern von Koblenz. Keine Gewerbegebiete oder langweilige Außenbezirke, über die man sich mit dem Auto die Städte erarbeiten muss. Wir schlendern über den barocken Jesuitenplatz, bewundern den Zierrat noch geschlossener Fachwerkweinstuben und gehen schließlich zum Deutschen Eck, um Kaiser Wilhelm auf seinem Bronzeross einen Besuch abzustatten. Wer im nächsten Jahr diese Flusskreuzfahrt mitmacht, darf sich schon freuen, denn er landet direkt auf der Bundesgartenschau.

Bei jedem Landgang werden von der Reederei Ausflüge angeboten. Und das ist besonders ratsam, wenn man sonntags in einem Ort an Land geht. Die Altstadt ist wirklich sehenswert, aber das Café Hahn, das ich mir unbedingt ansehen wollte, hat auch noch geschlossen und zu den Burgen und Schlössern ist es zu weit, denn um die Mittagszeit legen wir ja wieder ab.

„Hast du die Landgangskarten?“, fragt meine Tochter hektisch. Das ist ein wichtiges Ritual bei Kreuzfahrten jeglicher Couleur, denn hier darf niemand verloren gehen. Bei schönem Wetter genießen wir auf dem Außendeck die Sonne und die Aussicht. Hier reiht sich ja wirklich eine Burg an die andere! „So etwas bekommt man nicht zu sehen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.“ Recht hat sie, die alte Dame, die auf sehr geduldige Weise meiner Jüngsten das Damespiel beibringt. An anderer Stelle wird Shuffleboard gespielt – das Sonnendeck ist voll. Klar, denn wir fahren jetzt durch das Rheinische Schiefergebirge, einem der imposantesten Abschnitte der Rheintour. „Die Loreley haben wir wohl irgendwie übersehen“, raunt mir Christine zu. Schade, aber auf dem Rückweg passen wir auf!

„Wissen Sie, ich mache ein- bis zweimal im Jahr solch eine Reise. Ich bin verwitwet und meine Kinder wohnen mit ihren Familien weit weg. Hier bin ich unter Leuten und sehe was von Deutschland“, erzählt mir eine ältere Dame bei Kaffee und Kuchen. Ein Ehepaar aus dem Schwarzwald mit ihren beiden Töchtern gesellt sich zu uns: „Mein Mann wollte schon immer mal auf den Rhein. Ich finds toll, dass unsere Mädels sofort Feuer und Flamme für eine Familientour waren.“ Ich bin gerührt – und fühle mich verstanden.

Basel: Wir haben den Ausflug zum Vierwaldstädter See gebucht, denn ich möchte in Luzern auf den Spuren von Wilhelm Tell wandeln. Für Basel selbst bleibt anschließend nur wenig Zeit, aber wir beschließen, uns im nächsten Jahr die „Basler Fasnacht“ anzusehen.

Nun befinden wir uns schon wieder auf dem Rückweg, haben aber noch tolle Ziele vor uns. Ein unerwartetes Highlight ist Breisach im Hochschwarzwald, das wir mit dem an Bord zu leihenden Fahrrad erkunden – natürlich mittlerweile zu siebt. „Mit dem Fahrrad ist man eben einfach schneller, und hier gibts so viel zu sehen.“ Da hat die Schwarzwälderin theoretisch recht. Hier reiht sich, wie vielerorts im Schwarzwald, eine Sehenswürdigkeit an die andere. Aber sie hat die Rechnung ohne meine beiden Fotospezies gemacht, die sich die Finger wundknipsen an Museen, Münster und dem Breisacher Burgberg.

Unser Highlight ist Straßburg, das wir schon kennen. Deswegen haben wir die Stadtrundfahrt gebucht, um in die Stadt zu kommen. Dabei entdeckt man ja immer wieder etwas, was man doch noch nicht kennt: Vor dem Garten der Orangerie, der grünen Lunge Straßburgs, befindet sich eine Straße, die neben vielen Botschaften auch unzählige Storchennester beherbergt. Der Storch als das Symbol des Elsass war nahezu ausgestorben. Deshalb hat man dort Storchenpaare angesiedelt, die sich sichtlich wohl fühlen. Wer dort aber parkt, der muss ein echter Tierfreund sein. Ein Storch ist ein großer Vogel – und wenn der mal muss…

Im Gerberviertel „Petite France“ steigen wir aus, denn es ist immer wieder schön, hier entlang zu spazieren. Die anderen gucken sich hoffentlich das Münster an, aber wir gehen „shoppen“.  Schließlich sind wir in Frankreich und die französische Mode lockt.

Speyer: Schon geht das Geunke von der „ollen Weinstadt“ wieder los – aber weit gefehlt. Speyer war einst eine freie Reichsstadt, was man ihr noch anmerkt, und der Dom – übrigens ins UNESCO- Weltkulturerbe aufgenommen – ist einfach toll. Es macht Spaß, hier sowohl durch die Gassen der Stadt zu flanieren als auch an den Rheinterrassen spazieren zu gehen.

Nächster Halt Mainz, die Stadt der Mainzelmännchen. Wir legen direkt beim Stadtzentrum an – welch ein Luxus. Manchmal fühlen wir uns hier schon, als führen wir in einer Luxuslimousine durch die Gegend. Hier kennt Christine sich aus und übernimmt das Regiment. Aber eigentlich ist das gar nicht nötig, denn Sehenswürdigkeiten wie Einkaufsmöglichkeiten reihen sich fußläufig aneinander. Prompt ersteht meine Tochter ein T-Shirt mit dem schlauen Mainzelmann Ted für ihren Vater.

„Da ist sie“, schreit einer der Fotografierenden auf dem Sonnendeck. „Wo?“, schallt es im Chor. „Was, der kleine Schiefervorsprung soll der gefährliche Mythos-Felsen sein?“ Wir haben die Loreley passiert – die Erwartungen waren wohl größer. Dafür erleben wir später am Taleinschnitt um Boppard, Kaub und Bacharach großes Kino im Breitwandformat: Burgen, Fachwerk, Rebhänge, Ruinen – die Kulisse zur Rheinromantik. Wieder einmal ist die Wasserperspektive im klaren Vorteil gegenüber der Straße.

Unsere Rheinreise auf dem Schiff ist beendet. Wir haben viele interessante Menschen kennen gelernt und wunderschöne Orte gesehen – davon manche leider nur aus der Ferne. Wir haben uns erholt, gut gegessen und sogar Sport getrieben. Es ist frühmorgens, das Sonnendeck steht voller Gepäck. Während wir uns voneinander verabschieden, wird hinter unseren Rücken schon fleißig gearbeitet: An der Kaimauer türmt sich „unser Müll“ in Säcken, während die Küchencrew bereits kistenweise frische Lebensmittel in den Schiffsbauch hievt. Am Mittag schon werden die nächsten Passagiere erwartet, die Schiffshymne wird erklingen und die A-Rosa Viva zieht auf die Nordroute gen Rotterdam. „Können wir das auch mal machen?“, fragt mich meine Tochter.

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