Familienleben

Wenn Kinder ernst genommen werden…

Wenn Kinder ernst genommen werden…

…fressen sie den Eltern aus der Hand. Bestseller-Autor, Erziehungsexperten und Familientherapeuten Jesper Juul hat die Erziehungsdiskussion der letzten Jahre entscheidend beeinflusst – deshalb widmet ihm die Zeitschrift ELTERN in ihrer aktuellen Ausgabe  den letzten Teil ihrer Serie „Die großen Erzieher“.

Ergänzend führte ELTERN-Autorin Nora Imlau ein Exklusiv-Interview mit dem 64-Jährigen Dänen.

Auf die Frage, ob er sich wohl dabei fühle, in der Serie in einer Reihe mit historischen Persönlichkeiten wie Jean-Jacques Rousseau und Maria Montessori zu stehen, antwortet Jesper Juul lachend: „Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ich dazugehöre. Ich sehe mich selbst nicht als Erziehungsexperten, sondern als Vermittler zwischen Eltern und ihren Kindern. Ich bin kein Theoretiker wie etwa Rousseau, sondern durch und durch Praktiker. Ich will mit Menschen auf eine Art und Weise arbeiten, dass es danach allen besser geht.“

Juul plädiert in seiner Arbeit dafür, im Umgang mit Kindern authentisch zu sein, nicht nur süß und nett. Das heiße nicht, dass es für das Kind besser sei, es anzuschreien statt sich zusammenzureißen: „Mein Kind anzubrüllen, wenn ich wütend bin, ist meine spontane Reaktion. Aber es ist nicht authentisch. Authentisch bin ich, wenn ich mich frage: Woher kommt meine Wut? Und mich dann traue, meinem Kind diese verborgenen Gefühle zu zeigen, mich verletzlich zu machen. Ich finde es aber auch nicht schlimm, ein Kind mal anzuschreien. Erwachsene denken immer, solche Gefühlsausbrüche schaden dem Kind. Dabei ist es die Abwesenheit von Gefühlen, die ihnen schadet.“

In Juuls Augen ist es entscheidend, dass Kinder nicht die Verantwortung für ihre eigene Erziehung aufgebürdet bekommen: „Eltern sollten mit ihnen in einen Dialog treten. Sie von Zeit zu Zeit fragen: Was mache ich falsch? Das können schon Drei-, Vierjährige beantworten.“

So mit den Kindern zu sprechen fühlt sich für viele Eltern ungewohnt an, geradezu künstlich. Aber es trage positive Früchte, so Jesper Juul: „Man fühlt sich immer unsicher, wenn man Neuland betritt. Und hier geht es darum, sich auf neue Werte einzulassen, die in unserer Kultur nie wichtig waren: Gleichwürdigkeit und Eigenverantwortung. Doch wenn Kinder erleben, dass sie von ihren Eltern so ernst genommen werden, fressen sie ihnen aus der Hand.“

Das vollständige Interview mit Jesper Juul jetzt in ELTERN.

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