Familienleben

Hilfe, meine Familie versteht nix von Fußball!

Hilfe, meine Familie versteht nix von Fußball!

Da ist nichts zu machen – wenn der Ball wieder rollt, geht ein Riss durch die Familie. Warum können Frau und Kinder einfach nicht verstehen, was den Vater so an einer EM oder WM begeistert?

Alle zwei Jahre herrscht bei mir Ausnahmezustand. Immer dann, wenn unsere Nationalkicker um einen großen Titel spielen, verwandele ich mich in ein Feierbiest. Das Bier wird kaltgestellt, der Platz vorm Fernseher freigeräumt, das Leben nach dem Spielplan ausgerichtet und alles andere tritt für ein paar Wochen in den Hintergrund. Demnächst ist es wieder soweit: die Fußball-Europameisterschaft steht an. Am liebsten würde ich die ganze Wohnung für drei Wochen in eine permanente Partyzone verwandeln. Geht aber nicht.

Leider stehe ich in meiner Familie mit meiner Fußballleidenschaft so ziemlich allein da. Frau und Kinder verstehen einfach nicht, welche Faszination von 22 Männern und einem Ball ausgehen kann. Erst recht, wenn elf der Jungs den Bundesadler auf der Brust tragen. Und ich verstehe nicht, warum meine Familie dieses wunderbare Spiel so kalt lässt.

Fußball und Familie – bei uns geht das einfach nicht zusammen. Wenn ich gebannt vor dem Fernseher sitze, eine emotionale Achterbahnfahrt erlebe und je nach Spielverlauf in tiefe Verzweiflung stürze oder in lautstarke Begeisterung ausbreche,  ernte ich nur Kopfschütteln bei Frau und Kindern. „Ist doch nur ein Spiel“, lautet dann der mitleidige Kommentar.

Ich erinnere mich noch an die WM 2006. Mein markerschütternder Jubelschrei über ein Klose-Tor verstörte meinen Sohn so nachhaltig, dass er verschreckt aus dem Wohnzimmer flüchtete. So laut und impulsiv hätte er mich noch nie erlebt. Wahrscheinlich ist Fußball spätestens seit diesem Vorfall ein unheimliches Ding aus einer fremden Welt für ihn. Sorry, aber so muss es sein: Fußball guckt man ganz oder gar nicht. Entweder man geht mit, oder man geht raus.

Das Thema Fußball führt zu Hause regelmäßig zu Konflikten. Ich gebe zu, ich habe da einfach keine Geduld, wenn die Tochter beim Elfmeter fragt, warum der Torwart so eine komische Frisur trägt. Oder die Frau ausführlich kommentieren muss, welches Kostüm Angela Merkel auf der Ehrentribüne zur Schau trägt. Ganz zu schweigen davon, dass auch nach Dutzenden von Erklärungsversuchen die Abseitsregel für die Familie ein Buch mit Siegeln bleibt. Ich hasse es, wenn ein spannendes Spiel sinnlos zugequasselt wird.

Es wird bei dieser EM so kommen wie bei den letzten Turnieren. Spielt das DFB-Team, werde ich von zu Hause flüchten und mir einen Ort suchen, wo kompetente und trinkfeste Fans zusammenkommen, um das Spiel zu genießen. Fans, die an der richtigen Stelle laut werden und keine dummen Fragen stellen. Kneipe, Biergarten, Großbildleinwand irgendwo in der Stadt.

Sollten Jogis Jungs mal verlieren (eher unwahrscheinlich), werde ich so spät nach Hause kommen, dass Frau und Kinder schon schlafen. Denn nichts ist nerviger, als sich zur Niederlage auch noch besserwisserische Kommentare anhören zu müssen. Auch noch von denen, die keine Ahnung haben. Aber so wird es nicht kommen – ich sollte mir schon mal Gedanken darüber machen, wo ich das Finale und die anschließende Siegesfeier erleben will. Wohl eher nicht vor dem heimischen TV-Schirm. Es sei denn, ich quartiere meine Familie aus und die Kumpels ein.

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