Familienleben

Hilfe, ich bin ein pädagogischer Laie!

Hilfe, ich bin ein pädagogischer Laie!

Wenn aus einer Zweierbeziehung eine Familie wird, dann müssen sich die jungen Eltern unweigerlich mit dem Thema Erziehung auseinander setzen. Da fragt keiner, ob sie nun Pädagogen oder Erzieher sind. Oder eben nichts von beidem. Jedes Elternpaar entwickelt seinen eigenen Erziehungsstil, bis – ja, bis dieser in Kindergarten oder Schule auf den „vollpädagogischen“ Ansatz trifft.


Als wäre es nicht schon schwer genug, sich als Elternpaar auf einen gemeinsamen Erziehungsstil zu einigen – schließlich stoßen mit dem Elternsein auch die verschiedenen Arten der Erziehung aufeinander, die man selbst genossen hat – so hat sicherlich ein jeder im neu gewonnenen Spielplatz-Freundeskreis jemanden dabei, der einen ständig verunsichert, indem er zum besten gibt, wann welches Kind in welcher Entwicklungsphase was können müsse. Und was die einschlägigen Medien dazu meinen – Schwarz auf Weiß belegt, sozusagen.

So jedenfalls war es bei mir. Aber auch, wenn man sich davon als beherzte Mutter voller Ideale nur mittelfristig beeinflussen und einschüchtern lässt – wovon wahrscheinlich nicht nur mein Kinderarzt ein Lied singen kann – ist das noch gar nichts gegen den Kindergarten. Zugegeben, es ist schone eine Weile her, was ich hier zum Besten gebe, aber als ich neulich in einer bekannten Apotheken-Zeitschrift las, dass sich scheinbar immer noch Eltern Gedanken darüber machen, wie bei einem kleinen Mädchen mit ihrem ersten Kindergartenfreund zu verfahren sei, fiel mir eine erlebte Geschichte aus dem Jahr 1995 wieder ein:
Ich kam in die KiTa, um meine damals vierjährige Tochter abzuholen, und wurde von deren Erzieher mit einem süffisanten Lächeln begrüßt: „Ihre Tochter hat übrigens jetzt einen Verlobten!“ Etwas verwirrt über die frühen Bindungsabsichten meiner Tochter machte ich die Bekanntschaft mit einem süßen kleinen, ebenfalls vierjährigen Dreikäsehoch, der scheinbar die gleichen Schwierigkeiten mit dem Wort „verlobt“ hatte wie meine Tochter – und ich.

Als ich zuhause mit meiner Tochter darüber sprach, stellte sich heraus, dass der Junge ihr beim Spiel ein Küsschen auf die Wange gedrückt hatte, was der Erzieher beobachtet hatte und – ganz Pädagoge – die beiden Kinder beiseite genommen hatte, um ihnen zu erklären, dass sie wohl jetzt „verlobt“ seien. Ob das nun daran lag, dass es sich um einen christlichen Kindergarten handelte, mag dahin gestellt bleiben.

Ein halbes Jahr und viele Erziehungsmaßnahmen seitens der pädagogischen Mitarbeiter später, die eher mich und meinen Sprachgebrauch beim Autofahren betrafen („Warum sagt Ihre Tochter eigentlich immer ‚verfickte Taxifahrer‘?“), kam ich wieder eines Nachmittags nichts ahnend in den Kindergarten – und traf dort auf ein seltsam in Walla-Walla-Gewänder gekleidetes Wesen, welches eilends die Pflanzen der Tagesstätte in den soeben darnieder gehenden Platzregen hinausstellte und mir im Vorbeigehen zuraunte: „Ich gehe mit deiner Tochter in den Wald“. Meine reflexartige Antwort „Das glaube ich eher nicht!“ führte zunächst zu dem Missverständnis, dass ich es wohl mit der Natur nicht so hätte. Zumindest das konnten wir aber klären, denn dem ist mitnichten so – und im Nachhinein betrachtet war das die einzige Erzieherin, von der meine Kinder etwas gelernt haben, was auch mir wichtig ist.

Ich habe aus insgesamt sieben Jahren Kindergartenzeit gelernt, dass ich in jeder Lebenslage – ob ich nun krank, auf dem Weg zu einem dringenden Termin bin oder mich einfach nur gerade mit meinem Kind gestritten habe – mir die Zeit für ein freundliches Wort mit dem betreuenden Erzieher nehmen muss. Und wenn diese gerade in der Zeit, in der die Kinder in die KiTa gebracht werden sollen, ein kleines Morgen-Nickerchen machen, privat telefonieren müssen oder heimlich ihr Schokomüsli essen – was in einem Vollwertkost-Kindergarten natürlich für Kinder gar nicht geht – dann habe ich zu warten, wenn ich dem Erzieher sagen muss, dass jemand anderes das Kind am Nachmittag abholt.

Wenn nicht – und falle dann ob meines Termindrucks wohlmöglich noch aus der Rolle und pöbele „Wer ist denn hier in dem Scheißladen zuständig!“ – gibt es ein „Gespräch“. In diesem Gespräch lernen Elternteile wie ich, dass wir Laien auf dem Gebiet der Pädagogik sind, weshalb die „Profis“ (selbstverständlich sind hier die Erzieher gemeint) in schier unerschöpflicher Aufopferung tagtäglich gegen unsere Unfähigkeiten ankämpfen müssen.

Immerhin ist Kindergarten eine Vorbereitung auf Schule – zumindest für die Eltern. Denn wenn das hochmotivierte kleine sechsjährige Wesen die zweite stattliche Instanz im Leben betritt und jeden Tag verzweifelt nachhause kommt, weil wieder nichts auf dem Stundenplan stand als „Stillsitzen lernen“ (O-Ton meiner Tochter: „Das kann ich doch schon! Ich will jetzt Schreiben lernen!“), dann weiß das aufmerksame Elternteil ja mittlerweile, dass der „Vollpädagoge“ wieder mit ganzem Einsatz am Werke ist, um die elterlichen Versäumnisse zu beheben.

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2 Comments

  1. Franz Josef Neffe

    10. Mai 2012 in 16:02

    Die sog. päd.Laien haben gar keine so schlechten Karten. Nehmen wir nur das Beispiel Muttersprache! Bei den Müttern lernen die Kinder i.d.R. in 6 Jahren so gut Deutsch, dass wir das ganz selbstverständlich Muttersprache nennen. in 9 + 3 Pflichtschuljahren ist für die meisten dann Deutsch nur noch ein Problem. Warum klappt das bei den Müttern so gut und bei den LehrerInnen so schlecht???
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer schätze ich die genaue Beobachtung. Ist es nicht so, dass die Mütter davon ausgehen, dass in ihrem Kind alles angelegt ist, was es zum Leben braucht, und dass sie es folglich mit viel Erwartungsfreude herauszulocken suchen? Die LehrerInnen haben – dummerweise – den genau entgegengesetzten Auftrag: Sie müssen alles aus dem Lehrplan heraus in das Kind hinbringen – eine Sysiphusarbeit!
    Es ist ja alles schon drin und es ist drin lebendig und will sich entwickeln und heraus! Und nun verlangt der Pädagogikprofi, dass man ständig alles in sich hineinfrisst, auf diese lebendigen, sich entwickeln wollenden Kräfte obendrauf. Als Ich-kann-Schule-Lehrer frage ich mich, wie man Pädagogik so genial dumm anlegen kann und mag. Nichts als Qual bescheren die Pädagogen dabei ihren Schülern und sich, machen sich selbst zu einem der kränksten Berufsstände und häufen einen Misserfolg auf den anderen. Warum lernen sie nicht von den Müttern, die ihnen 6 Jahre lang vorgemacht haben, wie guten Erfolg man haben kann?
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

  2. Pingback: Kinotipp und Gewinnspiel: Keinohrhase und Zweiohrküken 3D | Absolut Familie

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