Raps und seine Verwendung

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Auf über 1,3 Mio. der insgesamt ca. 12 Mio. Hektar Ackerfläche in Deutschland blüht in diesen Tagen wieder leuchtend gelber Raps. Das freut nicht nur das Auge, sondern auch Imker und ihre Bienenvölker. Die Bienen fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf diese gelbe Pracht, denn Raps ist in manchen Gegenden im Frühjahr eine nahezu unverzichtbare Nektar- und Pollenquelle. Der Fleiß wird mit bis zu 50 Kilogramm Honig je Hektar belohnt.

 

Wenn in Deutschland in diesen Tagen die Rapsblüte ihren Höhepunkt erreicht, haben die Rapspflanzen bereits einige schwierige Etappen ihres “Pflanzenlebens” überstanden. Bereits im Herbst 2011 haben die Rapsbauern die Saatkörner zum Teil unter sehr schwierigen Witterungsbedingungen in die Erde gebracht und damit die Grundlage für das alljährliche Blütenschauspiel im Frühjahr geschaffen. Bei ihrer jährlich durchgeführten repräsentativen Befragung der Rapserzeuger ermittelte die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) eine deutsche Anbaufläche zur Ernte 2012 von über 1,3 Millionen Hektar.

In vielen Regionen lockt die Rapsblüte im Mai Ausflügler und Urlauber aufs Land. Zahlreiche Kultur- und Freizeitangebote wie die beliebten Rapsblütenfeste wirken als attraktive Anziehungspunkte. Damit trägt der Rapsanbau wesentlich dazu bei, dass der ländliche Raum seine hohe Attraktivität als Wirtschafts- und Erholungsgebiet weiter ausbauen kann.

Aktuell blicken die Bauern nicht ohne Sorge auf ihre Felder. Die kurzen, aber starken Fröste von Ende Januar und Anfang Februar haben den Rapspflanzen vereinzelt zugesetzt, so dass einige Landwirte gezwungen sind, die Rapspflanzen umzubrechen, also umzupflügen und eine neue Frucht einzusäen. Insgesamt haben die Rapspflanzen in Deutschland die Frostperiode aber gut überstanden, anders als in Teilen Polens oder Frankreichs, wo erhebliche Verluste zu verzeichnen sind.

Der Raps zeichnet sich durch eine frühe Bodenbedeckung aus, was nicht nur Bodenerosion vermeidet, sondern auch die empfindlichen Wurzeln gegen Frost schützt. Insgesamt 11 Monate benötigt der Raps, um zu reifen. Die Blüte ist dabei der attraktive Höhepunkt. Am Ende dieser Zeit, im August, werden die Bauern rund fünf Millionen Tonnen Rapssaat ernten. Daraus werden anschließend etwa zwei Millionen Tonnen Rapsöl und drei Millionen Tonnen hochwertiges Futtermittel entstehen.

In den letzten 20 Jahren hat sich Raps zur Ölpflanze Nr. 1 in Deutschland entwickelt. Die Gründe liegen auf der Hand: Raps überzeugt nicht nur als wertvolles Speiseöl, sondern auch im technischen Einsatz und als Futtermittel mit unschlagbaren Vorteilen und hervorragenden Eigenschaften. Das ist der Verdienst der deutschen Rapszüchter, die bereits vor über 50 Jahren mit viel Weitblick und Engagement begonnen haben, die Zusammensetzung der Rapssaat zu optimieren.

Mittlerweile ist das beim Pressen der Rapskörner anfallende, so genannte Rapsextraktionsschrot für die Tierfütterung unverzichtbar und ersetzt als Proteinquelle in großem Umfang Importe von Soja aus Übersee.

Auch das Rapsöl hat eine sehr erfolgreiche Entwicklung aufzuweisen und ist seit zwei Jahren das beliebteste Speiseöl in deutschen Küchen. Insgesamt 65,6 Millionen Liter Rapsöl fanden 2011 den Weg in den Einkaufswagen der privaten Haushalte. Ernährungswissenschaftler werden dies gerne hören, empfehlen sie doch Rapsöl wegen seines mustergültigen Fettsäuremusters. Im Handel ist das vielseitige Pflanzenöl in zwei Varianten erhältlich: Rapsöl und kaltgepresstes Rapsöl. Sie sind in jeder Küche ein unschlagbares Team.

Rapsöl ist hellgelb und wegen seines neutralen Geschmacks ein echter Alleskönner. Kaltgepresstes Rapsöl überzeugt mit seinem nussigen Geschmack vor allem in der kalten Küche. Hilfestellung beim Einkauf leistet seit kurzem ein neues Gütesiegel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG). Nur ausgewählte Qualitätsprodukte werden mit dem Prüfzeichen “Jährlich DLG-prämiert” ausgezeichnet und sind so auf den ersten Blick im Supermarktregal erkennbar.

Die gleichzeitige Verwendung von Rapsöl für die Ernährung und als Biokraftstoff im Tank von Autos und Nutzfahrzeugen wird immer wieder kontrovers diskutiert. Völlig außer Acht gelassen wird dabei, dass der Einsatz von Biokraftstoffen die einzig sinnvolle Alternative zu den schwindenden Erdölreserven und den damit verbundenen immer aufwändigeren Gewinnungsmethoden für Rohöl darstellt.

Kritiker sehen einen Zusammenhang zwischen der Biokraftstoffnutzung von Agrarrohstoffen und dem Hunger in der Welt. Auch die UFOP wollte wissen, ob die Argumente zutreffen. Die Untersuchung des renommierten Agrarökonomen Prof. Michael Schmitz von der Universität Gießen kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Biokraftstoffnutzung ist nicht die entscheidende Ursache für Hunger in der Welt. Eine große Rolle spielen zum Beispiel das Fehlen von klaren Eigentumsverhältnissen, Ernteverluste durch fehlende Lagerungs- und Transportlogistik oder nicht an die örtlichen Verhältnisse angepasste Produktionsmethoden. Biodiesel und Bioethanol sollten daher nicht als Sündenböcke für steigende Weltagrarpreise und damit den Hunger in der Welt abgestempelt werden.

Auch das theoretische Gedankenkonstrukt der Europäischen Kommission, europäische Biokraftstoffe mit einem Treibhausgas-Aufschlag für indirekte Landnutzungsänderungen zu belasten, geht an der Realität vorbei. Das Modell unterstellt, dass zusätzliche Anbauflächen für nachwachsende Rohstoffe bzw. für Bioenergie in Europa zu globalen Verdrängungseffekten führen, zum Beispiel zur Abholzung von Urwäldern für den Anbau von Nahrungsmitteln in Übersee. Fakt ist jedoch, dass es in Deutschland bereits strenge Nachhaltigkeitskriterien gibt. So dürfen für den Anbau weder gerodete Regenwaldflächen noch Torfmoore oder sonstige schützenswerte Flächen verwendet werden.

Zudem müssen Biokraftstoffe mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase emittieren als fossile Kraftstoffe – vom Pflanzenanbau auf dem Acker über Düngung und Transporte bis hin zur Produktion des Kraftstoffs. Deshalb setzt sich die UFOP dafür ein, dass Rohstoffe wie das Rapsöl weiter in Biokraftstoffen Verwendung finden. Damit leisten die deutschen Rapsbauern einen Beitrag dazu, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr mit erneuerbaren Energien abzudecken.

Foto: UFOP e.V.

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