Familienleben

Hilfe, ich bin die Ersatz-Mama!

Hilfe, ich bin die Ersatz-Mama!

Wenn die Eltern sich für ein paar Tage verabschieden, muss das älteste Kind als Ersatz herhalten. Kochen, Waschen, Meckern – alles inklusive. Einblicke in den Full-Time-Job „Urlaubsvertretung für Mama“.

Als ältestes von drei Kindern erreichte ich irgendwann das Alter, in dem man mir guten Gewissens die „Kleinen“ anvertrauen konnte. Gut für meine Eltern, weniger gut für mich, wie sich herausstellen sollte.

Natürlich war das Ganze am Anfang gar nicht schlecht. Verantwortung und Macht lockten. Für einen Abend, ein Wochenende das Zepter in der Hand haben – perfekt! Schon früh habe ich mir bei solchen „Aufpasser-Situationen“ in den Kopf gesetzt, den beiden Wilden zu zeigen, wo der Hammer hängt. Ein wenig Disziplin konnte denen nicht schaden, war meine Überzeugung. Da hatte ich meine Rechnung allerdings ohne die lieben Kleinen gemacht.

Gut kommandieren und delegieren konnte ich, keine Frage. Nur parieren wollte dann keiner. Schon bei so einfachen, scheinbar harmlosen Aufforderungen wie „Jetzt ist es aber Zeit fürs Bett“ kam mir ein wütendes „Du bist nicht meine Mutter“ entgegen. Ach nee?! „Mama ist aber nicht da und deshalb tue ich jetzt das, was sie sonst tun würde. Und ich sage dir: Geh schlafen.“ Ha. „Ich höre aber nur auf Mama.“ Verdammt – aber wenn das so ist…: „Mama hat gesagt, ich soll dich ins Bett schicken.“ Das hat funktioniert, jedenfalls bei den ersten drei Einsätzen. Wie bei einem Antibiotikum, gegen das Resistenzen gebildet werden, wurden meine Sprüche immer nutzloser. Und die Antworten immer frecher.

Das lag natürlich keinesfalls an meinem autoritären Führungsstil, nein, die Kleinen waren einfach verzogen. Und nun hatte ich den Salat. Am deutlichsten zeigten sich unsere Problemchen beim Mittagessen. Egal, was ich auf den Tisch stellte, es wurde äußerst missbilligend wahrgenommen. Nur widerwillig wurde mit der Gabel daran herumgekratzt. Später wurden sich dann Burger, Pommes und Co. einverleibt. Ein Schlag ins Gesicht selbst für eine Amateurköchin wie mich, die gerade mal drei Gerichte drauf hat.

Ob Spaghetti oder Hähnchen in Rotweinsauce – diesen Kindern schmeckt scheinbar nichts, was ich in einem Kochtopf zustande bringe. Gut, ich bin wie gesagt nicht die beste Köchin, aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass es nicht leicht ist für eine Vegetarierin und einen Gemüsefeind zu kochen.

Es ist vielleicht erwähnenswert, dass die „Kleinen“, wie sie bei uns in der Familie nach wie vor genannt werden, nur drei und fünf Jahre jünger als ich und damit längst aus dem Windelalter raus sind. Insofern mag es erstaunlich sein, dass ich, wenn beide Elternteile sich in der Weltgeschichte herumtreiben, immer noch die Person bin, die dann für Kochen, Abwasch und saubere Wäsche zuständig ist. Aber so ist das eben bei uns. Bevor es jeden Tag ein Happy Meal oder Tofu-Kram gibt, versuche ich als vergleichsweise kulinarisch toleranter Mensch, das gesunde Mittelmaß zu finden und alle Mägen zu füllen.

Mit ein wenig Delegierungsarbeit habe ich es sogar des öfteren geschafft, das Be- und Entladen des Geschirrspülers weiterzugeben. Kleine Triumphe auf dem Weg zur Haushaltskönigin.

Ich muss zugeben, mir war nicht klar, wieviel Arbeit so eine kleine Familie ist. Langeweile kommt an den elternlosen Wochenenden jedenfalls nie auf bei mir. Am aufwendigsten ist dabei der Job der    Ermittlerin. Wo sind die fehlenden zwei Euro aus der Haushaltskasse? (Ja, ich bin eine Erbsenzählerin.) So müssen sich meine Geschwister regelmäßig der Inquisition unterziehen. Auch die Zimmer werden unter die Lupe genommen – schmutzige Unterwäsche bitte immer sofort in den Wäschekorb!

Eines Abends erwischte ich meine Schwester dabei, wie sie ihren Freund an mir vorbeischmuggelte, obwohl Übernachtungsgäste unter der Woche strengstens verboten sind – Befehl von ganz oben (also von der echten Mama). Als Hüterin des Gesetzes konnte ich das natürlich nicht durchgehen lassen. Während ich ihr einen Vortrag hielt, hoffte ich im Innern, dass sie mich jetzt nicht für immer hassen würde.

Ich frage mich, ob es meinen Eltern auch so ergeht. Bin ich zu streng oder sind sie zu weich? Oder haben sie es einfach nur aufgeben, gehen den Weg des geringsten Widerstandes?

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch: Meine Geschwister sind bestimmt kein Fall für die Super Nanny. Würde man uns ein paar Tage lang filmen, wäre garantiert ich diejenige, die dem fiesen Schnitttechniker zum Opfer fallen und als gemeine Herrscherin dargestellt würde. Und vielleicht wäre das ja auch nicht ganz so falsch…?

Noch mehr Geschichten aus unserem Familienleben?

Hilfe, ein Fremder in meiner Wohnung!

Hilfe, meine Frau ist ein Messie!

Hilfe, meine Freundin ist Deutsche!

Hilfe, ich fahre Papas Auto!

Hilfe, meine Tochter ist ein Veggie!

Hilfe, meine Kinder sind vom Castingshow-Virus infiziert!

Kommentare anzeigen (2)

2 Comments

  1. Pingback: Hilfe, meine Schwester könnte meine Tochter sein! | Absolut Familie

  2. Pingback: Hilfe, wir machen einen Osterspaziergang! | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr in Familienleben

little kid boy with school satchel, first day to school

Der Schultasche die nötige Aufmerksamkeit widmen

Hans Wankl28. Oktober 2017
house-2565105_1280

Die Familienküche – ein Ort, an dem die Generationen zusammenkommen

Hans Wankl20. August 2017
Sweet little girl

Tipps für eine ruhige Nacht im Kinderzimmer

Hans Wankl30. Juli 2017
festival-2456145_1280

Warum eine Kinder-Unfallversicherung so wichtig ist

Hans Wankl23. Juli 2017
wordpress

Home Sweet Home(-page): Eine eigene Webseite für die Familie

Hans Wankl7. Juli 2017
dog-1328585_1280

Tiere und Familien: Gesundheitstipps für das Zusammenleben

Hans Wankl6. Mai 2017
easter-eggs-2168521_1280

Ostergeschenke – kreativ und persönlich

Hans Wankl6. April 2017
vacuum-cleaner-1605068_1280

Effektives Staubsaugen – so sparen Sie Energie und Zeit

Hans Wankl29. März 2017
familienbilder

Tipps und Tricks für gelungene Familienbilder

Hans Wankl23. März 2017
house-1158139_1280

Familienförderung beim Immobilienkauf mit Kindern

Hans Wankl14. März 2017