Familienleben

Hilfe, ich fahre Papas Auto!

Hilfe, ich fahre Papas Auto!

Als nach etlichen vergeigten Fahrprüfungen niemand mehr damit rechnete, bekam ich endlich, endlich meinen Führerschein. Damit begann für meinen Vater eine nervenaufreibende Zeit: Die eigene Tochter als Fahranfängerin hinter dem Lenkrad des schönen Neuwagens. Das kann ja nicht gut gehen. Oder?

Das mit dem Führerschein war „damals“ bei mir so eine Sache. Ich hatte die Ehre, gleich vier verschiedene Prüfer kennen zu lernen, bevor ich das kleine Kärtchen endlich in meinen Händen halten durfte.

Das ist jetzt rund anderthalb Jahre her. Ein eigenes Auto war bei einer Abiturientin natürlich nicht drin. Und wenn man mitten in der Stadt im Hotel Mama wohnt, ein nur einmal die Woche genutztes Auto in der trockenen Garage, wäre das wohl auch reichlich sinnlos. Nun bin ich auch nicht gerade die Sorte Mensch, die mit dem Auto zum Brötchen holen fährt. Ich muss zugeben, dass ich seit meiner Führerscheinprüfung nicht ein einziges Mal auf der Autobahn gefahren bin.

Wenn es hochkommt, fahre ich einmal in der Woche Auto. Es ist jedes Mal die gleiche Strecke. Und ich bin jedes Mal wieder stolz wie Oscar, wenn ich den Wagen wohlbehalten auf seinem Platz in der Garage abgestellt habe. Denn unser Familienauto ist nicht einfach irgendein Auto. Es ist „Papas Auto“.

Schon vor meiner ersten Fahrstunde begann die Diskussion, ob ich als Fahranfängerin denn tatsächlich mit DEM Auto herumfahren dürfte. Anfangs gab sich mein Herr Vater noch großzügig. Ein eigenes Auto sollte ich bekommen – einen Gebrauchtwagen, bei dem ein, zwei Kratzer sowieso nichts ausmachen. Zu diesem Wagen kam ich natürlich nie. Stattdessen führten meine Eltern lange Debatten: Meine Mutter hätte mir das Auto sofort überlassen, doch nicht so mein Vater.

Nachdem ich also x-mal durch die Fahrprüfung gerasselt war, rechnete zu Hause keiner mehr damit, dass ich eines Tages mit dem Führerschein in der Hand auftauchen würde. Doch das Wunder geschah, ein Prüfer war gnädig mit mir und ich hatte den Lappen.

An diesem Nachmittag war mein alter Herr, wie der Zufall es wollte, gerade nicht zu Hause. Meine weitaus mutigere Mutter setzte mich hinters Lenkrad und ließ mich fahren. Und am Abend wurde mein Vater dann vor vollendete Tatsachen gestellt. Das gefiel ihm natürlich gar nicht – aber gut, was passiert ist, ist passiert. Von da an durfte ich dann, stets in Begleitung, ab und zu mal Auto fahren. Aber aus- und einparken? Spontan zu Freunden fahren? Nicht mit meinem Vater. Sein Auto würde nur von Kennern aus den Tücken der Garage gelenkt werden.

Man muss wissen: Mein Vater ist nun wirklich nicht der Typ Mann, der sonntags stolz das Auto poliert und die Polster absaugt. Aber eine eiserne Regel hat er: Was er bezahlt hat, ist heilig. Denn Geld ausgeben, das tut er nicht oft. Wenn meine Mutter und ich mit einem vollen Kofferraum von einer Shoppingtour zurückkehren, kann schon mal der Haussegen schief hängen. Wenn der Herr des Hauses dann also mal die EC-Karte glühen lässt, muss die Errungenschaft mit Samthandschuhen angefasst werden.

Nach einer halben Ewigkeit war es dann schließlich doch so weit: Mein Vater vertraute mir sein Baby an. Ich durfte ausparken, fahren UND einparken – ganz allein! Zum Dank habe ich mich dann auch gleich im Lack verewigt. Andere ritzen Herzen in Bäume, ich schneide die Wand ein bisschen und mache einen schönen großen Kratzer ins Auto. Auf dem Weg aus der Garage habe ich fieberhaft überlegt, wie ich das nun meinem Vater beichten sollte. Er würde ausrasten, soviel stand fest.

Erstaunlicherweise reagierte er ganz ruhig. Meine Theorie ist, dass er wohl jedes Mal, wenn ich mit dem Wagen unterwegs war, mit dem Schlimmsten rechnete. Als es dann endlich passiert war, war er wohl einfach erleichtert, dass meine Manövrierunfähigkeiten nicht zu noch Schlimmerem geführt haben. Anzumerken ist noch an dieser Stelle, dass es hier merkwürdigerweise meine Mutter war, die beim Anblick des Kratzers völlig ausrastete. Scheinbar teilen sie ihr Erziehungskonzept so geschickt, dass eben immer ein Überraschungsmoment bleibt.

Offiziell war dieser eine Kratzer bisher der einzige Faux-Pas, den ich mir mit dem Auto geleistet habe. Inoffiziell habe ich es ein paar Mal nicht ganz so einwandfrei am Nachbarsauto vorbeigeschafft. Dafür gibt es allerdings keine Zeugen – und Kratzer hat es auch keine gegeben.

Doch man kann ja auch im Inneren eines Autos eine Menge falsch machen, wie ich gelernt habe. Vor einigen Wochen zum Beispiel, ließ ich meinem Vater gegenüber die Bemerkung fallen, dass der raue Bezug des Fahrersitzes sich wohl ganz gut mit Fusseln jeglicher Art vertrüge. „Ja, du musst dich ja auch immer im Wollpullover hinters Lenkrad setzen“, war seine Antwort.  Im Winter kann das durchaus schon mal vorkommen! Und ja, ich drehe die Heizung dann auch bis zum Anschlag auf. Manchmal leiste ich mir sogar so verrückte Aktionen wie eine CD ins Laufwerk zu legen, das Radio laut zu stellen oder – man glaubt es kaum – den Radiosender zu verstellen. Das wird dann bei der nächsten Fahrt durch den Fahrzeughalter missbilligend zur Kenntnis genommen und mit lang anhaltenden Kommentaren verstärkt.

Tja, das hat man jetzt davon. Man hätte mir ja auch einfach einen Gebrauchtwagen besorgen können. Aber im Grunde gefällt es mir besser so. Ein Gebrauchtwagen wäre mir dann doch irgendwie zu…gebraucht, eben. Und Teilen ist doch eigentlich auch eine schöne Sache – man muss es eben nur können!

Ansonsten ist Papas Auto bei mir total sicher. Ganz bestimmt – bis auf Weiteres…

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