Familienleben

Hilfe, meine Tochter ist ein Veggie!

Hilfe, meine Tochter ist ein Veggie!

Bei der Ernährung fleischlos glücklich zu sein, ist nun wahrlich kein Grund um Hilfe zu schreien. Hat man aber eine Tochter, die aus redlicher Überzeugung und geschmacklicher Erfahrung neben Fleisch und Fisch auch kaum ein Gemüse auf ihrem Teller duldet – und für die Tofu zum Gruseln ist – dann bietet jeder Tag aufs Neue eine Herausforderung.

Alles begann im Jahre 2007, als wir auf einer Reise ein exquisites 5-Gänge-Menü präsentiert bekamen. Nun wissen Eltern ja, dass Kinder nicht essen, was sie nicht kennen – und deshalb war für mich das Herumpitzeln meiner Tochter im Essen nicht weiter verwunderlich. Als ich aber bemerkte, das sämtliche Fleischanteile feinst säuberlich extrahiert worden waren, ahnte ich, was die Uhr geschlagen hatte.

Zumindest aß sie noch Fisch – aber nur Lachs und Fischstäbchen. Das machte, wieder zuhause angelangt, das Kochen für meine ohnehin mäkelige Familie nicht unbedingt leichter (nicht nötigerweise erwähnenswert ist hier, dass meine anderen beiden Kinder Lachs verabscheuen). Einmal mehr wünschte ich mir einen Herd mit mehr als 4 Kochplatten. Aber um es kurz zu machen: Allen hingen die Fischstäbchen schon bald zum Halse heraus und der Lachs wurde nach einem halben Jahr auch von Töchterchens Essensplan gestrichen.

Ab jetzt also stringente Vegetarierin – gut. Nun kamen die Ängste der Mutter, die von der pädagogisch unerfahrenen Apothekerin noch geschürt wurden: „Kinder im Wachstum sollten sich noch nicht fleischlos ernähren!“ Meine ich ja auch. Gibts dann also Tabletten? „Davon würde ich bei einer 13-Jährigen noch abraten.“ Toll, ich kaufe sie trotzdem. Aber Töchterchen nimmt sie nicht – hat sich wohl mit der Apothekerin verschworen.

Von nun an ist Gemüse für mich nicht mehr nur eine Beilage, es erreicht völlig neue Dimensionen. Erbsen und Möhren in einer Käse-Sahne-Soße mit Spaghetti – für die anderen (das sind vier) wird der gekochte Schinken lieblos klein geschnitten auf dem Holzbrett serviert, zum Drüberstreuen, wie der Parmesankäse. Dem Unverständnis zufolge, was denn nun schon wieder in die Schwester gefahren ist, schweigen die anderen – zum Glück.

Doch bald schon darf der Schinken auf gar keinen Fall mehr auf der Veggie-Seite des Tisches stehen – und Erbsen findet sie doof, weil die ja aus der Tiefkühltruhe kommen. Sohnemann schaltet sich ein: „Warum isst du eigentlich kein Fleisch mehr?“ Da kommts raus: Der Gammelfleischskandal war Auslöser für Tochterns Sinneswandel. Die Mutter frohlockt – es ist also nur eine „Phase“.

Diese „Phase“ dauert nun schon recht lange an. Wir haben gelernt, dass meine Tochter nichts mehr isst, was einmal ein lebendiges Wesen war. Eigentlich bin ich richtig stolz auf meine Tochter, weil sie ihre Tierliebe konsequent durchzieht. Auch ich liebe Tiere über alles, bin aber ein klassischer Fleischfresser (habe Weihnachten 1967 zwar mit Trauer, aber doch mit großem Appetit mein Kaninchen Elisabeth verspeist).

Die Gemüsefrage bleibt nach wie vor ein Problem – und das bis heute. Des Öfteren erwische ich mich dabei, dass ja wohl Kartoffeln mit Bohnen (ohne Soße) oder Nudeln mit Tomatensoße (zumindest selbst gemacht) als Mahlzeit völlig ausreichend sind. Schließlich hat das Kind keinen weiteren großen Schaden genommen und ist zu einer gesunden jungen Frau herangereift – wenn auch etwas klein geraten (aber das hat wohl Gründe genetischen Ursprungs).

Sie liebt Rührei – allabendlich werden da genüsslich Eier in die Pfanne geklopft. Anstatt mich einfach an dem Anblick zu erfreuen, beschleicht mich schon die nächste Angst: was, wenn sie plötzlich Veganerin wird? Dann ist es auch noch vorbei mit Milch, Joghurt, Eiern und Mozzarella – andere Käse und Quark mochte sie ja eh noch nie.

Was wird aus solch einem Wesen, wie findet sie einen Partner? Das fragte sich die besorgte Mutter und fand prompt einen Artikel über eine Vegetarier-Partnerschaftsbörse. Und als hätte sie es geahnt, monierte meine Tochter zunächst, dass es für sie unerträglich sei, wenn „ihre“ Lebensmittel mit „unserem“ Fleisch in einem gemeinsamen Kühlschrank lagerten, und brachte dann ihren Freund mit nach Hause. Ein Fleischesser! Haha, Liebe geht eben über alles!

Bis zum vorletzten Weihnachtsfest, als zum Bratenmarathon alle Kinderlein nebst Anhang unter unserem Tannenbaum versammelt waren – und ER nicht von meinem köstlichen Entenbraten essen durfte, weil SIE es ihm verboten hat! Mir blieb nichts anderes übrig – ich spielte die beleidigte Leberwurst. Seitdem fahren die beiden die mildere Variante: er darf mein Fleisch essen, wenn er sich direkt nach dem Essen die Zähne putzt. Sein Zahnarzt wirds ihr danken!

Das Gemüseproblem ist nicht vom Tisch – die tägliche Auswahl gleicht dem Betreten eines Minenfeldes. Ich habe mir auch abgewöhnt, große Diskussionen darüber zu führen, sondern beobachte und lerne. Die Flut an vegetarischen Kochbüchern, die sich hier lustlos durchgeblättert und mit dem Kommentar „nichts gefunden“ in der Ecke türmen, hat ja schließlich auch nichts gebracht. Als aber neulich mein Sohn das Thema „Frutarier“ im Zusammenhang damit ansprach, dass ja auch eine Pflanze ein Lebewesen sei und meine Tochter beim Gemüse bedenken sollte…habe ich fluchtartig den Essenstisch verlassen.

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