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Todesfalle Kopfhörer im Straßenverkehr

Todesfalle Kopfhörer im Straßenverkehr

Kopfhörer, die beinahe alle Umgebungsgeräusche ausblenden, sind bei Jugendlichen in Mode und werden zunehmend auch im Straßenverkehr getragen. Die Kehrseite der Technik ist jedoch, dass dabei wichtige Warnsignale wie etwa Automotoren oder Hupen kaum mehr wahrgenommen werden. Forscher der University of Maryland bringen das mit einem Anstieg der Zahl der Fußgänger, die mit Kopfhörer gestorben sind, in Verbindung.

Deren Zahl ist in den vergangenen Jahren zumindest in den USA deutlich gestiegen, behaupten sie im Fachblatt „Injury Prevention“.

Die US-Forscher um Richard Lichenstein sammelten Unfallberichte der vergangenen sieben Jahre aus verschiedenen Quellen, unter anderem aus dem nationalen System zur Verletzungsüberwachung NEISS, der US-Konsumentenschutzbehörde CPSC und von Google News. Aussortiert wurden jene 116 Fälle, bei denen Fußgänger von Autos oder Zügen erfasst wurden und dabei nachweislich von einem Kopfhörer Gebrauch machten. 81 davon starben dabei – wobei es in den Jahren 2004/05 bloß 16, in den Jahren 2010/11 jedoch bereits 47 Fälle gab. Jeweils zwei Drittel der Opfer waren Männer und unter 30 Jahre alt.

Die US-Autoren bezeichnen das Kopfhörertragen im Straßenverkehr als „beabsichtigte Blindheit“. Denn es lenke gleich auf zweifache Weise von den Gefahrenquellen des Verkehrs ab: Einerseits durch die verlagerte Konzentration auf die mp3-Musik, mit der die Fähigkeit des Gehirns sinkt, auf andere Reize zu reagieren. Andererseits dämmen sowohl die Musik als auch der Kopfhörer die manchmal überlebenswichtigen Hup- und Warnsignale.

„Das Thema wird auch hierzulande immer mehr als Problem erkannt“, betont Klaus Robatsch, Bereichsleiter für Prävention beim Kuratorium für Verkehrssicherheit. Obwohl sich auch frühere Generationen im öffentlichen Raum durch Kopfhörer abschotteten, sei derzeit eine Zuspitzung zu beobachten. „Beim Straßenqueren oder bei Eisenbahnkreuzungen ist die Gefahr dadurch groß, doch auch für künftige Entwicklungen wie etwa die geräuscharmen Elektroautos gibt es noch keine Lösung“, so der Experte.

Die Vorgangsweise der US-Forscher ist noch zu ungenau, um daraus bereits eindeutig einen Trend zu beweisen, gibt Robatsch zu bedenken, da unter anderem abseits der schwersten Unfälle vieles außer Acht bleibt. Mehr Klarheit soll eine bis Juni 2012 laufende Studie bringen, bei der in Krankenhäusern Verletzungsmuster und Gründe von 15.000 Unfällen erhoben werden, während man gleichzeitig das genaue Verhalten mit Kopfhörern im Straßenverkehr untersucht.

Aufklärung statt Verbote
„Falls die laufende Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Kopfhörer-Musikhören im Straßenverkehr und den Unfällen zeigt, so müssen auch Maßnahmen überlegt werden. Statt mit Verboten sollte man stets mit Prävention und Aufklärungsarbeit beginnen. Vielleicht lassen sich auch die Hersteller der Audiogeräte einbinden“, erklärt Robatsch.

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