Film

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM

MEIN LIEBSTER ALPTRAUM

In ihrer neuesten Komödie zeigt Regisseurin Anne Fontaine, was passieren kann, wenn Menschen aufeinander stoßen, die in völlig verschiedenen Welten leben und sich eigentlich nie hätten treffen sollen – währen da nicht ihre heranwachsenden Söhne, die trotz unterschiedlichster Herkunft die besten Freunde sind. Geistreich, humorvoll, schlagfertig und hintersinnig liefern sich Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde und André Dussollier ab 19. Januar im Kino etwas andere Szenen einer Ehe.

Sie (Isabelle Huppert) lebt mit ihrem Mann (André Dussollier) und dem gemeinsamen Sohn Adrien (Donatien Suner) in einem schicken Appartement gegenüber vom Jardin du Luxembourg, dem früher königlichen, heute staatlichen Schlosspark. Er (Benoît Poelvoorde) lebt alleine mit seinem Sohn  Tony (Corentin Devroey) in einem Lieferwagen.

Sie ist eine renommierte Galeristin, Chefin einer angesehenen Sammlung moderner Kunst. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und der Wohlfahrt. Sie hat sieben Jahre lang an der Universität studiert. Er hat fast sieben Jahre lang hinter Gittern gesessen. Sie steht mit dem Kultusministerium auf du und du. Er ist jedem alkoholischen Getränk zugeneigt, dessen er habhaft werden kann. Sie genießt intellektuelle Debatten. Er liebt gelegentlichen Sex mit vollbusigen Bettgenossinnen.

Sie leben in zwei verschieden Welten und können den Anblick des jeweils anderen nicht ertragen. Sie hätten sich eigentlich nie treffen sollen, aber sie haben beide heranwachsende Söhne, die trotz unterschiedlichster Herkunft die besten Freunde sind, die man sich vorstellen kann. Beide gehen in dieselbe Klasse. Während eines Elternabends, bei dem es eigentlich um einen Intelligenztest zur Einstufung nach dem sechsten Schuljahr geht, unterbricht Patrick Agathe mitten in ihrer ablehnenden Rede, um sich über das dürftige Essensangebot zu beschweren.

Ihn interessiert oder kümmert der Test nicht, da sein Sohn mit einem sehr guten Verstand gesegnet ist, wohingegen Adrien eher schlecht in der Schule abschneidet. Sein Desinteresse gibt er auch offen und ehrlich zu, beleidigt obendrein Agathe und ihren Sohn, was seinem ohnehin schlechten Ruf bei ihr nicht besonders gut tut. 

Patrick und Tony haben jedoch ganz andere Sorgen, denn das Jugendamt droht dem Lieferwagenbewohner mit dem Entzug des Sorgerechts. Als Tony eines Abends bei Adrien zu Besuch ist und bleiben will, wittert Patrick seine Chance. Agathe und François wollen ihre – nebenbei bemerkt – sehr moderne und stilvolle Wohnung ohnehin renovieren.
Da bietet sich der selbsternannte Handwerker natürlich sofort an.

François ist sofort begeistert von der unbeschwerten Art Patricks und lässt sich schnell dazu überreden, dem zuvor ungebetenen Besucher, das Gästezimmer zu überlassen. Patricks Plan geht auf – denkt er zumindest. 
Aber das Jugendamt erachtet auch dieses Leben als ungeeignet für Tony.

Währenddessen kocht Agathe beinahe über vor Wut. Einerseits verabscheut sie Patrick immer mehr, weil dieser sich einfach nicht aus den Privatangelegenheiten des Paares heraushält. Der aufdringliche Macho lässt zudem nicht mehr von ihr ab, läuft ihr dauernd über den Weg, wobei eigentlich die Vereinbarung getroffen wurde, dass genau das nie geschehen sollte. Auf der anderen Seite verunsichert Patrick Agathe zunehmend und lässt sie an ihrer Beziehung zu François zweifeln.

Die alte Ordnung in Adriens Familie geht nach und nach verloren. So lässt François sich von Patrick zum Fremdgehen antreiben. François verliebt sich in die sehr junge Julie (Virginie Efira), die sich komplett von der strengen und kühlen Agathe unterscheidet. Grund für Agathe, sich gemeinsam mit Patrick zu betrinken, wobei sich die beiden so grundverschiedenen Typen nun doch näher kommen. Nicht zuletzt, weil sich Patrick nun auch einmal von einer anderen, fürsorglichen Seite zeigt. Bald schmilzt das Eis, das Agathe so unantastbar macht – und schließlich werden auch sie verstehen, warum…

Heftiger können zwei Welten kaum aufeinander prallen. Regisseurin und Drehbuchautorin Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“, „Das Mädchen aus Monaco“) lässt kein Klischee aus. Die Art der Umsetzung macht diesen Film einfach amüsant und achtet darauf, dass die strengen Zugehörigkeiten zu den sozialen Schichten zwar sehr deutlich werden, aber nicht stören. Der Prozess der Annäherung der Hauptdarsteller – drei der bekanntesten und beliebtesten Schauspieler Frankreichs – wirkt nicht plump, sondern ergibt sich aus vielen kleinen Übereinstimmungen. Ihre gesellschaftlichen Erscheinungen müssen die beiden also nicht plötzlich komplett aufgeben.

Somit bleiben sie sich und ihren Einstellungen treu. Umso lustiger sind ihre gemeinsamen Szenen. Auch wenn die beiden sich nach und nach immer sympathischer werden, bleibt die Komik, erzeugt durch Missverständnisse und Unverständnis für das Verhalten des Anderen, erhalten. Dieser Film unterhält mit Bildern aus dem Leben, auch wenn ein solches Zusammentreffen eher unwahrscheinlich ist. Sobald die Beziehungen zwischen Agathe, Patrick, François, Julie, Tony und Adrien beginnen, sich zu entwickeln, ist alles stimmig und nimmt seinen natürlichen Lauf.

Der Streifen ist zum größten Teil eine wirklich gelungene Komödie, schafft es aber auch, Tragik auf eine ernstzunehmende Art und Weise zu vermitteln.

Kinostart: 19. Januar; Regie: Anne Fontaine; FSK: ab 12; Länge: 103 Minuten; Verleih: Concorde; Link: mein-liebster-alptraum.de

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Pingback: Kinotipp und Gewinnspiel: Eine ganz ruhige Kugel | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016