Familienleben

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein Gruppenphänomen

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein Gruppenphänomen

Eine Gruppe sucht häufig einen Sündenbock um tatsächliche Konflikte zu überlagern. Auch wenn am Arbeitsplatz starke Mobbingstrukturen vorliegen, sucht sich die Gruppe immer neue Mobbingopfer. Viele Mitarbeiter haben Angst sich einzumischen, denn sie könnten das nächste Opfer sein. Wenn die Vorgesetzten hinschauen und für ein gutes Arbeitsklima sorgen würden, wäre auch für Mobbing kein Platz mehr.


Mobbing ist ein Gruppenphänomen – das ergab eine Studie von Organisationspsychologen der Freien Universität Berlin. Die Psychologen Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo konnten belegen, dass die Wahrnehmung von Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einzelner Personen beruht. Im Arbeitsleben tritt es in betroffenen Abteilungen gehäuft auf. „Man ist teilweise früher davon ausgegangen, dass Mobbing eine subjektive Empfindung ist – heute gibt es Definitionen und Kriterien für Mobbing“, sagt Ingrid Sälzler, die schon seit Jahren als Therapeutin Mobbingopfer berät.

Gruppe sucht Sündenbock
Eine Gruppe suche häufig einen Sündenbock. „Das ist ein Schutzmechanismus für die anderen. Dadurch werden tatsächliche Konflikte überlagert“, sagt Sälzler. Wo starke Mobbingstrukturen vorliegen, sucht sich die Gruppe immer neue Mobbingopfer. Viele Mitarbeiter haben Angst sich einzumischen, sie könnten das nächste Opfer sein. Wenn die Vorgesetzten hinschauen und für ein gutes Arbeitsklima sorgen würden, wäre auch für Mobbing kein Platz mehr.

„Mobbing gedeiht dort nicht, wo gute Führungsstrukturen vorliegen“, sagt die Therapeutin. Die Forscher in Berlin haben den Führungsstil des Vorgesetzen als wichtiges Element bei der Entstehung von Mobbing identifiziert. So trete das Phänomen seltener in Abteilungen auf, in denen sich die Führungskräfte gesprächsbereit zeigten. Und auch, wenn Mitarbeiter bei relevanten Themen ein Mitspracherecht haben, gibt es keinen Platz für Mobbing. In diesen Abteilungen sei zudem die allgemeine Arbeitszufriedenheit höher.

Zwölf Mio. Menschen betroffen
In Europa sind nach Schätzungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz etwa zwölf Mio. Menschen von Mobbing betroffen. Trotz seines Ausmaßes wird Mobbing in der wissenschaftlichen Literatur bisher noch nicht eindeutig definiert. Probleme ergeben sich auch in der betrieblichen und juristischen Praxis, wenn Mobbing als solches erkannt und dabei beispielsweise die Glaubwürdigkeit Betroffener beurteilt werden muss.

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