THE HELP

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Jackson, Mississippi, Anfang der 60er Jahre: Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Kathryn Stockett gelingt Regisseur Tate Tylor ein so einfühlsamer wie provokativer Film über Freundschaft, Courage und Ausgrenzung. Emma Stone glänzt in der Rolle einer angehenden Schriftstellerin, die ein Buch über die “guten Geister” in den feinen Herrenhäusern schreibt – schwarze Frauen, die nach wie vor diskriminiert werden, ohne die aber die Herrschaften aufgeschmissen wären. Der die Amerikaner wohl schmerzlich an eine unschöne Vergangenheit erinnernde Film startet am 8. Dezember in den deutschen Kinos.

Als die junge Skeeter (Emma Stone) nach dem College Anfang der 60er Jahre auf die elterliche Baumwollfarm zurückkehrt, träumt sie davon Schriftstellerin zu werden. Ihre alten Freundinnen hingegen sind längst verheiratet und haben Kindern – einen Beruf auszuüben, ist in ihren Kreisen unüblich. Die langen heißen Tage verbringen die jungen Frauen beim Bridge, auf dem Tennisplatz oder mit dem Organisieren von Wohltätigkeitsbasaren für „die armen Kinder in Afrika“. Eine Welt gelangweilter Südstaaten-Ladys am Vorabend der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, in der Skeeter sich nicht länger zu Hause fühlt.

Denn sie ist anders und war es schon immer: Skeeter träumt von einem aufregenden Künstlerleben in New York und möchte am liebsten sofort wieder weg aus Jackson, wo sie das Gefühl hat zu ersticken. Ihre krebskranke Mutter Charlotte (Allison Janney) hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihre burschikose Tochter sich endlich femininer kleidet und mit der Suche nach einem standesgemäßen Ehemann beginnt.

Tatsächlich aber stellt sich Skeeter bei der örtlichen Tageszeitung vor – und darf die wöchentliche Kolumne mit Haushaltstipps schreiben. Sie hat aber keinen blassen Schimmer von der Thematik, und um ihre Rubrik überzeugend schreiben zu können, bittet sie eine Freundin um Erlaubnis, deren schwarzes Dienstmädchen Aibileen (Viola Davis) befragen zu dürfen.

Der Kontakt zur melancholischen Aibileen und deren Freundin Minny (Octavia Spencer) führt Skeeter drastisch vor Augen, dass ihre weißen Altersgenossinnen das schwarze Personal wie Menschen zweiter Klasse behandeln. So fasst sie – angetrieben von ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und entgegen aller Konventionen – den Entschluss, afro-amerikanische Frauen zu interviewen, die ihr Leben damit verbracht haben, sich als Hausmädchen um die Kinder der weißen Oberschicht zu kümmern.

Doch damit verstößt Skeeter nicht nur gegen den guten Ton, sondern auch gegen das Gesetz, womit sie sich und alle schwarzen Frauen, die ihr geheimes Projekt unterstützen, in Gefahr bringt. Aber auch Skeeters Freundschaften aus Kindheitstagen werden auf eine harte Probe gestellt. Die schwarze Gemeinde steht dem Projekt zunächst mehr als skeptisch gegenüber. Doch nach einem folgenschweren Vorfall sind immer mehr Hausmädchen bereit, Skeeter ihre großartigen, tragischen bis witzigen Lebensgeschichten zu berichten. Jede Veränderung beginnt zunächst mit einem Flüstern, doch die Stimmen werden lauter – und es gibt eine Menge zu erzählen…

Bryce Dallas Howard glänzt als Hilly, selbsternannte Chefin der jungen Oberschichts-Frauen von Jackson.  Ihr Verhalten repräsentiert auf hervorragend abstoßende Weise die Atmosphäre von alltäglicher Diskriminierung und Rassismus gegenüber den schwarzen Dienstmädchen. Nachdem sie Minny, die für ihre Kochkünste ebenso berühmt ist wie für ihre lose Zunge, entlassen hat, findet diese bei Celia Foote (Jessica Chastain), einem naiven, aber herzensguten Marilyn-Verschnitt, eine neue Anstellung. Celia ihrerseits wünscht sich nichts mehr, als in Hillys Kreisen aufgenommen zu werden. Doch die Frauen von Jackson halten sie für ein Flittchen.

Regisseur Tate Tylor hat wohl in erster Linie für ein ungewöhnlich eindrucksvolles Kinoerlebnis bei der amerikanischen Bevölkerung gesorgt. Bewegend und schmerzlich, aber auch voller Hoffnung und liebenswertem Humor wird hier der in den 60er Jahren vorherrschende Rassismus, aber auch das Klassendenken dargestellt. Gerade aus dieser gewissen emotionalen Distanz kann man ”The Help” in unseren nicht minder historisch belasteten Gefilden genießen und sich besonders als Frau noch einmal bewusst machen, dass die breite Masse sich erst vor ca. 50 Jahren aufmachte und aus den gesellschaftlichen Zwängen befreite – es geht eben nichts über Minnys Schokoladenkuchen!

Kinostart: 8. Dezember 2011; Regie: Tate Taylor; FSK: ohne; Länge: ca. 146 Minuten; Verleih: Disneys Studios; Link: thehelp-derfilm.de, Prädikat besonders wertvoll

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