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TYRANNOSAUR – EINE LIEBESGESCHICHTE

TYRANNOSAUR – EINE LIEBESGESCHICHTE

Das tief bewegende Regiedebüt des britischen Schauspielers Paddy Considine ist wahrlich kein Familienfilm, denn viel zu sehr regiert hier die Gewalt. Gewalt, weil ein Mann nicht weiß, wohin mit seiner Wut und seinem Zynismus. Gewalt gegen eine verzweifelte Ehefrau, die in ihrer Ehe gefangen ist. Und eben das ist ein Thema für eine Familienseite – eines das in der Gesellschaft verschwiegen wird, weil es sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Der Film startet am 13. Oktober in unseren Kinos.


Joseph (Peter Mullan) ist das, was man in England „People with a Temper“ nennt: ein jähzorniger Pub-Bruder in Feinripp und Jogginghose – im Grunde seines Herzens humorvoll und gerecht, allerdings nie abgeneigt, einen Konflikt handgreiflich auszutragen. Er scheint sich von Zorn und Leid gezeichnet auf einer selbstzerstörerischen Reise zu befinden.

Als Joseph nach einem erneuten Wutausbruch nicht weiß wohin, findet er in Hannahs (Olivia Colman) Charity-Shop Zuflucht. Sie scheint das exakte Gegenteil von Joseph zu sein: kontrolliert, liebevoll, warmherzig und unerschütterlich in ihrem Glauben an das Gute im Menschen. Vorbehaltlos begegnet die verheiratete Frau aus besseren Verhältnissen dem Getriebenen und bringt sein zynisches Weltbild ins Wanken.

Und auch wenn Joseph sich anfangs dagegen wehrt, berührt ihn Hannahs selbstlose Art. Sein harter Panzer beginnt ganz langsam zu bröckeln und eine zarte Bindung entwickelt sich zwischen den beiden. Als aus Freundschaft aber Zuneigung wird, muss Joseph erkennen, dass der Weg in die Zukunft durch die Untiefen des Lebens führt. Denn Hannahs Charity-Shop, der für Joseph einen Hafen der Warmherzigkeit bedeutet, entpuppt sich zugleich als Zufluchtsort für Hannah, die dort Schutz vor der Gewalttätigkeit ihres Ehemanns (Eddie Marsan) sucht.

„Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ ist das Spielfilmdebüt des britischen Schauspielers Paddy Considine („In America“, „Das Bourne Ultimatum“). Die Idee zu dem in Leeds gedrehten Film basiert auf Considines preisgekröntem Kurzfilm „Dog Altogether“ von 2007. Bereits hier erzählt er die Geschichte von Joseph, der gegen seine eigene Wut zu kämpfen hat.

Mit einer emotionalen Wucht, der man sich nicht entziehen kann, erzählt Considine mit „Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ eine ungemein ergreifende Freundschafts- und Liebesgeschichte, die trotz aller Tragik auch anrührend lustig, zutiefst menschlich und voller Hoffnung ist. Unterstützt wird dies durch die unglaubliche physische Präsenz Peter Mullans („Trainspotting“, „Neds“, „My Name is Joe“) und durch die Zerbrechlichkeit Olivia Colmans („Hot Fuzz“, „Die Eiserne Lady“) als Hannah. Olivia Colmans Rolle war die größte Herausforderung, denn ihr Charakter gibt nach außen das Bild einer lächelnden, hilfsbereiten Christin ab und hinter verschlossenen Türen das der verzweifelten Ehefrau – einer Figur, die gefangen ist in ihrer Ehe mit einem bigotten Ehemann und dessen perfidem Mangel an Selbstwertgefühl.

Vordergründig handelt es sich um eine einfache Geschichte über zwei vom Leben geprüfte Menschen, die sich gegen die Launen des Schicksals stemmen. Da aber entfaltet sich der Film mit einer ganz eigenen Kraft und Intensität. Ein vielschichtiges Werk, das einen mit der eigenen Wahrnehmung und den Vorurteilen gegenüber anderen Menschen konfrontiert.

Gewalt macht natürlich betroffen, aber auch wenn der Film emotional erschüttert, finden sich in ihm doch immer wieder Momente voller Leichtigkeit und das Gezeigte soll nie den Weg in den Schatten stellen, den die beiden gemeinsam beschreiten. Obwohl beide – Joseph wie Hannah – leiden, entwickelt „Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ eine optimistische Atmosphäre, denn beide Figuren vermitteln das Gefühl von Hoffnung.

Anlässlich seiner Weltpremiere auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival wurde „Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ mit den Preisen für die Beste Regie, den besten Hauptdarsteller und die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Auf dem Filmfest München wurde „Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ zudem mit dem CineVision Preis für den besten internationalen Nachwuchsfilm geehrt.

 

Kinostart: 13. Oktober; Regie: Paddy Considine; FSK: ab 16 Jahren.; Länge: ca. 92 Minuten; Verleih: Kino Kontrovers

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