Familienleben

Wie man Kinder vor Sucht schützt

Wie man Kinder vor Sucht schützt

Ein stabiles Umfeld schützt Kinder vor einer Alkohol- und Drogensucht im Jugend- oder Erwachsenenalter. Sind der Vater, die Mutter oder beide alkoholkrank – das Schicksal von 2,65 Mio. Kindern allein in Deutschland – so ist das Risiko für Suchtstörungen oder psychische Erkrankungen deutlich erhöht.

Was dabei hilft, dass es trotz Vorbelastung zu keiner Sucht kommt, erklärt Michael Klein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie.

Schweres Erbe Sucht
Jedes dritte Kind mit suchtkranken Eltern wird später selbst einmal abhängig, zeigen am Deutschen Suchtkongress veröffentlichte Zahlen. Das entspricht einem sechsfach erhöhtem Risiko, zudem erfolgt der Einstieg in die Sucht meist deutlich früher. Besonders männliche Jugendliche aus Familien mit Alkoholbelastung zeigen eine verringerte Empfindlichkeit gegenüber Alkohol. Viele trinken über ihre Verhältnisse oder übernehmen das Trinken der Eltern als Form der Problembewältigung.

„Der wichtigste Grund für diese Vererbung ist nicht die Genetik, sondern das wechselhafte Verhalten süchtiger Eltern – die Unberechenbarkeit, Instabilität und Verlogenheit. Werden Kinder mal schroff zurückgewiesen, mal innig geliebt, so hinterlässt das Spuren in ihrer Persönlichkeit“, warnt Klein. Erschwerend kommen besonders bei Drogenkonsum oft auch die Faktoren Verarmung, Stigmatisierung und Randständigkeit hinzu, zudem kapseln sich viele süchtige Eltern aus Schuld- oder Schamgefühl von der Umwelt ab.

Angebote fehlen
Auffallend ist, dass dennoch mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder im Jugend- und Erwachsenenalter nicht suchtkrank wird. Viele sind abgeschreckt und bleiben ganz abstinent, während bloß ein geringer Anteil einen entspannten Umgang mit Alkohol und Co entwickelt. Schützend wirkt laut Klein alles, was Kinder unabhängig macht. „Dazu gehören Autonomie etwa gegenüber der emotionalen Lage der Mutter, gute Sozialkontakte, Kreativität, Humor und Reflexion. Gut ist auch zu wissen, dass etwas in der Familie nicht stimmt.“ Gerade bei jungen Kindern sind diese Fähigkeiten jedoch naturgemäß noch kaum entwickelt.

Von der Politik fordert der Suchtexperte möglichst frühe Intervention bei Gefährdung des Kindeswohls. „Hauptziel muss sein, die Eltern darin zu stärken, kompetente Eltern zu sein, während Entmündigung das letzte Mittel bleiben muss.“ Der Rückstand bei Präventionsprogrammen ist noch groß – erhält doch bloß jedes zehnte Kind von Eltern in Suchttherapie Hilfestellungen. Das von Klein 2008 gestartete Testprogramm „Trampolin“ liefert hier Pionierarbeit, wobei man die Widerstandskraft betroffener Kinder etwa durch Vermittlung von Wissen und Bewältigungsstrategien stärken will.

Sichere Bindung
Das beste, was Eltern allgemein zum Schutz der Kinder vor Sucht machen können, sind Aufbau und Pflege einer stabilen, sicheren Bindung zum Kind, rät der Experte. Am Beginn des Lebens gehören dazu vor allem enger Kontakt und zugewandte Liebe, dann auch Prinzipien wie Klarheit, Verlässlichkeit und Einfühlungsvermögen bei gleichzeitiger Förderung der Autonomie. „Es geht um die richtige Balance zwischen Kontrolle und Freiheit – was für die psychische Gesundheit generell gilt“, so Klein.

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