Familienleben

Jugendlicher Leichtsinn und warum Teenager so sind, wie sie sind

Jugendlicher Leichtsinn und warum Teenager so sind, wie sie sind

Teenager sind töricht, handeln unkontrolliert und leben ungesund – das sind nicht nur Vorurteile, sondern ist jetzt sogar wissenschaftlich belegt. Verantwortlich für das Verhalten Heranwachsender ist jedoch nicht allein jugendlicher Leichtsinn, sondern vor allem die Gehirnentwicklung in der Pubertät.

Nur eine Frage der Gehirnentwicklung?
Darüber berichtet National Geographic Deutschland in der Oktober-Ausgabe. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche den Schaden, den etwa Rauchen oder ungeschützter Sex anrichten können, sehr wohl kennen und Risiken bewusst eingehen. Diese blenden sie aber häufig aus, weil sie das Vergnügen am Ende höher bewerten als die Gefahren. Verantwortlich dafür ist die komplexe Umorganisierung des Gehirns im Laufe der Adoleszenz: Das Gehirn wächst zwar nicht mehr, aber es wird zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr völlig neu vernetzt und verkabelt.

Die Veränderungen beginnen in der Nähe des Stammhirns, das für ältere, elementare Funktionen zuständig ist, wie Sehen, Bewegung und fundamentale Prozesse der Lebenserhaltung. Der Umbau findet danach in weiteren Hirnarealen statt und auch die Verbindung zwischen rechter und linker Hirnhälfte wird stärker. Im Ergebnis können wir Gedächtnis und Erfahrung besser nutzen, um Entscheidungen zu treffen.

Tempo und Vielfalt des Informationsaustauschs im vorderen Teil des Gehirns nehmen ebenfalls zu, so dass wir in vergleichbarer Zeit mehr Möglichkeiten durchspielen und abwägen können als vorher. Nur zu Beginn des Umbaus – in der Pubertät – funktioniert das Zusammenspiel der verschiedenen Strukturen im Gehirn eben noch nicht fehlerlos.

Die Adoleszenz ist vor allem ein Lebensabschnitt besonderer Anpassungsfähigkeit. In dieser Zeit steigt die Begeisterung für das Erleben des Unbekannten und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Besonders positiv reagieren Jugendliche in dieser Zeit auf Belohnung. Dafür liefert der Stoffwechsel eine Erklärung, der in der Adoleszenz besonders empfindlich auf den Botenstoff Dopamin reagiert. Dieser hilft einerseits bei der Entscheidungsfindung und trägt außerdem dazu bei, für Belohnungen sehr empfänglich zu sein.

Ähnlich verhält es sich mit Oxytocin, einem weiteren Hormon, das unter anderem soziale Kontakte mit angenehmen Gefühlen verbindet und auch die große Bedeutung der Peergroup für Jugendliche erklärt. Verhaltensstudien legen zudem nahe, dass das jugendliche Gehirn auf Ausschluss aus der Gruppe ähnlich reagiert wie auf körperliche Bedrohung, d.h. Teenager nehmen soziale Ablehnung als existenzielle Gefährdung wahr.

Auch für Eltern ist es wichtig, die Gehirnentwicklung ihrer Kinder zu kennen. Diese ist kein Freifahrtschein für törichtes Handeln, aber doch ein wichtiger Entwicklungsschritt in der Anpassungsfähigkeit des Menschen. Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie ihre Teenager richtig führen – nicht autoritär, aber Grenzen setzend. Die Kunst besteht vor allem darin, den richtigen Moment und die richtige Dosierung zu erkennen.

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