Ibiza: Wandern, wo andere feiern
Die Party-Insel Ibiza hat eine stille ländliche Seite. Nur wenige Kilometer abseits der Touristenzentren stößt man auf ausgedehnte Pinienwälder, romantische Buchten, Steilküsten, verträumte Dörfer, Olivenhaine, Obstgärten – und ein Wanderwegenetz. Perfektes Ambiente für einen entspannten Herbsturlaub mit der ganzen Familie.
Ibiza hat zauberhafte Ecken, die kaum jemand auf dieser Party-Insel erwartet. Die meisten Urlaubern suchen nähmlich nach Pauschalreisen direkt am Meer oder an der Partymeile von Ibiza, um mal den Arbeitsalltag für einpaar Tage hinter sich zu lassen und zu entspannen. Aber dafür, dass diese zauberhaften Ecken endlich wahrgenommen werden, sollen Wanderwege sorgen. Alte Pfade, auf denen einst Bauern und Holzfäller unterwegs waren, hat das Frendenverkehrsamt der Insel in einer Broschüre in neun Rundwegen zusammengefasst. Sie sind über das ganze Eiland verteilt, zwischen 5 und 15 Kilometer lang und beweisen, dass Ibiza neben legendärer Partykultur einen beträchtlichen Naturreichtum zu bieten hat. Den genießt man am besten im Frühjahr oder im Herbst, wenn die Sonne sich etwas zurückhält.
Auch Familien mit Kindern können sich getrost den ibizenkischen Wanderwegen anvertrauen. Die Wege sind mit Ausnahme der Klippenpfade an der Insel-Südspitze gut begehbar, bieten auf jeden Fall spektakuläre Aussichten und viele Möglichkeiten, mal eine Pause am Strand oder im Grünen zu machen.
Orchideen, Orangen und ein kleiner Gipfel
Eine schöne Wandertour für Ibiza-Neulinge ist der Aufstieg auf den höchsten Berg der Insel, den Sa Talaia. Eigentlich ist der Berg mit seinen 475 Metern Höhe nur ein Hügel. Aber einer mit Aussicht – mit Panoramablick über fast die ganze Insel. Der Weg beginnt und endet im Dörfchen Sant Josep de sa Talaia. Von Kirchplatz aus gehts über eine Gasse durch die Gärten eines Villenviertels, vorbei an Orangenbäumen, Kakteen, Orchideen. Hinter den letzten Häusern wirds kurz mal richtig steil, dann geht der Pfad durch lichten Pininenwald bequem am Hang entlang.
Eine halbe Stunde nach dem Start der erste famose Ausblick: zur linken liegt die Südküste mit zackigen Felsen und schimmernden Buchten, am Horizont die Nachbarinsel Formentera. Nach wenigen Hundert Metern hat man von einer kleinen Anhöhe den Blick die andere Seite der Insel: die Cala Tarida an der Westküste. An einem Sendemast unterhalb des Gipfels genießt man einen Rundumblick über Ibiza: im Osten bis zur Dalt Vila, der Festung der Inselhauptstadt, im Norden über Felder und Wälder, im Westen bis zur Urlauberhochburg Sant Antoni.
Nach dem Gipfel gehts bergab durch Terrassenfelder, Wälder, ausgetrocknete Bachbetten, bis die Route wieder oberhalb von San Josep auf das erste Wegstück trifft. Nimmt man sich Zeit, benötigt man für die 14 Kilometer knapp 5 Stunden. Für die anschließende Siesta gibt es keinen schöneren Platz als die Bar Can Bernat Vinja – ein schattiges Gartenlokal gegenüber der schmucken, weiß verputzten Gemeindekirche aus dem 18. Jh.
Salz und steile Klippen
Wanderziel Nummer eins im Süden der Insel sind die Salinen, jahrtausendelang die wichtigste Einnahmequelle der Ibizencos. Von den Salzfeldern am Flughafen führt eine Tour rund um die Südspitze Capo des Falcó. Fünf steile Anstiege müssen überwunden werden, teilweise gehts hart an der Kante der Klippen entlang. Feste Schuhe und Trittsicherheit sind hier absolut nötig. Immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke über die rauschende Brandung in 100 Metern Tiefe, die Meerenge zwischen Ibiza und Formentera und über die die Salzseen, die je nach Salzgehalt blau, grün oder rot in der Sonne leuchten.
Der Naturpark Ses Salines beherbergt über 200 Vogelarten. Im September bevölkern Flamingos die Seen, im Frühjahr nisten Falken in den Klippen. Alles in Sichtweite des berüchtigten Partystrandes Platja d‘en Bossa. Wer mit kleineren Kindern den Aufstieg auf die Klippen scheut: schon der Weg durch die Salinen bis zum Strand ist spannend genug für junge Wanderer.
Der wildromantische Norden
Nicht weniger spektakulär und weitaus einsamer sind die wildromantischen Landschaften im Norden Ibizas. Ebenen mit Weinanbau, Olivenhainen, Weizenfeldern gehen über in Pinienwälder, Steilküste, Felsbuchten. Diese Ecke der Insel ist nun wirklich noch Wander-Entwicklungsgebiet. Zwar führen einige der neun Wandertouren auch durch diese Gegend, aber daneben gibt es Pfade, die fast nur Einheimischen bekannt sind.
Diese Wege sind, wie die Touren des Fremdverkehrsamtes, nur spärlich markiert. Immer wieder stößt man auf kleine blaue Pfeile im Fels, das Markenzeichen von Rolf Hürten, seit Jahren als Wanderer und Autor auf der Insel unterwegs. Diese Zeichen sind recht zuverlässig, aber nicht auf Anhieb zu erkennen und manchmal von der Vegetation überwuchert.
Privatwege und Trampelpfade
Ibizas Wanderwege führen fast auschließlich über privaten Grund und Boden. Und die Grundbesitzer sehen es nicht so gern, wenn „ihre“ Trampelpfade freigeschlagen und mit Wegweisern markiert werden. Die Inselregierung verspricht Abhilfe. Bis es aber soweit ist, verlaufen Ibiza-Wanderungen bisweilen abenteuerlich. Und das hat seinen Reiz. Denn so hat man nach zweistündigem Abstieg über Geröll und Klippen eine herrliche Bucht wie die Cala d‘Albarca für sich allein. Von Kormoranen und vielleicht einem einheimischen Angler abgesehen.
Mehr über Ibiza unter www.ibiza.travel
Fotos: Thomas Meins
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