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„Offen für alles“ von Florian Schröder: Die Qual der Wahl im Coffeeshop

„Offen für alles“ von Florian Schröder: Die Qual der Wahl im Coffeeshop

Ein Leben zwischen Facebook und Starbucks – klingt sexy und cool, ist aber für Florian Schröder eher der Vorhof zur Hölle der Möglichkeiten. Der Autor und Kabarettist rechnet in seinem Buch mit der „Generation Praktikum“ ab – gnadenlos und höchst unterhaltsam.

Bei der Lektüre von Florian Schröders „Offen für alles n nicht ganz dicht“ wird einem einiges klarer – über das Leben der „Generation Praktikum“, die Bundespolitik und möglicherweise über das eigene Schicksal. Schröder (Jahrgang 1979) schreibt über die Generation der 30-Jährigen. Er schreibt über ein Leben zwischen Starbucks und Facebook, über junge Menschen, die sich für „unglaublich mobil, ungeheuer flexibel und unfassbar kreativ“ hält. Eine Generation, die alle Möglichkeiten zu haben scheint, aber doch ziemlich kläglich scheitert. Schon bei der Auswahl der Kaffeesorte im Coffeeshop.

Chaos im Coffeeshop

Bei Starbucks – wie im wahren Leben – gibt es unendlich viele Möglichkeiten: der Kaffeebecher kann tall oder grande sein, hinein kommt Caffé Latte, Cappuccino, Caramele macchiato, dunkle Schokolade, helle Schokolade – und das alles und noch viel mehr entweder to go oder in house. Schwierig, sich da zu entscheiden. Florian Schröder jedenfalls verzweifelt schier daran, sich einen schlichten Filterkaffee zu bestellen. Denn dann müsste man sich entscheiden, wirklich wissen was man will und auch dafür geradestehen.

Die Jungspunde der FDP

Die Generation der 30-Jährigen, die gerne „irgendwas mit Medien“ macht, ist längst in der Regierung angekommen. Entsetzt stellt Schröder fest, dass Typen wie der FDP-Minister Philipp Rösler und der FDP-Generalsekretär Christian Lindner zur Bande der volldigitalisierten Jungspunde gehören, die per Twitter Statusmeldungen absondern, aber einen echten Standpunkt scheuen.

So gesehen erscheint die jüngste Berliner Steuersenkungsdebatte als Theater der Unentschlossenen: Die Regierung vereinbart auf Druck der FDP eine Steuersenkung, aber ob die wirklich kommt und wie hoch sie ausfällt, lässt man erstmal offen. Bloß keine endgültigen Entscheidungen treffen, lieber erstmal in den Urlaub fahren.

Florian Schröder, bekannt als TV-Kabarettist (u. a. „Neues aus der Anstalt“), geht in 27 Kapiteln hart mit seiner Generation ins Gericht. Ob beim verkrampften ersten Date, beim lauwarmen Protest gegen Studiengebühren oder im Abhängen in den Trendcitys der Republik – der 30-Jährige ist offen für alles und irgendwie nicht ganz dicht. Das gilt aber auch für ältere Semester.

Freizeit, Arbeit, Wahnsinn

Längst sind typische Merkmale der „Generation Praktikum“ auch in andern Altersgruppen angekommen. Schröder beschreibt eindringlich den zunehmenden Wahnsinn der modernen Arbeitswelt: Man ist in irgendwelche Projekte verstrickt, arbeitet in seiner Freizeit, macht die Arbeit zur Freizeit, ist ständig erreichbar und hechelt Terminen hinterher. Man tummelt sich auf Social Media Plattformen auf der Suche nach Kontakten und Aufträgen und bleibt doch allein und ein armer Schlucker.

Der moderne Mensch, so scheint es, ist ein Gefangener der Möglichkeiten der digitalisierten und globalisierten Welt. Mehr Chancen waren nie – aber die Qual der Wahl führt doch nur zum Stillstand. Wer sich entscheidet, Schröders „Offen für alles“ zu lesen, wird belohnt. Mit Sprachwitz, humorvollen Episoden und manchmal erschütternd präzisen Beobachtungen absurder Alltagsszenen. Schröder trifft den Nerv einer Generation. Ein knackiges Buch, das sich bestens bei einer heißen Tasse Kaffee im Coffeeshop Ihrer Wahl genießen lässt.

„Offen für alles und nicht ganz dicht“ ist als Taschenbuch (233 Seiten) bei rororo erschienen und kostet 9,99 Euro.

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