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BARNEY’S VERSION

BARNEY’S VERSION

Zigarren, Whiskeys und mindestens eine Ehe zu viel – in diesem Ambiente wird das Kinopublikum ab 14. Juli auf eine Funken sprühende Achterbahnfahrt durch das Leben von Barney Panofsky mitgenommen – inklusive schamloser Abstürze, schlagfertiger Steilkurven, ungenierter Liebesloopings und einer glänzenden Schauspielerriege  wie Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike und Minnie Driver.

Fernsehproduzent Barney Panofsky (Paul Giamatti) ist ein scheinbar durchschnittlicher Mann, der ein ganz außergewöhnliches Leben führt. Und nun will er uns davon erzählen. Aber warum jetzt? Auslöser für seine offenherzige, pikante Lebensbeichte – die vier Jahrzehnte, drei Ehen, zwei Kontinente und eine große Liebe umfasst – ist die Veröffentlichung der Memoiren seines Erzfeindes. Der offenbart darin einige der dunkelsten Kapitel aus Barneys Leben: die vielen, oft undurchsichtigen Geschäfte, die zu Barneys Erfolg geführt haben, Barneys drei Ehen, die allesamt scheiterten, und – besonders problematisch – das mysteriöse, noch ungeklärte Verschwinden von Barneys bestem Freund Boogie (Scott Speedman). In diesem ungelösten Fall, möglicherweise ein Mord, gilt Barney noch immer als Hauptverdächtiger. Barney sieht sich vollkommen bloßgestellt und sogar als vermeintlicher Mörder in Verruf gebracht. Also entscheidet er sich, nun „seine“ Version der Geschichte zu erzählen. Zumindest soweit er sich erinnern kann…

Denn manchmal lässt ihn sein Gedächtnis im Stich, und außerdem hat er die unglückliche Angewohnheit, sich im entscheidenden Augenblick gern bis zur Bewusstlosigkeit volllaufen zu lassen. Also nimmt Barney es weder mit der Höflichkeit noch mit der Wahrheit allzu genau – doch er nimmt uns mit auf seinen Weg durch seine Lebensgeschichte. Und zwar nicht nur, um den anderen sein Leben zu erklären – eigentlich will er selbst sein Leben verstehen.

Besonders viel erfahren wir über Barney als Zeugen seiner drei Ehen, von denen jede unterschiedliche „Akte“ seines Lebens darstellen. Da ist seine erste Frau Clara (Rachelle Lefevre), ein Freigeist mit flammend roter Mähne, mit der Barney seine kurzlebige Bohème-Zeit in Rom verbringt und die ihn schamlos und wiederholt betrogen hat.

Nach seiner Rückkehr nach Montreal heiratet Barney seine „zweite Gattin“ (Minnie Driver), eine schwer reiche, ständig shoppende und allzu mitteilsame „jüdische Prinzessin“, die kaum bemerkt, dass Barney ihr längst nicht mehr zuhört. Auf der prunkvollen Hochzeitsfeier mit eben dieser „2nd Mrs. P“ lernt Barney dann seine wahre Liebe Miriam (Rosamund Pike) kennen und beginnt, sie zu umwerben – bis er sie endlich zu seiner dritten Frau und Mutter seiner zwei Kinder machen darf. In diesem schonungslosen Blick zurück darf auch sein eigenwilliger Vater Izzy (Dustin Hoffman) nicht fehlen, und erst recht nicht sein lasterhafter bester Freund Boogie, den Barney schließlich auf dem Gewissen haben soll.

Noch während der Ehezeit mit Miriam wird Barney von vielen verdächtigt, Boogie tatsächlich ermordet zu haben – und manchmal hält sich Barney sogar selbst für den Täter. Boogie, der von Barney sowohl geliebt als auch beneidet wird, ist nämlich eines Tages einfach wie vom Erdboden verschwunden – und auch Barneys Jugend ist endgültig dahin.

Barneys Reise in die Vergangenheit ist, wie er selbst sagt, „die wahre Geschichte meines verschwendeten Lebens“. Er ist bis zur Unerträglichkeit aufrichtig, legt jede seiner Schwächen und Fehler schonungslos offen und sprüht nur so vor selbstzerstörerischem Witz. So fordert er uns praktisch dauernd dazu auf, ihn nur ja nicht zu mögen… Es ist jedoch unmöglich jemandem nicht zu vergeben, der so klug, witzig und reich an Selbsterkenntnis ist wie Barney. Denn sein schonungsloser Humor ist nur eine raue Schale: er erweist sich in Wahrheit nämlich nicht nur als eingefleischter Romantiker – wie seine lebenslange Zuneigung zu Miriam beweist -, sondern ist auch zu etlichen heimlichen Akten der Galanterie, Großzügigkeit und Gutherzigkeit imstande. Und zwar genau dann, wenn man – und er selbst – es am wenigsten erwartet. Sein Leben ist alles andere als „verschwendet“, sondern vielmehr überbordend und im großen Stil aus dem Vollen gelebt. Und im Mittelpunkt dieser Geschichte steht ein überraschender, aber unvergessener Held: Barney Panofsky.

Zigarren, Whiskeys und mindestens eine Ehe zu viel. Frei nach Mordecai Richlers preisgekrönter satirischer Romanvorlage „Barney’s Version“ („Wie Barney es sieht“) – seinem letzten (1997) und unumstritten auch bestem Werk – wird nun auch das Kinopublikum auf eine Funken sprühende Achterbahnfahrt durch das Leben von Barney Panofsky mitgenommen – inklusive schamloser Abstürze, schlagfertiger Steilkurven und ungenierter Liebesloopings.

„Barney’s Version“ mit Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike und Minnie Driver u.a. ist ein mitreißender Mix aus Art-House-Drama und schwarzer Komödie. Spritzig, subversiv mit herrlich-jüdischem Wortwitz – oder, wie Barney erfrischend zynisch meint: „Die wahre Geschichte meines verschwendeten Lebens“. Doch sein schonungsloser Humor ist nur eine grandiose raue Schale, denn hinter Barneys zügellosem Mundwerk verbirgt sich mindestens genauso viel Herz wie Biss.

Paul Giamattis superbe Performance gehört zum Besten, was man im Kino im Fach „Charakterdarsteller“ zu sehen bekommt.  Und Achtung: Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Anschauen von „Barney’s Version“  den IQ um mindestens 20 Punkte erhöhen kann…

Kinostart: 14. Juli 2011; Regie: Richard J. Lewis; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 134 Minuten; Verleih: Universal; Link: barneysversionthemovie.com , Prädikat wertvoll

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