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Landurlaub in Istrien: Malvasija und Magie

Landurlaub in Istrien: Malvasija und Magie

Venezianische Paläste, eine toskanisch anmutende Landschaft und eine erstklassige Küche: die Rede ist nicht von Italien, sondern vom Hinterland der kroatischen Adriaküste. Eine Landpartie durch das grüne Istrien.

Motovun ist magisch. Von weitem wirkt das Hügeldorf mit Turm und Zinnen wie ein verwunschenes Märchenschloss. Spektakulär thront das Städtchen 300 Meter hoch über dem grünen istrischen Hinterland. Eine steile, abenteuerlich gepflasterte Gasse windet sich hinauf in die Altstadt und hinein in eine andere Zeit. Ein mächtiges Stadttor, zwei Kirchen, Wachturm, venezianische Bürgerhäuser und Paläste, ein mittelalterlicher Brunnen – ein verträumter Flecken mit Patina. Außer ein paar bunt ausstaffierten Restaurants und Läden gibt es nichts Neuzeitliches in Motovun. Auch keine Autos, die müssen unten vor der Mauer parken.

Hügel mit Anziehungskraft

Die Illyrer errichteten an diesem Platz vor dreitausend Jahren eine Fluchtburg, unter venezianischer Herrschaft wurde Motovun zu einer Festung ausgebaut. Abwechselnd lieferten sich Kelten, Römer, Türken, Slaven, Venedig und Österreich Kriege um das kleine Motovun, ein Ort mit offenbar starker Anziehungskraft. Erika Legovic, Inhaberin des einzigen Hotels am Platz, bietet eine esoterische Erklärung an für diese Ausstrahlung. Auf dem Berg von Motovun, raunt sie, sammle sich seit Urzeiten eine geheimnisvolle, heilende Kraft, die sich schon die Illyerer zunutze gemacht hätten. Ihr Hotel „Kastel“, untergebracht in einem venezianischen Palast aus dem 17. Jh. ganz oben auf dem Hügel, profitiert von dieser Magie. Im Garten direkt an der Festungsmauer wiegen sich die Palmen im Wind, unter einer alten Kastanie auf dem Vorplatz wird das Abendessen serviert. Von jedem der hochherrschaftlichen Zimmer bietet sich ein anderer, fantastischer Blick auf eine Bilderbuch-Landschaft aus Weinbergen, Olivenhainen und Trüffelwäldern im Tal des Flüsschens Mirna.

Schinken und der Stolz des Landes

Knapp 30 Kilometer hinter der felsigen Adriaküste zeigt Kroatien seine sanfte Seite. Das mediterrane, hügelige Land ist dünn besiedelt, aber voller Überraschungen. Über 200 Bauernhöfe, Gasthöfe, Winzerbetriebe, Landhäuser und familiär geführte Hotels wie das „Kastel“ listet der Tourismusverband Istriens als agrotouristische Betriebe auf. Dazu gehört auch der Bauernhof von Orjeta und Izak Toncic nördlich von Motovun. Auf ihrem Hof kann man zwar nicht wohnen, aber vorzüglich essen und dazu die ungestörte Aussicht von der Terrasse über die günen Hügel bis zur slowenischen Grenze genießen. Die Spezialität der Toncics ist Prsut, der typische istrische Schinken. Das Fleisch liefern Schweine aus dem eigenen Stall, der Nachbar schlachtet und Orjeta stellt nach geheimem Familienrezept den luftgetrockneten Schinken in der Reifekammer her.

Die Trüffel, die bei Toncics scheibchenweise mit selbst gemachten Ravioli serviert werden, sind der besondere kulinarische Stolz der Istrier. Die Pilze werden in den Wäldern um Motovun von Hunden erschnüffelt und fast wie Edelsteine gehandelt. Seit dort 1999 der weltgrößte Trüffel (1,3 kg, angeblicher Marktwert 180.000 Euro) gefunden wurde, hat sich ein dickes Geschäft um das edle Gewächs entwickelt. In jeder Konoba, istrische Variante der Taverne, findet man sie auf der Speisekarte, in jedem Dorf sind sie frisch oder verarbeitet in Salz, Wurst oder Öl zu haben.

Wo Olivenöl und Wein fließen

Auch mit Olivenöl ist das Land reich gesegnet. Zwei Dörfer und eine kurvige Landstraße vom Hof der Toncics entfernt hütet Klaudio Ipsa seine Olivenhaine. Ipsa bewirtschaftet 1200 Bäume, einige bis zu 250 Jahre alt, und hat mit seinen kaltgepressten Ölen etliche internationale Auszeichnungen eingeheimst. „Istrien hat genügend Sonne, genügend Wind und genügend Wasser für meine Bäume“, schwärmt Ipsa. Schon sein Urgroßvater machte in dem kleinen Dorf Livade in Öl, aber der scherte sich sicherlich noch nicht um das richtige Marketing. Das wiederum beherrscht Klaudio – im Erdgeschoss seines Anwesens zeigt er stolz seine Hightech-Edelstahltanks, erzählt, wie seine „heiligen Bäume“ in Handarbeit geerntet werden und die (bittere) Ölverkostung zelebriert er wie eine Weindegustation.

Ähnlich wie der Olivenanbau hat sich auch der Weinbau nach den dürren Tito-Jahren und der wirren Bürgerkriegszeit in Istrien wieder berappelt. Ein Landurlaub wäre nicht rund, würde man nicht auch bei einem der 350 Winzer vorbeischauen. Einige Winzerbetriebe bieten auch Betten und Gastronomie an, andere konzentrieren sich ganz auf den Weinbau. Was die Winzer eint, ist die Liebe zur einheimischen Rebsorte Malvasija. Meisterhaft versteht sich Marino Markezic auf diesen eleganten, frischen Weißwein – und auf das passende Wohlfühlambiente. Sein Weingut „Kabola“ bei Momjan ist ein Schmuckstück, ein gediegen renoviertes Landgut mit Zypressenallee und Toskana-Flair. Einen Teil seiner Ernte verbuddelt er in der Erde hinterm Haus, dort keltert Markezic den Wein wie die alten Römer in großen Amphoren.

Trüffel, Pasta, bestes Olivenöl, frischer Adria-Fisch und eine Flasche Malvasija sind in Istrien überall zu haben. Feine Zutaten für einen rustikalen Urlaub in einem Landhaus. Ähnlich den Fincas in Spanien wurden in den letzten Jahren immer mehr verlassene istrische Landgüter zu komfortablen Ferienunterkünften umgebaut. Silva Pregara hat sein Gehöft im nordistrischen Buje in eine prächtige Villa mit vier Apartments verwandelt. Mit Pool, Garten und Grillhütte, hinterm Grundstück führt ein Wanderweg in ein lichtes Wäldchen. In der Ferne glitzert das Mittelmeer. Aber wer will schon an die überfüllte Küste, wenn er mit einem guten Glas Wein in der Hand und Jakobsmuscheln auf dem Grill magische und ungestörte Stunden auf dem Land verleben kann?

Weitere Informationen zu Istrien unter www.istra.hr

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