Familienleben

Selbstbewusste Jugendliche werden keine Koma-Säufer

Selbstbewusste Jugendliche werden keine Koma-Säufer

„Koma-Saufen“, alkoholisierte Tampons oder Alkopops – in den Medien häufen sich Schlagzeilen über berauschte Jugendliche. Kinder müssen vor dem ersten Kontakt mit Alkohol durch Präventivprogramme aufgeklärt werden. Denn Kinder mit besserem Selbstbewußtsein und Medienkompetenz trinken und rauchen später weniger als Gleichaltrige.

„Deutschland steht international über dem Durchschnitt, wenn es um die Menge und den ersten Schluck Alkohol geht“, sagt Karina Weichold von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit IPSY geht die Entwicklungspsychologin gegen diese Misere an. „IPSY steht für Information und Psychosoziale Kompetenz und versucht, ganz grundlegende Lebenskompetenzen zu vermitteln“, erläutert Weichold.

„Wir reagieren nicht auf eine kurzfristige Medienpräsenz über dieses Thema“, betont Weichold. Die Entwicklungspsychologin forscht mit ihrem Team schon seit zehn Jahren zu Möglichkeiten der Prävention. Sie weiß: Kinder mit besserem Selbstbewußtsein und Medienkompetenz trinken und rauchen später weniger als Gleichaltrige. „Mit Aufklärung allein ist es nicht getan“, sagt Weichold. Es nütze wenig, den Kindern ein Bild von einer zerfressenen Leber zu zeigen. Prävention müsse deshalb woanders ansetzen.

„Nein“ zu Alkohol und Zigaretten
Mit dem Programm IPSY können die Jenaer Forscher Erfolge verbuchen. „Der alterstypische Anstieg im Konsum von Alkohol und Zigaretten ist bei Schülern, die an unserem Programm teilnehmen, geringer als in den Kontrollgruppen. Dazu ist das Einstiegsalter hinausgezögert“, sagt Rainer Silbereisen, der das Projekt gemeinsam mit Weichold leitet. Etwa 1.700 Thüringer Schulkindern im Alter zwischen 10 und 15 Jahren haben das Trainings- und Informationsprogramm durchlaufen.

„Mit unserem Programm wollen wir die Kinder erreichen, bevor sie erstmals mit Alkohol oder Zigaretten in Berührung kommen“, erläutert Silbereisen. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur kooperiert mit den Forschern. „Insgesamt führt IPSY dazu, dass die Kinder weniger leicht durch Gruppendruck zu beeinflussen sind und es ihnen leichter fällt, ,Nein‘ zu Alkohol oder Zigaretten zu sagen.“

IPSY ist aber keine Wunderpille
Die Schüler trainieren den Umgang mit Stress und Angst und die Reflexion des eigenen Selbstbildes. Rollenspiele, Bewegungs- und Entspannungsübungen gehören ebenso zum Konzept. „Lernkompetenzprogramme gibt es einige, wir haben das Rad nicht neu erfunden“, sagt Weichold. Mit IPSY habe man aber erreicht, dass die Schüler lieber in die Schule gehen. Das Programm sei aber keine Wunderpille, alle beteiligten – Schule, Kinder und Jugendliche, Lehrer und Behörden – müssten mitziehen.

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