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Raucher benötigen mehr Unterstützung

Raucher benötigen mehr Unterstützung

Führende Experten für Suchterkrankungen, Rauchentwöhnung und Tabakkontrolle sehen Nachholbedarf bei den Anstrengungen der deutschen Politik. Gleichzeitig fordern Bevölkerung und Ärzteschaft eine bessere Ausbildung von Medizinern und mehr Unterstützung bei der Finanzierung und dem Angebot von Hilfen zur Rauchentwöhnung.

Der EQUIPP-Report analysiert die Anstrengungen und Fortschritte von 20 europäischen Ländern zum Nichtraucherschutz und zur Bekämpfung der Nikotinabhängigkeit. Hier sein Fazit:

– Nichtraucherschutz und Rauchentwöhnung: Deutschland ist ein Schlusslicht im europäischen Vergleich
– Ärzte und Fachgesellschaften fordern Politik zum Handeln auf
– Raucher hoffen auf mehr Unterstützung beim Ausstieg
– EQUIPP-Report fordert: Allgemeines Rauchverbot in der Öffentlichkeit, Werbeverbot für Tabakprodukte, Erhöhung der Tabaksteuer.

Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. Nahezu jedes menschliche Organ wird durch den Tabakkonsum geschädigt. Das wiederum begünstigt eine Vielzahl ernsthafter Erkrankungen.

Deutschland kommt Verpflichtungen nicht voll nach
In Deutschland raucht nach wie vor jeder vierte Mensch über 15 Jahren regelmäßig. Die Gesamtkosten (direkte and indirekte) des Tabakrauchens in Deutschland belaufen sich auf über 17 Milliarden Euro pro Jahr. Trotzdem hapert es weiter an der Umsetzung der Richtlinien zur Eindämmung des Tabakkonsums, so das Ergebnis des EQUIPP-Reports. In Deutschland wurden auf Länderebene zwar Nichtraucherschutzgesetze eingeführt, allerdings gibt es viele Unterschiede zwischen den Bundesländern und zu viele Ausnahmen. Ein umfassendes Rauchverbot in der Öffentlichkeit fehlt.

Zum anderen gibt es zwar Aufklärungsprogramme, um insbesondere Jugendliche zu motivieren, nicht mit dem Rauchen zu beginnen beziehungsweise aufzuhören. Das deutsche Gesundheitssystem unterstützt die Behandlung der Nikotinabhängigkeit aber nach wie vor nicht. „Die Ergebnisse für Deutschland sind im europäischen Vergleich bedauerlich. Offenbar muss gerade hier in Deutschland noch sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden“, sagte Dr. Thomas Hering, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pneumologen, bei der europäischen Erstvorstellung des EQUIPP-Reports.

Kaum Unterstützung – Gesetzgeber ist gefordert
Über 78 Millionen Raucher in Europa möchten mit dem Rauchen aufhören. Aber die Hälfte der Befragten einer heute vorgestellten Studie, die bereits eine Rauchentwöhnung versuchten, bewerten die Unterstützung als unzureichend, schwach oder inakzeptabel. Die Befragung von 2.381 deutschen Frauen und Männern (Alter > 18 Jahre) ergab, dass sich über 40 % der deutschen Raucher eine größere finanzielle Unterstützung bei Medikamenten und Beratung sowie eine bessere Unterstützung und Ausbildung der Ärzte wünschen.

53 % der deutschen Raucher finden, dass mehr in die Senkung der Raucherquote als in die Behandlung rauchbedingter Krankheiten investiert werden sollte. 61 % der deutschen Hausärzte und 80 % der Pulmologen (Befragung unter 200 deutschen Ärzten) teilen diese Meinung. Sie sehen die Notwendigkeit für eine übergreifende Zielsetzung der Bundesregierung zur Senkung der Raucherquote. Unter den europaweit befragten Medizinern glauben 87 %, dass die Unterstützung für Raucher durch Hausärzte erfolgen sollte. Doch mehr als die Hälfte der Ärzte (55 %) glaubt, dass die Aus- und Weiterbildung nicht ausreicht, um diese Hilfestellung effektiv zu gestalten.

„Wenn die Gesundheitspolitik nicht bald handelt, wird sie sich zu Recht vorwerfen lassen müssen, wider besseres Wissen und entgegen ihrem gesetzlichen Auftrag des Gesundheitsschutzes die Folgen des Tabakrauchens mit 120.000 vermeidbaren vorzeitigen Todesfällen pro Jahr hinzunehmen. Der Gesetzgeber muss jetzt den klaren Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft folgen, um seinem Auftrag des Gesundheitsschutzes gerecht zu werden“, so Hering weiter.

Das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin ist vergleichbar mit dem von Kokain oder Heroin. Starke Raucher benötigen unter anderem die Unterstützung durch gut ausgebildete Ärzte, um von der Nikotinsucht loszukommen. Der EQUIPP-Report gibt umsetzbare Empfehlungen für die Politik und die Leistungsträger des Gesundheitswesens. Ziel ist es, die Rauchentwöhnungsinfrastruktur zu verbessern und sicherzustellen, dass Raucher, die mit dem Rauchen aufhören wollen, professionelle Unterstützung finden. Des Weiteren bietet der Report praktische Anhaltspunkte zur Implementierung der Vorgaben der WHO-Rahmenkonvention FCTC.

Die aktuellen Empfehlungen für Deutschland:
1. Allgemeines Rauchverbot in der Öffentlichkeit
2. Werbeverbot für Tabakprodukte – auch für indirekte Werbung
3. Erhöhung der Tabaksteuer
4. Erstattung von Rauchentwöhnungsprogrammen und -therapien
5. Hausärzte als Zentrum der Rauchentwöhnung
6. Aufbau von regionalen Rauchentwöhnungsnetzwerken
7. Aufnahme der Rauchentwöhnung in die Ausbildung von Medizinstudenten und medizinischem Fachpersonal

Dr. Thomas Hering: „Der EQUIPP-Report hilft uns dabei, ein Verständnis für die notwendigen weiteren Schritte zur Umsetzung der Kontrolle zu schaffen. Das Zukunftsmodell für eine erfolgreiche Behandlung der Nikotinsucht ist die Anwendung der Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und medikamentöser Unterstützung. Vor allem aber gilt es, durch geeignete gesetzliche und steuerliche Maßnahmen den Zugang zu Zigaretten zu erschweren und damit Anreize gegen das Rauchen zu setzen.“

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