Film

IN EINER BESSEREN WELT

IN EINER BESSEREN WELT

Das emotionale Drama von Dänemarks Spezialistin für menschliche Gefühle Susanne Bier wurde mit einem Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film ausgezeichnet. Der am 17. März in den deutschen Kinos startende Film erzählt eindrucksvoll intensiv und zeitlos von Liebe, Rache, Gerechtigkeit und der Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen.


Anton (Mikael Persbrandt) arbeitet als Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingslager. Als Mitglied eines internationalen Teams behandelt er unter einfachsten Bedingungen selbstlos und bis zur Erschöpfung unzählige Kranke, rettet Leben und kämpft engagiert gegen den nicht versiegenden Strom hilfsbedürftiger Menschen. Als eines Tages eine junge Frau mit aufgeschlitztem Unterleib als Notfall zu ihm gebracht wird, hört er erstmals von „Big Man“, dem mächtigsten Verbrecher der Region, der für die Verstümmelung unschuldiger, meist schwangerer Frauen verantwortlich gemacht wird.

Daheim in Dänemark kümmert sich Antons Frau Marianne (Trine Dyrholm) um die gemeinsamen Söhne Elias (Markus Rygaard) und Morton. Elias ist ein auffällig introvertierter Junge, der in der Schule oft aufgezogen und beschimpft wird. Er wehrt sich nicht, nimmt seine Frustration mit nach Hause und beschimpft immer häufiger die besorgte Mutter und den kleinen Bruder. Die Ehe der Eltern kriselt seit einem Seitensprung von Anton, den Marianne nicht verzeihen kann. Kurz nach Antons Rückkehr aus Afrika zieht sie ins Sommerhaus der Familie.

Der zwölfjährige Christian (William Jøhnk Nielsen) hat gerade seine Mutter verloren. Mit seinem hilflosen Vater Claus (Ulrich Thomsen) zieht er nach der Beerdigung zur Großmutter, verweigert ihm gegenüber jegliches Gespräch über den familiären Verlust und sucht die Einsamkeit. Hat doch der Vater nach der langen Krebserkrankung der Mutter nach Christians Meinung kaum Trauer um deren Tod gezeigt.

An seinem ersten Tag in der neuen Schule beobachtet Christian, wie Elias von einer Bande Halbstarker um den gewaltbereiten Sofus traktiert wird. Christian beschützt Elias und die Jungen werden Freunde.

Als Christian erneut mitbekommt, wie Elias gehänselt wird, greift er ein, schlägt Sofus in einer abgelegenen Schultoilette brutal zusammen und bedroht ihn mit einem Messer. Bei der folgenden Polizeiuntersuchung leugnen Christian und Elias, dass ein Messer im Spiel gewesen sei und haben somit keine juristischen Konsequenzen zu befürchten. Claus, der Christian von der  Polizei abholt, erfährt auf der Heimfahrt, dass sein Sohn seine Tat als Selbstverteidigung versteht: Er habe so aggressiv gehandelt, um weitere Übergriffe auf ihn und Elias durch die Demonstration von Macht und das Schüren von Angst verhindern zu können.

Bei einem Ausflug mit Christian und seinen Söhnen schlichtet Anton eine Sandkasten-Prügelei zwischen Morten und einem fremden Jungen, dessen Vater Lars (Kim Bodnia) ihn daraufhin attackiert und ohrfeigt. Während Christian fordert, die Polizei zu rufen, will Anton eine Eskalation vermeiden, indem er dem Konflikt aus dem Weg geht. Elias und Christian sind wütend. Elias verlangt von seinem Vater, sich zu wehren und kein Schwächling zu sein. Dass Anton sich selbst zu einem Idioten mache, wenn er wie Lars einfach zuschlage, lässt Elias als Argument nicht gelten.

Als Christian die Idee hat, Lars Auto mit einer selbst gebastelten Bombe in die Luft zu jagen, um ihm eine Lektion zu erteilen, willigt Elias nur zögerlich ein. Doch er will seinen einzigen Freund nicht verlieren. Gemeinsam machen sich die Jungen an die Vorbereitungen.

Anton reist ein weiteres Mal nach Afrika und macht diesmal die unfreiwillige Bekanntschaft mit „Big Man“, als dieser sich wegen einer schweren Infektion in ärztliche Obhut begeben muss. Anton behandelt das „Monster“, wie der Verbrecher von seinen Teamkollegen genannt wird.
Als „Big Man“ mit pietätlosen, barbarischen Bemerkungen den Tod einer Patientin kommentiert, verliert er den Schutz des Arztes. Anton zerrt ihn aufgebracht von der Krankenstation und überlässt ihn den vielen Feinden im Camp und seinem tödlichen Schicksal.

Anton ist erschöpft, fassungslos und sprachlos ob der Brutalität und Gewalt und fast überrascht von seiner Entscheidung, einen Menschen so auszuliefern. Ihn quält die Frage, ob das, was passiert ist, Gerechtigkeit ist oder einfach nur Rache.

Als Elias seinem Vater in einem Telefonat von dem geplanten Bombenanschlag berichten will, kann er die Not und die Angst seines Sohnes gar nicht zur Kenntnis nehmen. Und damit beginnt die Bombe zu ticken…

Susanne Bier zählt zu den national sowie international erfolgreichsten dänischen Regisseurinnen der Gegenwart. Sie gilt als Expertin für glaubwürdige Figuren, authentische Konflikte und eine außergewöhnliche Mischung aus Humor und Trauer im melodramatischen Genre. 2004 inszenierte sie das überaus erfolgreiche Familiendrama „Brothers – Zwischen Brüdern“, eine zeitlose Version des biblischen Kain-und-Abel-Stoffes vor dem Hintergrund des Afghanistan-Krieges. Ihre Nachfolgeproduktion „Nach der Hochzeit“ (2006) – eine bildgewaltige und fast märchenhafte Parabel von Arm und Reich, Leben und Tod, Freundschaft und Liebe – führte sie mit einer Oscar-Nominierung als bester nicht-englischsprachiger Film nach Hollywood.

Mit ihrem Drama „In einer besseren Welt“, das seine internationale Premiere 2010 auf dem renommierten Toronto International Film Festival feierte, wendet sie sich erneut der Familie als gesellschaftlicher Keimzelle, der schwierigen Frage nach Gut und Böse und den bunten Facetten des weltweiten Miteinanders zu. Der Film wurde mit einem Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film ausgezeichnet. Bereits am 16. Januar wurde der Film mit einem Golden Globe in der Kategorie “Bester ausländischer Film” geehrt. Auch auf den Internationalen Film Festivals in Rom, Sevilla und im indischen Goa wurden das Familiendrama und seine Regisseurin mehrfach preisgekrönt.

„In einer besseren Welt“ ist bereits die vierte Zusammenarbeit von Drehbuchautor Anders Thomas Jensen und Susanne Bier. Während Bier als nüchterne Realistin und aufmerksame Beobachterin gilt, bringt Jensen sein Gespür für absurde Wendungen, unerwartete Komik und sentimentale Situationen ein.

Der charismatische Mikael Persbrandt ist einer der berühmtesten Schauspieler Schwedens, der hierzulande vor allem durch seine TV-Auftritte als Gunvald Larsson in der beliebten Krimiserie „Kommissar Beck“ bekannt wurde. In der Rolle des Arztes und Vaters Anton schafft er es, dass sich zuschauende Eltern bei der Grenzwanderung ertappt fühlen, die sie tagtäglich gehen zwischen dem Gelebten und den Werten, die sie ihren Kindern vermitteln.

Hervorragend spielen die beiden Jungen Markus Rygaard und William Jøhnk Nielsen die beiden Freunde Elias und Christian – gar nicht aufgesetzt, und das macht sie unseren Kindern noch ähnlicher. Das ist die Welt, in der wir leben.

Kinostart: 17. März 2011; Regie: Susanne Bier; FSK: ab 12 Jahren; Länge: ca. 117 Minuten; Verleih: Universum/24 Bilder; Link: ineinerbesserenwelt-film.de/

Kommentare anzeigen (8)
Film

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016