Familienleben

Innere Ordnung schützt vor Burnout

Innere Ordnung schützt vor Burnout

Wer der Arbeit den richtigen Platz im Leben zuweist, läuft nicht in Gefahr des „Ausbrennens“. Das vertritt der Wiener Psychiater und Pyschotherapeut Raphael Bonelli. „Burnout ist keine objektive Arbeitsüberlastung, sondern deren subjektives Empfinden. Betroffene verschmelzen oft völlig mit ihrer Arbeit, werden von ihr jedoch enttäuscht. Der beste Schutz davor ist innere Freiheit“, so der Experte.


Einseitige Liebe
Falsche Ansprüche an den Beruf sieht Bonelli als häufige Burnout-Verursacher. „Viele wünschen sich insgeheim, dass sie aufgrund ihres beruflichen Übereifers geliebt, anerkannt und beachtet werden. Sie wenden immer mehr Zeit und Einsatz für die Aufgaben auf. Ihr Umfeld sieht das jedoch nach einiger Zeit als normal an und setzt die Erwartungen höher.“ Spätestens wenn der Glaube enttäuscht wird, man sei unersetzlich und unkündbar für die Firma, fliegt auch die Lebenslüge auf – die Sinnkrise ist vorprogrammiert.

Aufgaben zur richtigen Zeit erledigen
Rechtzeitiges Gegensteuern heißt nicht, weniger zu arbeiten oder sich mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben, betont der Psychotherapeut. „Man kann ruhig hohe Forderungen an die eigene Arbeit stellen, solange sie auf die definierte Arbeitszeit beschränkt ist. Wichtig ist vielmehr, Prioritäten zu erkennen und die Zeit danach einzuteilen. Denn viele tun zwar das richtige, jedoch zur falschen Zeit.“

Das betrifft etwa Perfektionisten, die Aufgaben häufig in drei Stunden erledigen statt in der einen Stunde, die sie bloß zur Verfügung haben. „Zwei Stunden haben sie somit falsch investiert, um die am Ende des Tages Familie, Freunde und Freizeit zu kurz kommen“, so Bonelli. Hilfreich sei oft schon, Aufgaben nach Wichtigkeit zu ordnen, Unwichtiges zu streichen und beim Rest zu planen, was man heute erledigen kann. „Beginnt man beim Notwendigen statt beim Angenehmen, fallen dadurch die Angst und Unlust weg, die sonst das ständige Aufschieben bereiten.“

Innerlichkeit relativiert die Arbeit
Kaum jemand halte es auf Dauer durch, sich nur über die Arbeit zu definieren. Zur Ordnung gehört für Bonelli deshalb auch, die Arbeit richtig einzuschätzen und zu relativieren. „Innerlichkeit ist ein Schutz vor Burnout. Innere Freiheit erreicht man, indem man transzendente Werte an die erste Stelle reiht – durch Besinnen auf eigene Werte oder durch Nachdenken über tiefgründige Fragen des eigenen Lebens.“ Die dafür nötige natürliche Religiosität besitze jeder, oft sei sie jedoch verschüttet und müsse wiederentdeckt werden, so der Psychotherapeut.

Wege aus dem Burnout
Wer eigene Bedürfnisse vernachlässigt und zur Bewältigung des Alltags zunehmend Genussgifte wie Kaffee, Alkohol und Nikotin konsumiert, ist dem Burnout schon bedrohlich nahe. Meist treten in diesem Stadium auch Schlafstörungen auf. Das Missverhältnis von Bedürfnissen und Anforderungen führt zudem zu einem allgemeinen Erschöpfungsgefühl und zu Fehlleistungen. In dieser Situation sind dringend Pausen zum Auftanken angezeigt. Ideal ist ein verbindlicher Termin am Tag, um sich zu regenerieren – sei es mit Musik, Sport, Zeitungslesen oder einfach Nichtstun. Empfehlenswert ist zudem das Erlernen einer Entspannungs-methode wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation.

Ein höchst gefährliches Burn-out-Signal: Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, erleben soziale Kontakte zunehmend als Belastung. Gut gemeinte Zuwendung empfinden sie oft als Angriff, reagieren aggressiv und zynisch auf ihre Umgebung. Zu diesem Zeitpunkt ist professionelle Hilfe angesagt: Coaches oder Psychologen helfen gezielt bei der Identifizierung von persönlichen Energiekillern und Energiequellen. Das gibt Burn-out-Gefährdeten die Möglichkeit, eine neue Balance zwischen Anforderungen und persönlichen Ressourcen herzustellen.

Klicken Sie, um einen Kommentar hinzuzufügen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Familienleben

girl-1863906_1280

Gartengestaltung für die ganze Familie

Hans Wankl15. Oktober 2018
kids-2835431_1280

Einschulung – Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Hans Wankl7. Oktober 2018
camera-1840

Die Dokumentation der Familienerlebnisse ist immer lohnenswert

Hans Wankl4. Juli 2018
rose-2335203_1280

Mit Kindern über den Tod reden: Wie ist es am leichtesten?

Hans Wankl25. Juni 2018

Spielzeug aus Holz: der Klassiker im Kinderzimmer

Hans Wankl23. Mai 2018
young-791849_1280

Arbeiten von zu Hause aus: Homeoffice, Familie und Beruf

Hans Wankl10. März 2018

Der Schultasche die nötige Aufmerksamkeit widmen

Hans Wankl28. Oktober 2017

Die Familienküche – ein Ort, an dem die Generationen zusammenkommen

Hans Wankl20. August 2017

Tipps für eine ruhige Nacht im Kinderzimmer

Hans Wankl30. Juli 2017

Warum eine Kinder-Unfallversicherung so wichtig ist

Hans Wankl23. Juli 2017